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Wieder auf eigene Faust durch die Schlossberghöhlen
Neue Etagen sind ab Freitag zugänglich

Die Homburger Schlossberghöhlen zeichnen sich auch durch ihre besonderen gelben und roten Färbungen aus. Hier ein Blick in die Ebene elf, die man ab Freitag besichtigen kann.
Die Homburger Schlossberghöhlen zeichnen sich auch durch ihre besonderen gelben und roten Färbungen aus. Hier ein Blick in die Ebene elf, die man ab Freitag besichtigen kann.
Homburg. Lange hat es gedauert, nun werden die Möglichkeiten, die Homburger Schlossberghöhlen zu besichtigen, vielfältiger. Am Donnerstag gibt es daher eine Feierstunde und hier schon vorab ein paar Bilder der wieder geöffneten Stockwerke. Von Ulrike Stumm

Eine mittlerweile jahrzehntelange Geschichte des Wartens soll an diesem Donnerstag zu einem guten Ende kommen. Es geht um die Homburger Schlossberghöhlen. Sie zählen zu den großen Sehenswürdigkeiten der Kreisstadt. Allerdings zog dieses touristische Pfund in den vergangenen Jahren nicht mehr so richtig. Das lag vor allem auch daran, dass die Buntsandstein-Höhlen nur noch sehr eingeschränkt besichtigt werden konnten. Kamen früher regelmäßig um die 40 000 Menschen jährlich, wurden es mit der Zeit immer weniger. Ab 2012 wollten nur noch um die 20 000 Besucher die Höhlen sehen, teilte die Stadt auf Anfrage mit.

Der im wahrsten Sinn des Wortes große Bruch kam bereits vor mittlerweile etwa 15 Jahren. Es gab nämlich einen Teileinsturz von größeren Brocken aus der Buntsandstein-Decke, daher wurden die Höhlen 2003 komplett gesperrt, aufwendig saniert, im Frühjahr 2007 erneut geöffnet. Dennoch waren sie seitdem nur zu besichtigen, wenn man sich einer Führung anschloss – und selbst dann auch nur in Teilen, unterwegs sein konnte man nämlich ausschließlich im häufig als Ebene zehn bezeichneten Stockwerk. Dieses war erst im Februar 2011 komplett inklusive Thronsaal freigegeben worden, so die Stadt. Zudem wurde festgelegt, dass sich nur noch 120 Menschen gleichzeitig im Raum aufhalten dürfen. Zuvor waren bei Veranstaltungen wie Lesungen oder Konzerten schon mal um die 200 bis 300 Leute zeitgleich in den Höhlen, so Stadt-Pressesprecher Jürgen Kruthoff. Die Erklärung für alle diese Vorgaben: Sicherheitsgründe.

Für die Zugkraft erwies sich das als negativ. Hatten sich direkt nach der Wiedereröffnung 2007 noch 36 000 Menschen für die Höhlen interessiert, war man 2009 schon bei 25 000 angelangt und landete ab 2010 bei maximal gut 20 000.



Immer wieder versprach die Stadt, dass bald mehr Freiheiten möglich sein sollten, hoffte dadurch natürlich auch auf ein Besucherplus. Durch die Einführung einer Kameraüberwachung sollten weitere Ebenen zugänglich sein, sodass man sich dann auf insgesamt drei Ebenen in den Höhlen bewegen könne – und zwar frei, ohne Führung. An der Umsetzung dieser Pläne arbeitete man bei der Stadt seit mehr als sechs Jahren. 2012 hieß es, man wolle diese bis zum Jahresende installieren (wir berichteten mehrfach). Nach diversen Wirren um eine defekte Kamera und den Hauptbetriebsplan, war dann der letzte Stand: Im Mai soll es so weit sein.

Nun soll dafür an diesem Donnerstag, 12. Juli, tatsächlich der Startschuss fallen. Am Morgen wird es in den Höhlen einen kleinen Festakt geben mit verschiedenen Gästen. Auch ein Band soll symbolisch durchschnitten werden. Und ab dem Tag danach und damit Freitag, 13. Juli, sollen dann alle Besucher das Angebot nutzen und auf eigene Faust auf den drei Etagen unterwegs sein können. So kündigt es die Stadt an. Homburg, so ließ sie wissen, habe alle Auflagen erfüllt, „die das Bergamt Saarbrücken als Voraussetzung für den individuellen Besuch der Schlossberghöhlen auf den Etagen zehn, elf und zwölf gemacht hat“. So könne man nun ein verbessertes Angebot präsentieren.

Das Bergamt kommt aus einem besonderen Grund ins Spiel: Streng genommen sind die Homburger Schlossberghöhlen nämlich eigentlich gar keine Höhlen. Sie wurden von Menschenhand geschaffen. Im 17. Jahrhundert wurde hier wegen des hohen Quarzanteils der Sand für die Glasherstellung gewonnen, später wurde er aber auch als Formsand für den Eisenguss und als Scheuersand für Dielenböden abgebaut. Für einige Zeit gerieten die Höhlen dann in Vergessenheit, wurden aber in den 1930er Jahren von spielenden Kindern wiederentdeckt. Im zweiten Weltkrieg dienten sie als Schutzraum vor Luftangriffen. Die Höhlen sind genau genommen ein Bergwerksstollen, das erklärt, warum sie dem Oberbergamt unterstehen. Wer mehr über die Geschichte wissen möchte, der kann sie im Internet nachlesen unter www.homburger-schlossberghoehlen.de.

Was aber macht nun eigentlich den besonderen Reiz aus? Der Charme der zusätzlichen Ebenen in den Höhlen liege unter anderem darin, dass diese nicht so groß und vor allem hoch seien wie die bislang geöffnete Ebene zehn. Der Bergwerkscharakter trete hier stärker zutage. Die Gänge seien niedrig, größere Menschen müssten gebückt gehen, heißt es dazu. Als typisches Bild für den bisher zugänglichen Bereich hat sich der große Saal mit seinen Sicherheitseinrichtungen eingeprägt, die ihrerseits ebenfalls sehenswert sind. Fasziniert sind Besucher auch von den Farben: der Sandstein ist nämlich gelb und rot verfärbt.

Ein Blick in die Ebene zwölf. Hier sind Sicherungseinrichtungen zu sehen. Diese wurden laut Stadt bereits mit den Einbauten in der Ebene zehn, die bisher schon zugänglich war, installiert.
Ein Blick in die Ebene zwölf. Hier sind Sicherungseinrichtungen zu sehen. Diese wurden laut Stadt bereits mit den Einbauten in der Ebene zehn, die bisher schon zugänglich war, installiert.
Ein Blick in den Aufgang zur Ebene zwölf – hier können Besucher ab Freitag entlanggehen.
Ein Blick in den Aufgang zur Ebene zwölf – hier können Besucher ab Freitag entlanggehen.