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Lesezeichen
Mehr als nur einfaches Vorlesen

Über ein Buch miteinander ins Gespräch kommen ist eines der Ziele der Homburger Kulturreihe „Lesezeit“.
Über ein Buch miteinander ins Gespräch kommen ist eines der Ziele der Homburger Kulturreihe „Lesezeit“. FOTO: dpa / Uwe Anspach
Homburg. Die Lesezeit ist eine Bereicherung für die Homburger Kulturszene. Patricia Hans und Jutta Bohn stellen ihr neues Lese-Programm für die Herbst- und Winterzeit vor. Literatur-Mix spricht die Gäste an. Von Jürgen Neumann

Was haben etwa die Schauspielerin Bettina Koch, der Politiker Markus Uhl, die Fernsehmoderatorin Bärbel Schäfer, die Künstlerin Julia Johannsen oder die Mediziner Norbert Graf und Ulrich Mielke und der Kabarettist Frank Sauer gemeinsam? Im Alltag wohl nichts. Doch  in Sachen Kultur schon. Sie  und weitere Personen treten in der Homburger Kulturszene zwischen diesem Herbst und kommenden Frühjahr auf. In der „Homburger Lesezeit“.

Zwei Frauen prägen diese besondere Kulturreihe: Jutta Bohn und Patricia Hans. Wenn man sich mit den beiden unterhält, merkt man ihnen Freude und auch Stolz an dem an, was sie bisher in der Homburger Kulturszene erreicht haben — und noch erreichen wollen.  Alles begann im Jahr 2015.

Zu den Freunden der Reihe „Lesezeichen“ mit Vorlesen und Zuhören kam eine völlig neue Reihe mit dem Namen „VLV“ hinzu. Dahinter verbirgt sich die Lesereihe „Vips lesen vor“.  Das neue Projekt geht auf eine Idee der Mitinitiatorinnen der Homburger Lesezeit, Jutta Bohn vom Frauen-Kulturstammtisch, und Patricia Hans von der Akademie für Ältere bei der Volkshochschule Homburg, zurück. Ihr Ziel war und ist es, in der Herbst- und Winterzeit ein Kompaktangebot von Lesungen mit Prominenten in Homburg anzubieten. Szenische Lesungen, gruselige Halloween-Texte, amüsante Erinnerungen und fantastische Geschichten – die außergewöhnliche Mischung stimmt bis heute.



Jutta Bohn und Patricia Hans erklären im Gespräch unisono: „Lokale und regionale Persönlichkeiten lesen aus ihren Lieblingsbüchern vor.“ Bei der Planung war den Macherinnen wichtig, dass es bei der Auswahl der Bücher nicht um einen Vergleich oder gar eine Rangliste gehen kann. „Deshalb sind uns alle Themen willkommen, von Belletristik, zeitgenössischer Literatur über Krimis und Historie bis hin zu praktischer Lebensphilosophie.“ Das Projekt fuße komplett auf Ehrenamtlichkeit, sowohl bei den Initiatorinnen als auch bei den Vorlesenden, und „der Eintritt ist frei.“ Die beiden Frauen übereinstimmend: „Über das Lieblingsbuch nehmen wir Menschen, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens anders wahr – über das Amt beziehungsweise über die Funktion hinaus“. Das Projekt sei auf positive Resonanz bei Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind und vor allem beim Kulturbeigeordneten Raimund Konrad, dem Mitinitiator der „Lesezeichen“, gestoßen. Patricia Hans erzählt bei unserem Gespräch einige Hintergründe. „Aus einem Lieblingsbuch zu lesen, ist beileibe nicht beliebig. Es hat mit einem selbst zu tun, man öffnet sich anderen, nimmt sie mit in seine Welten und ist damit auch ein Stück weit verletzlich.“

Auf die Gäste und Teilnehmer wird sicherlich so manche Überraschung zukommen. Jutta Bohn und Patricia Hans fänden es toll, „wenn wir über das Vorlesen des Lieblingsbuches miteinander ins Gespräch kommen, unterschiedliche Perspektiven einnehmen, aufeinander zugehen und uns austauschen.“ Während die Homburger Lesezeit mit professionellen Autoren und Autorinnen starte, so Patricia Hans, gehe es beim VLV um lesefreudige Persönlichkeiten, die bereit sind, öffentlich aus ihren Lieblingsbüchern vorzulesen: „Jeder Mensch hat seine Themen, oft sind es Lebensthemen, Vorlieben unabhängig von Bildung, aber abhängig von der Lebenserfahrung. Für jeden von uns hat ein solches Buch einen anderen Stellenwert. Es hat vielleicht Gedanken in unserem Leben verändert, uns vielleicht nicht mehr losgelassen, uns neue Perspektiven aufgetan, oder war uns Lebenshilfe.“

Die Ziele sind: neue Ideen werden geboren, Austausch, Verständnis, aufeinander zugehen, über Diskussionen einen neuen Weg finden. Jutta Bohn und Patricia Hans: „Wir wollen über ein Buch miteinander ins Gespräch kommen.“

Das Konzept kommt an: Anfangs saßen lediglich um die etwa 40 Menschen im Bistro 1680, dem ehemaligen Stadtcafé, um zuzuhören. Mittlerweile liege man schon zwischen 70 und 90 Leuten, es brauche sogar regelmäßig Extra-Stühle, selbst die Stehtische seien belegt. Sie haben Stammpublikum, doch es werden auch noch neue Leute angelockt. Auch die Gastronomie in der City profitiere von dem Kulturprogramm, oftmals bleiben die Gäste schon mal länger. Im vergangenen Jahr gab es erstmals eine Lesung „außerhalb“. Im Stadtteil Reiskirchen. Diesmal ist eine Lesung in Beeden vorgesehen.

Die Reihe, die auch von der Stadtbibliothek unterstützt wird,  findet in Zusammenarbeit mit Daniel Schlosser vom „Bistro 1680“, dem ehemaligen Stadtcafé, an mehreren Dienstabenden ab 19 Uhr statt. Manchmal gibt es darüber hinaus auch den ein oder anderen Freitagstermin.

Freuen sich schon auf die Lesezeit: Patricia Hans und Jutta Bohn beim Besuch in der Homburger Redaktion.
Freuen sich schon auf die Lesezeit: Patricia Hans und Jutta Bohn beim Besuch in der Homburger Redaktion. FOTO: Ulrike Stumm