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Saarpfalz-Jahrbuch 2019
„Mysterium im Landratsamt“ gelüftet

Viele Autoren des Saarpfalz-Jahrbuchs 2019 kamen zur Buchvorstellung in die Kreisverwaltung.
Viele Autoren des Saarpfalz-Jahrbuchs 2019 kamen zur Buchvorstellung in die Kreisverwaltung. FOTO: Jennifer Klein
Homburg. Druckfrisch ist das Saarpfalz-Jahrbuch 2019 – und prallvoll mit Geschichten, Anekdoten und Bildern  aus der Region. Von Jennifer Klein

„Wir sind schon ein besonderes Volk, die Saarpfälzer, und eine besonders geschichtsträchtige Region. Das nehmen andere auch für sich in Anspruch, aber bei uns ist es wirklich so“, erklärte Landrat Theophil Gallo bei der Vorstellung des Saarpfalz-Jahrbuchs 2019 im Landratsamt, und sorgte damit gleich für heitere Stimmung unter den zahlreichen Besuchern. Den Beweis der kühnen Behauptung blieb der Landrat nicht schuldig, und listete anschließend auf, was die Region so besonders macht: natürlich die bewegte Geschichte zwischen Saar und Pfalz, Bayern und Preußen, von der das Schloss und die Festung als Relikte künden, der besondere Status als „Wiege der Demokratie“ mit Siebenpfeiffer und Wirth, das Nebeneinander von Bergbau-Vergangenheit und dörflichen, von Landwirtschaft geprägten Strukturen - ein spannendes und vielschichtiges Feld, das zu beackern sich lohnt. Davon künden auch die Beiträge im aktuellen Saarpfalz-Jahrbuch, die diese Vielfalt widerspiegeln. Darin geht es um Geschichte, Kunst, Kultur, Natur, Biosphäre, Brauchtum und Mundart, und zum Teil haben die Autoren – Vertreter von Heimatmuseen, Ortsarchiven und Geschichtswerkstätten – auch schier Unglaubliches ausgegraben.

Edgar Steiger übernahm es, das druckfrische, 218 Seiten starke Werk vorzustellen – „eigentlich müsste man jeden Beitrag erwähnen, es wäre für jeden Autor ein Lob geworden“, doch das hätte zweifellos den Rahmen der Präsentation gesprengt. Den Beiträgen vorangestellt ist ein reich bebildertes Kalendarium, das neben den Feiertagen auch  Namenstage verzeichnet.

Wer in dem Buch herumschmökert, stößt auf spannende und teils auch kuriose Geschichten. Peter Wolff zum Beispiel schreibt über die „Bayerischen Briefmarken der Saarpfalz“ , die zum Teil rarer und wertvoller sind als die Blaue Mauritius. Von dem „20 Mark Bayern-Sarre“-Wertzeichen sind nur noch zwei gestempelte Exemplare vorhanden. „Wer die erste besitzt, ist nicht bekannt. Die zweite jedoch wurde 2015 in der Schweiz für 800 000 Euro versteigert. Ein US-Amerikaner bekam schließlich den Zuschlag, nachdem einem Schweizer Bieter quasi die Luft ausgegangen war“, schreibt Peter Wolff.



Dem Landratsamt sind gleich zwei Beiträge gewidmet – Fritz Lehmann schreibt über die Bauhistorie des Komplexes am Forum – dazu abgebildet ist auch ein Modell, wie das Ganze aussehen sollte: „Sie werden staunen, was da alles nicht realisiert wurde“, sagte Martin Baus, Leiter des Redaktionsteams.

Einem „Mysterium im Landratsamt“ (Baus) geht Jutta Schwan nach. Sie lüftet das Geheimnis um ein bis dato nicht dokumentiertes und kaum wahrgenommenes Buntglasfenster im ersten Obergeschoss der Kreisverwaltung. „Mir ging es selbst so“, räumte Baus schmunzelnd ein, „als mich ein Besucher bei einer Veranstaltung auf das Buntglasfenster im Flur ansprach, hab ich gefragt: Welches Fenster?“ – obwohl er x-mal daran vorbei gelaufen sei.

Das Buntglasfenster fertigte 1955 der Künstler Günter Maas an, der seinerzeit auch den Gestaltungswettbewerb für den Marktplatz-Brunnen gewonnen hatte. Maas, der sich mit Arbeiten im sakralen Bereich einen Namen gemacht hatte, verwendete für die Szenen dieses Fensters ebenfalls die Bleiglastechnik. Dargestellt sind Sehenswürdigkeiten des früheren Landkreises Homburg: zum Beispiel ein Storchenpaar im Nest, der Marktplatzbrunnen, der Bexbacher Hindenburgturm; der Jäger mit seinen Hunden erinnert an die Jagdleidenschaft der früheren Herzöge – viele Geschichten werden in den Glasbildern erzählt, die durch ihre leuchtenden Farben und lebendigen Ausdruck bestechen.

Eine Besonderheit der Region, „ein Stück dörflicher Industriekultur“ schildert Jürgen Karl Neumann in seinem Beitrag „Von der Mühle zur Wörschweiler Papierfabrik“. Johannes Stirnemann erinnert an das Druckerhandwerk, die heute fast untergegangene „schwarze Kunst“ mit Zunftbräuchen wie der „Gautschfeier“ und ihrer eigenen Druckersprache. Weitere Geschichten, von früher und heute, Geheiraden, einem bunten Hund, gefiederten Zaungästen, militanten Latzhosen-Trägerinnen, Bienen-Rettern und vielem mehr erzählt der aktuelle Band des Saarpfalz-Jahrbuchs. Übrigens: Das Jahrbuch eignet sich auch bestens  als Weihnachtsgeschenk.

Und das Redaktionsteam hat bereits die nächste Ausgabe im Blick: Für das Jahr 2020 stehen gleich zwei Schwerpunkt-Themen an: einmal 100 Jahre Saargebiet, zum anderen 75 Jahre Ende des Zweiten Weltkrieges. Es gibt also genug zu tun.

Saarpfalz-Jahrbuch 2019, zu beziehen zum Preis von sechs Euro über den Buchhandel und bei der Kreisverwaltung, Am Forum, In Homburg.

Der Beitrag von Jutta Schwan widmet sich der Geschichte dieses Buntglasfensters, das vom Künstler Günter Maas für das Landratsamt gestaltet wurde. Es zeigt Sehenswürdigkeiten des früheren Landkreises Homburg.
Der Beitrag von Jutta Schwan widmet sich der Geschichte dieses Buntglasfensters, das vom Künstler Günter Maas für das Landratsamt gestaltet wurde. Es zeigt Sehenswürdigkeiten des früheren Landkreises Homburg. FOTO: Jennifer Klein
Das Cover zeigt die Orangerie in Blieskastel.
Das Cover zeigt die Orangerie in Blieskastel. FOTO: Martin Baus