| 20:29 Uhr

Neben Kritik auch viele Ideen

 Auch die Kaserne mit ihren großen Freiflächen war am Samstag Thema des Treffens zur Zukunft Erbachs, hier sollen alternative Nutzungen angedacht werden. Foto: Thorsten Wolf
Auch die Kaserne mit ihren großen Freiflächen war am Samstag Thema des Treffens zur Zukunft Erbachs, hier sollen alternative Nutzungen angedacht werden. Foto: Thorsten Wolf FOTO: Thorsten Wolf
Erbach. Eine Markthalle anstatt des leer stehenden Einkaufsmarkts in der Robert-Bosch-Straße, eine Lösung für die ungenutzten und meist ungepflegten Freiflächen der Kaserne: Es wurde vieles angesprochen bei einer Zusammenkunft in Erbach mit Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind und der Beigeordneten Christine Becker. Thorsten Wolf

Wie soll Erbach als Homburgs größter Stadtteil in zehn Jahren aussehen? Mit Antworten auf diese Frage befasste sich auf Einladung der Stadt am Samstag ein Zukunftsworkshop im Pfarrheim Maria vom Frieden. Rund 40 Teilnehmer wollten sich aktiv einbringen. Impuls für diesen neuerlichen Blick in die Zukunft ist das Ende des Städtebauförderprogramm "Stadtumbau West" und die Aufnahme Erbachs ins Programm "Soziale Stadt" als Nachfolgeförderung. Homburgs Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind und die hauptamtliche Beigeordnete Christine Becker erläuterten zu Beginn der Veranstaltung die neuen Vorzeichen für die Weiterentwicklung Erbachs. "Ich bin den Verantwortlichen im Ministerium für die Aufnahme Erbachs in Städtebauförderprogramm ,Soziale Stadt' sehr dankbar. Denn normalerweise ist es nicht üblich, dass man direkt in ein neues Programm aufgenommen wird, wenn ein altes ausläuft. Da hat man erstmal ein paar Jahre keine Chance." Man habe aber an entscheidender Stelle erkannt, so Schneidewind, dass in Erbach in der Vergangenheit viel passiert sei.

Doch wie soll es in der Zukunft weitergehen? Die Teilnehmer des Workshops hatten von zehn Uhr am Morgen bis in den Nachmittag Zeit, Kritikpunkte am gegenwärtigen Erbach zu äußern, mögliche Lösungen zu erarbeiten und Visionen zu entwickeln. Begleitet und moderiert wurde dieser Prozess von Carsten Schreiben vom Stadtplanungsbüro Isoplan gemeinsam mit Christine Becker.

Nach Ende der Veranstaltung fasste Schreiber das zusammen, was nun Impuls für eine Weiterentwicklung Erbachs sein soll. Ein ganz großes Thema sei dabei der Verkehr in Erbach gewesen. "Hier gab es unheimlich viele Kritikpunkte." Der Wunsch aus dem Plenum: Ein Verkehrskonzept für Erbach , "das muss aus Sicht der Workshop-Teilnehmer unbedingt umgesetzt werden, einfach aufgrund der hohen Lärmbelastung".

Auch der leer stehende Einkaufsmarkt in der Robert-Bosch-Straße, so Schreiber, habe den Teilnehmern auf der Seele gelegen. Dabei sei klar zum Ausdruck gekommen, dass man eigentlich keinen weiteren Einkaufsmarkt dort haben wolle. "Man könnte ja an diesen Platz auch eine Art von Markthalle einrichten. Das war eine der Ideen." Kritisch haben man auch das eigentliche Ortsbild gesehen - von kaputten Straßen bis zu Neubauten, die nicht ins gewachsene Erbacher Umfeld passen. "Hier könnte man für Bauherren eine Beratungsstelle einrichten."

Ganz besonders am Herzen lag den Teilnehmern an der Zukunftswerkstatt die Situation in der Böcklinstraße als einem der sozialen Brennpunkte in Erbach . Und auch die "Kaserne" mit ihren großen Freiflächen stand in der Diskussion. "Diese sind eigentlich ungenutzt und meist sehr ungepflegt", so Schreiber. "Das Mindeste wäre hier eine stärkere Pflege." Denkbar sei aber auch ein spezielles Angebot für Kinder auf diesen Arealen, immerhin zeige sich die Bevölkerungsstruktur in der Kaserne als sehr kinderreich. In der Summe bewertete Schreiber den Tag als produktiv und konstruktiv - ebenso wie Erbachs Stadtteilmanager Sebastian Rensch. "Die Teilnehmer haben alle ihren Ideen vorgebracht. Das dabei durchaus auch kritisch, aber im Lösungsprozess hilfreich für die Stadt."

Zum Thema:

Auf einen BlickMit dem Städtebauförderungsprogramm "Soziale Stadt" unterstützt der Bund seit 1999 die Stabilisierung und Aufwertung städtebaulich, wirtschaftlich und sozial benachteiligter und strukturschwacher Stadt- und Ortsteile. Städtebauliche Investitionen in das Wohnumfeld, in die Infrastrukturausstattung und in die Qualität des Wohnens sorgen für mehr Generationengerechtigkeit sowie Familienfreundlichkeit im Quartier und verbessern die Chancen der dort Lebenden auf Teilhabe und Integration. Ziel ist es, vor allem lebendige Nachbarschaften zu befördern und den sozialen Zusammenhalt zu stärken. red/Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit