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Missbrauchsverdacht am Uni-Klinikum
U-Ausschuss zum Uni-Klinikum erweitert Auftrag

FOTO: BeckerBredel
Homburg/Saarbrücken. Der Untersuchungsausschuss zum Missbrauchsverdacht am Uni-Klinikum (UKS) in Homburg will seine Aufarbeitung ausweiten. Von Tobias Fuchs

Der Untersuchungsausschuss zum Missbrauchsverdacht am Uni-Klinikum (UKS) in Homburg will seine Aufarbeitung ausweiten. Ursprünglich befasste sich der Ausschuss des Saar-Landtages nur mit der Frage, wie das Klinikum und andere Verantwortliche mit den Verdachtsfällen in einer Spezialambulanz der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie umgingen. Am Dienstag beschlossen die Abgeordneten einstimmig, ihren Auftrag grundsätzlicher zu fassen. Nun soll es um das gesamte UKS in den vergangenen 16 Jahren gehen. Der Landtag muss dem heute noch zustimmen. Hintergrund sind Vorkommnisse an der Homburger HNO-Klinik. Die Staatsanwaltschaft überprüft im Moment die Behandlungen von drei Kindern. Das UKS sieht keinen Hinweis auf sexuellen Missbrauch. Jutta Schmitt-Lang (CDU) erklärte, im Ausschuss stelle man die „systemische Frage, wie das UKS grundsätzlich mit solchen Fragen umgeht“.

Nächste Woche liefert die Staatskanzlei dem Ausschuss umfangreiche Unterlagen. „Alle Akten, die uns derzeit zur Verfügung stehen“, sagt Regierungssprecher Alexander Zeyer. Ein Streit bahnt sich bei der Geheimhaltung an. Die Dokumente werden den Vermerk „VS Vertraulich“ tragen. Somit können die Abgeordneten die Akten nur unter hohen Auflagen nutzen und im Ausschuss verwenden. Sie dürfen sie im Landtag einsehen, sich Notizen machen – aber keine Kopien anfertigen. Die Linksfraktion prüft rechtliche Schritte gegen die Einschränkungen. CDU-Politikerin Schmitt-Lang erklärte dagegen, ihr sei wichtig, „gründlich und klar eine Regelung“ zu haben. Nach ihren Angaben ist eine Zurückstufung der Vertraulichkeit einzelner Akten möglich. Regierungssprecher Zeyer sagte, die Staatskanzlei sei „gesprächsbereit“.

Zurückhaltend reagiert man im Ausschuss auf ein Gutachten zu den mutmaßlichen Missbrauchsfällen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Das UKS hatte die Medizinerin Renate Schepker beauftragt, sich die Patientenakten von 34 Minderjährigen anzusehen, die der unter Missbrauchsverdacht stehende Assistenzarzt S. zwischen 2010 und 2014 behandelt hatte. Schepker stellte fest, dass 13 Prozent der Untersuchungen unter einem „sehr strengen Begutachtungsmaßstab“, so das Klinikum, „nicht medizinisch begründet“ gewesen seien. Doch: Nach Aktenlage seien in der Ambulanz keine sexuellen Übergriffe feststellbar, teilte das UKS mit. „Es kann überhaupt keine Rede davon sein, dass es ‚nach Aktenlage keine Übergriffe’ in der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Homburger Uniklinik gegeben hat“, erwidert die Linkenpolitikerin Astrid Schramm. Schmitt-Lang (CDU) begrüßte das Bemühungen des UKS um Aufklärung, sagte aber: „Ich halte es für deutlich verfrüht, hier schon Entwarnung zu geben.“