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Buddhist Lama Samten über die Pandemie
„Das ist eine Aufgabe für die ganze Erde“

 Heinz Zimmer, Thích Chúc Toàn und Lama Konchok Samten vor dem Altar.
Heinz Zimmer, Thích Chúc Toàn und Lama Konchok Samten vor dem Altar. FOTO: B&K / Bonenberger/
Homburg/Saal . Corona hat die Tour-Pläne buddhistischer Mönche durchkreuzt. In Saal haben sie für die Menschen und ein Ende der Pandemie gebetet. Von Evelyn Schneider

Eine prächtige Buddha-Figur aus weißem Stein ruht vor dem Haus mit gelbem Anstrich. Einst war das Gebäude am Ortsausgang von Saal als Gasthaus bekannt, heute ist es ein buddhistischer Tempel. Und zuletzt auch das Übergangszuhause für eine Gruppe Mönche aus Ladakh (Nordindien).

Lächelnd schreitet Lama Konchok Samten die Stufen hinab. Zum Gruß faltet er die Hände und neigt seinen Kopf. Seit Ende Februar ist er gemeinsam mit fünf weiteren Mönchen und zwei Künstlern in unserer Region zu Gast. Hier startete die Tournee „Aus dem Herzen des Himalaya“ (wir berichteten). Diese sollte den Besuchern nicht nur die Kultur Ladakhs in Tänzen, Gebeten und Vorträgen näher bringen, sondern auch der guten Sache dienen. Mit dem Erlös aus den während der Tour eingenommenen Spenden – auf feste Eintrittsgelder wurde verzichtet – sollte der Bau einer Schule für Waisenkinder und den Nachwuchs armer Familien sowie einer Bibliothek nahe der Hauptstadt Leh unterstützt werden. Insgesamt 40 Termine waren in Deutschland und Europa geplant.

Eigentlich wäre Lama Konchog Samten, begleitet von den buddhistischen Mönchen, am vergangenen Donnerstag, 19. März, auch ins Homburger Rathaus gekommen. Es ist auch den Homburger Nepalkennern Anne und Klaus Hessenauer zusammen mit der Volkshochschule zu verdanken, dass auch Homburg eine Station der Tournee werden sollte. Die Hessenauers wollten die Darbietung der Mönche und Laiendarsteller mit einer Multimediareise durch den Himalaya umrahmen, ihre Zuschauer mit dorthin nehmen „Wo der Wind betet“. Doch dann kam Corona. Alles wurde abgesagt. Er bedaure das natürlich sehr, umso mehr, als die bereits stattgefundenen Events eine sehr postive Resonanz hatten, schreibt Klaus Hessenauer. Aber: Aufgeschoben sei nicht aufgehoben, gibt er sich hoffungsvoll. „Wir haben große Teile der Darbietungen mit Foto und Video dokumentiert, sodass wir zu einem späteren, besser geeigneten Zeitpunkt einen Ersatzvortrag planen können.“



„Neun Termine im Saarland haben wir geschafft“, berichtet der Bubacher Heinz Zimmer. Er hat zusammen mit Lama Samten die Tournee organisiert. Die Akzeptanz und Spendenbereitschaft sei groß gewesen. Immerhin 6000 Euro seien zusammengekommen. Kennengelernt haben sich der Abenteurer Zimmer, der bereits 1977 Ladakh bereist hat, und Lama Samten vor mehr als zwei Jahren in diesem Tempel. 2017 hat der aus Vietnam stammende Buddhist Thích Chúc Toàn das ehemalige Gasthaus entdeckt und peu à peu zu einem Ort des Gebets und der Meditation umgestaltet.

Herzstück ist der einstige Tanzsaal, an dessen Ende nun ein aufwändig gestalteter Altar seinen Platz gefunden hat. Lama Samtendeutet er auf den Teppich. Dort liegen aufgereiht ein paar Kissen, vor jedem ist ein kleiner Tisch platziert. „Wir haben gerade unser Gebet beendet“, erläutert der Gast aus Ladakh. Darin sei es auch um die Corona-Krise gegangen und den Wunsch, dass die Erde bald heilen möge. Die Pandemie hat auch seine Heimat im Norden Indiens erreicht. Etwa 270 000 Menschen leben dort, zehn Infizierte gebe es bislang. Das Dorf, in dem Lama Samtens Schwester wohnt, ist komplett gesperrt. „Ich bin froh, dass wir über moderne Medien Kontakt halten können“, sagt der Buddhist. Es gehe seiner Schwester gut, sie werde regelmäßig mit frischen Lebensmitteln versorgt.

„Corona ist ein globales Problem“, macht Lama Samten deutlich. „Wir müssen alle mitmachen, um es in den Griff zu bekommen.“ Dass die Virusinfektion die Tourpläne der Mönche durchkreuzt hat, damit hadert der 38-Jährige nicht. Und das, obwohl er als Organisator viel Geld investiert hat, um die Reise nach Deutschland überhaupt zu finanzieren. Er hofft, dass er diese Kosten mit der Unterstützung von Freunden noch ein wenig mindern kann. Denn die Spendengelder werden für den Bau der Schule gebraucht. Der sollte eigentlich im Juni beginnen. An diesen Termin glaubt Lama Samten zwar nicht mehr, aber dafür umso mehr an das Projekt selbst.

„Wir werden nicht aufgeben. Diese Schule wird gebaut“, sagt er und lächelt. Gemeinsam mit Heinz Zimmer hat er auch schon neue Pläne geschmiedet. „Im nächsten Jahr soll es wieder eine Tour geben – wie dieses Mal mit Vortrag, Gebeten und Maskentanz“, erläutert der Bubacher. Allerdings würden dann wohl nur drei Mönche aus Ladakh anreisen.

„Es war eine wunderschöne Zeit hier“, sagt Lama Samten. Er habe viele nette Saarländer kennengelernt. Und mit einigen davon soll es ein Wiedersehen in seiner Heimat geben. Heinz Zimmer möchte spätestens 2021 mit einer Gruppe Neugieriger in die Himalaya-Region reisen.

Dorthin kehren Lama Samten und seine Glaubensbrüder erst in zwei Monaten zurück. Bis 20. Mai gelten ihre Visa. Solange wollen sie in Deutschland bleiben. Allerdings nicht mehr in Saal. Als nächstes geht es nach Kaiserslautern in einen Tempel. Dort, so sagt der 38-Jährige, werden sie viel beten und vielleicht ein Sand-Mandala gestalten.

Nachdenklich schreitet der Buddhist zur Tür. „Bei uns sagt man: Was kommt, das geht auch.“ Und so werde es auch mit der Corona-Pandemie sein. Jetzt müssten die Menschen geduldig sein und bei den Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus mitmachen. „Das ist eine Aufgabe für die ganze Erde.“

Wer Lama Samtens Schulprojekt unterstützen möchte, kann an den wohltätigen buddhistischen Verein Himalaya Haus spenden als Verwendungszweck: Name und Projekt angeben. Weitere Infos, auch zum Spendenkonto, gibt es im Internet:

www.himalayahaus.de

 Der buddhistische Tempel Chúa Pho Tinh im ehemaligen Dorfgemeinschaftshaus in Saal.
Der buddhistische Tempel Chúa Pho Tinh im ehemaligen Dorfgemeinschaftshaus in Saal. FOTO: B&K / Bonenberger/
 Die Mönche beim Gebet.
Die Mönche beim Gebet. FOTO: B&K / Bonenberger/