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Bürgermeister blickt auf 2020
Neue Personalstruktur im Rathaus

 Bürgermeister Michael Forster hat klare Vorstellungen, wie er den Tanker Stadt nach all den Skandalen wieder in ruhiges Fahrwasser lenken könnte. Dazu sucht er den Schulterschluss mit seinen Mitarbeitern und dem  Stadtrat.
Bürgermeister Michael Forster hat klare Vorstellungen, wie er den Tanker Stadt nach all den Skandalen wieder in ruhiges Fahrwasser lenken könnte. Dazu sucht er den Schulterschluss mit seinen Mitarbeitern und dem  Stadtrat. FOTO: Peter Neuheisel
Homburg. Der kommissarische Verwaltungschef Homburgs, Bürgermeister Michael Forster, zu den Vorhaben im Jahr 2020. Von Peter Neuheisel

Er hat wahrlich keinen leichten Job: Seit knapp einem Jahr ist der Homburger Bürgermeister Michael Forster (CDU) kommissarischer Verwaltungschef. Nach der Suspendierung von Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind (SPD) wegen dessen Verurteilung vor dem Landgericht führt der gebürtige Erbacher die Geschäfte im Rathaus. Die Revision Schneidewinds, der in der Detektivaffäre wegen schwerer Untreue im Amt zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt wurde, zieht sich (wie erwartet) hin. Das macht die Arbeit Forsters nicht gerade leichter, aber im Gespräch mit unserer Zeitung zum Jahresstart lässt er sich davon nichts anmerken. Mit scheinbar stoischer Ruhe geht er die Aufgaben an, die im neuen Jahr für die Stadt anstehen – und das sind einige. „Ich möchte den Tanker Stadtverwaltung auf einen neuen Kurs bringen“, sagt er zu Beginn des Gesprächs. „Das alles braucht Zeit, es wäre mir wirklich lieber, der Tanker würde sich etwas schneller drehen.“

Das Hauptaugenmerk muss Forster bei seinem Tun derzeit auf die angespannte finanzielle Lage der Stadt richten. Bis 2024 müssen im Haushalt acht Millionen Euro eingespart werden. So beschloss der Stadtrat im Dezember, die Grundsteuer sowie die Gewerbesteuer zu erhöhen. Das ist aber nur ein erster Schritt. „Der Maßnahmenkatalog für den Stadtrat sieht vor: ein Viertel Einsparung in der Verwaltung, drei Viertel bei den freiwilligen Ausgaben.“ Das wird weh tun. In diesem Zusammenhang wird der Rathaus-Chef deutlich: „Mit den Sparbemühungen hätte viel früher begonnen werden müssen.“ Bereits 2014 sei klar geworden, dass die Stadt bis 2024 einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen habe – fünf verschenkte Jahre also.

Die beabsichtigte Einsparung von 40 Stellen im Rathaus sei ohne eine Umstrukturierung nicht zu machen. Deshalb erarbeitet Forster gemeinsam mit der im Rathaus von ihm eingerichteten Stabsstelle eine neue Personalstruktur, um die Verwaltung zu verschlanken. Die Mitarbeiter würden einbezogen bei dem Prozess, „die werde ich nicht aus dem Blick verlieren“. Beim Heringsessen in sechs Wochen will der Bürgermeister erstmals Details seines Vorhabens der Öffentlichkeit präsentieren. Gleichzeitig möchte er den Bürgerservice erhöhen, sprich die Stadt soll sich bürgerorientierter aufstellen. Dabei spielt die Digitalisierung eine wichtige Rolle, die vorangetrieben werden soll. Forster plane zusätzlich eine „Dialogtour“ durch die Stadtteile, damit die Bürger ihre Anliegen vorbringen können. Der „Runde Tisch“ in Beeden kürzlich habe gezeigt, wie wichtig solche Treffen seien. Zudem soll demnächst direkt beim Bürgermeister ein Bürgerberater als direkter Ansprechpartner angesiedelt werden, damit Anliegen schneller erledigt werden könnten. Apropos Bürger: Das Format des Heringsessens möchte der Verwaltungschef ändern und dieses für alle Interessierten öffnen – quasi weg von der Liste mit geladenen Gästen. Auch mit diesem Bürgerempfang könne sich die Verwaltung transparenter präsentieren. Forster: „Ich weiß, dass ich den Homburgern gerade im Hinblick auf die Erhöhung der Grundsteuer viel zumute. Das hätte ich gern vermieden.“ Vor diesem Hintergrund sei es umso wichtiger, die Verwaltung bürgerorientierter aufzustellen.



Die weitere touristische Erschließung des Schlossbergs ist natürlich auch 2020 ein großes Thema. Die bisherigen Planungen samt des umstrittenen Besucheraufzuges wurden ja im vergangenen Herbst vom Stadtrat gestoppt. Ein Sonderausschuss des Rates werde sich um das weitere Vorgehen bemühen. Ein neuer Vorschlag setzt einen Schwerpunkt am Höhleneingang und sei bereits erarbeitet worden. Alles Weitere soll in Kürze folgen. Michael Forster zeigte sich in diesem Zusammenhang noch einmal erleichtert, dass „beim bisherigen Vorhaben die Reißleine gezogen wurde“. Anscheinend gab es da nicht nur das zeitliche Problem, sondern es fehlte wohl auch ein durchdachtes Finanzierungskonzept, das die Folgekosten berücksichtigt hätte. Und ob ein Aufzug von den Landesbehörden überhaupt genehmigt worden wäre, ist mehr als fraglich. Forster hält sich da eher bedeckt, aber in der finanziellen Notlage, in der sich die Stadt befindet, wäre den Homburgern ein weiteres Jonglieren mit Steuergeldern nicht zumutbar.

Zur Unterstützung der heimischen Wirtschaft und zum Erfüllen der Klimaziele spielen für Forster saubere Verbrennungsmotoren ebenso eine Rolle wie die E-Mobilität. Zur Sicherung von Arbeitsplätzen könnte sich der Bürgermeister aber auch vorstellen, dass Homburg der Leuchtturm im Land in Sachen Wasserstoff-Technologie wird. Einige der Großbetriebe hätten da schon klare Vorstellungen geäußert. Ein wichtiger Schritt sei der Bau der ersten Wasserstoff-Tankstelle im Land bei den Stadtwerken, den sich der Bürgermeister wünscht. Weiteres Wirtschaftsthema: Das so genannte „Erdbeerland“ an der Bexbacher Straße soll noch in diesem Jahr erschlossen werden. Hier sollen laut Forster ausschließlich zukunftsfähige Industrieunternehmen hin. „Wir werden das wichtige Gebiet nicht auf Teufel komm raus belegen.“

All das Geschilderte ist sicherlich nur ein Bruchteil dessen, was Forster 2020 ins Haus steht. Manches nimmt er auch aus den Vorjahren mit: Wie geht es weiter mit dem Autobahn-Anschluss Ost? Wie mit dem Vauban-Carree in der Innenstadt? Zu beiden Fragen werde man in den kommenden Wochen hoffentlich Antworten erhalten, fordert der Verwaltungschef. Noch im Januar soll auch geklärt werden, wie die Zukunft des alten Rathauses auf dem Marktplatz aussieht. Stichwort: Nottreppe. „Die wird so nicht bleiben, das hier war tatsächlich eine Notlösung.“

Das geplante Begegnungszentrum im Rathaus soll ohne Einschränkungen für den Homburger Musiksommer umgesetzt werden, verspricht Forster, der weiß, was 2020 alles auf ihn zukommt.

 Die Form des Heringsessens möchte der Verwaltungschef leicht modifizieren – hin zu einem Bürgerempfang.
Die Form des Heringsessens möchte der Verwaltungschef leicht modifizieren – hin zu einem Bürgerempfang. FOTO: Thorsten Wolf