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Tag des Kinderbuchs
Manche Bücher bleiben immer aktuell

Ein Büchertisch in der Homburger Stadtbibliothek: Es gibt klassische Kinderbücher, die überdauern die Zeit. Dazu gehören etwa die Geschichten von Astrid Lindgren. Ein Beweis: Ronja Räubertochter war gerade entliehen. Auch Märchen wie die von Andersen werden  heute noch gelesen. Andere Kinderbücher werden wieder aktuell, wenn sie verfilmt werden, gerade etwa „Die kleine Hexe“ oder „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“. Sachbände halten sich dann, wenn sie immer wieder erneuert werden, nicht nur sachlich, sondern auch in der Aufmachung.
Ein Büchertisch in der Homburger Stadtbibliothek: Es gibt klassische Kinderbücher, die überdauern die Zeit. Dazu gehören etwa die Geschichten von Astrid Lindgren. Ein Beweis: Ronja Räubertochter war gerade entliehen. Auch Märchen wie die von Andersen werden heute noch gelesen. Andere Kinderbücher werden wieder aktuell, wenn sie verfilmt werden, gerade etwa „Die kleine Hexe“ oder „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“. Sachbände halten sich dann, wenn sie immer wieder erneuert werden, nicht nur sachlich, sondern auch in der Aufmachung. FOTO: Ulrike Stumm
Homburg. Am 2. April, dem Geburtstag des Märchenerzählers Hans Christian Andersen, wurde der Tag des Kinderbuchs gefeiert. Ein Anlass, um in der Stadtbibliothek Homburg nachzufragen, ob und was von jungen Menschen gerne gelesen wird. Von Ulrike Stumm

Ja, auch Kinderbücher unterliegen Trends. Und manche Geschichten sind irgendwann außer Mode, existieren dann hauptsächlich noch in den Erinnerungen derer, die sie einst verschlangen. Sie verschwinden irgendwie von der Bildfläche, um manchmal wieder aufzutauchen. Oder sie machen eben Platz für Neues, das ja auch schön sein kann.

Eine, die ziemlich gut einschätzen kann, was kleine, größere Kinder und Jugendliche heute gerne lesen, ist Andrea Sailer. Sie leitet die Stadtbibliothek in Homburg und hat zum Tag des Kinderbuchs, der auf das Geburtsdatum des großen Märchenerzählers Hans-Christian Andersen am 2. April 1805 zurückgeht, im Bestand gekramt. Und sie hat – soweit möglich – hervorgezaubert, was unsere Redaktion als ihre Kindheitsklassiker versteht (siehe Texte unten) und auch das, was heute gut ankommt.

 „Viele Klassiker verschwinden gar nicht“, sagt Andrea Sailer. Astrid Lindgrens Geschichten, zum Beispiel. Die seien häufig für ein  Lesealter von fünf und bis etwa zehn Jahre gedacht. Kinder folgen dann noch nicht übermäßig den Trends.



Andere Bücher mit einigen Jahren auf dem Buckel, tauchen aus der Versenkung auf, wenn sie verfilmt werden oder als Serie im Fernsehen zu sehen sind. Das könnte etwa bei „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ so sein, das jetzt neu in die Kinos kommt. Aus dem Blick gerückt seien dagegen derzeit andere Bücher von Michael Ende wie etwa „Die unendliche Geschichte“. Gelesen werden heute immer noch Enid Blytons „Fünf Freunde“, eine der erfolgreichsten Kinderbuchreihen der Welt, die mehrfach verfilmt wurde. Was sowieso stets gehe: Märchen, auch die von Andersen. Karl May sei heute hingegen etwas für Leute, die das in ihrer Kindheit und Jugend gelesen haben.

Es gibt auch in der Homburger Stadtbibliothek einen ziemlich großen Wechsel: 2500 Medien kommen jedes Jahr neu zum Bestand hinzu, 2500 werden aussortiert, berichtet Sailer.

Eines wird klar: Die Verlage müssen sich etwas einfallen lassen, um ihre jungen Leser zu erreichen. Eine ganz starke Rolle spiele, was die Fernsehindustrie vermarkte: Für Star-Wars-Fans etwa gebe es wirklich eine riesige Bandbreite, berichtete Sailer. Nicht nur hier. Generell zieht die Kombination Buch/Film. Man denke da etwa an Disneys „Die Eiskönigin“, zu der es mittlerweile jede Menge Bücher gibt. Auch die Conni-Reihe des Carlsen-Verlags wurde zum Teil verfilmt. Doch sie ist nicht nur deswegen bis heute populär: Die Geschichten um Conni Klawitter beginnen, als das Mädchen zwei Jahre alt ist. Dann darf sie mit den Lesern mitwachsen, die Bücher begleiten sie auf dem Weg ins Erwachsenwerden.

Auch Bilderbücher werden immer besser ausgestattet, erklärt Sailer. Und sie zielen verstärkt darauf, dass die Kinder einbezogen werden, etwas lernen. Sie sollen nicht einfach nur starr danebensitzen. Es gibt Bücher, die das Kind zum Beispiel schütteln muss, damit ein Nilpferd auf der nächsten Seite ohne Schlamm am Körper dasteht. Bei anderen darf das Ende mitbestimmt werden: glücklich oder traurig. Manche Bände werden filigran gezeichnet, auch gerne mit Glitzer verziert. Wie überall gilt: Nicht jedes Buch muss jedem Kind gefallen. Sachbücher seien zum Beispiel eher ein Metier von Jungen. Auch hier habe sich in den vergangenen Jahren viel getan: Multimedia-Aspekte kamen beispielsweise hinzu, eine neue Aufmachung – zu den normalen Aktualisierungen in diesem Bereich.

Zudem versucht man alles Mögliche, um diejenigen zu erreichen, die nicht oder nicht mehr so gerne lesen. Da werden Geschichten als „Graphic Novels“ erzählt, als aufwendig illustrierte Romane, es gibt Krimi-Comics, Zwischenformen wie etwa bei „Gregs Tagebuch“. Das Motto hier: Lesen in Kombination mit etwas anderem. Man will eben versuchen, jeden abzuholen. Eine gute Entwicklung, findet Andrea Sailer. Zwischen 11 und 13 Jahren verliere man Leser, auch solche, die vorher gerne schmökerten. Allerdings zeige die Erfahrung: Zweidrittel davon kommen wieder.

Auch die Stadt, die Bibliothek und weitere Partner bemühen sich um die jungen Leser, schon von klein an. Sailer:  „Wenn Eltern nicht lesen, ist es nichts Normales in einem Haushalt, dann geht ein Kind gar nicht erst ran.“ Es werde in Homburg massiv Leseförderung betrieben, sagt sie. Um die 70 Leselernhelfer und Lesepaten gibt es. Schon in den Kindergärten werden die Kleinen an Bücher herangeführt. In fast allen Homburger Grundschulen seien Zweigstellen der Stadtbibliothek, deren Hauptsitz am Marktplatz ist, eingerichtet worden. Allein 8000 Entleihungen gebe es jährlich am Standort Sonnenfeld. Im Grundschulalter bekommen Kinder zudem eine Einführung in die Bücherei, erwerben einen Bibliotheksführerschein. Daneben stehen Projekte mit weiterführenden Schulen.

Dazu kommt der Lesesommer: Entworfen auch deshalb, damit in der langen Schulferienpause die Lesepraxis nicht verloren geht. Mit einem speziellen Lesesommerausweis dürfen die jungen Teilnehmer Bücher ausleihen, sie hinterher vor Lesepaten beurteilen und so an einer Verlosung teilnehmen. Zur Abschlusslesung kommt diesmal Sportmoderator Ulli Potofski, der auch Autor von Kinder-Fußballbüchern ist. Und angesichts des Großereignisses Fußball-WM ist das ebenfalls eine Trend verdächtige Kombination.

Andrea Sailer, die Leiterin der Homburger Stadtbibliothek, zeigt ein Bilderbuch, das sie sehr schätzt. Stefanie Dahle hat den Band „Lilia, die kleine Elbenprinzessin“ gezeichnet – auch eine Szene in einer Bücherei. Auf dem Tablet-Tisch liegen neue Kinder- und Jugendbuchhits wie „Gregs Tagebuch“ oder „Die Glücksbäckerei“ neben älteren Reihen im neuen Gewand: Die drei Fragezeichen als Graphic Novel und Conni, die herangewachsen ist.
Andrea Sailer, die Leiterin der Homburger Stadtbibliothek, zeigt ein Bilderbuch, das sie sehr schätzt. Stefanie Dahle hat den Band „Lilia, die kleine Elbenprinzessin“ gezeichnet – auch eine Szene in einer Bücherei. Auf dem Tablet-Tisch liegen neue Kinder- und Jugendbuchhits wie „Gregs Tagebuch“ oder „Die Glücksbäckerei“ neben älteren Reihen im neuen Gewand: Die drei Fragezeichen als Graphic Novel und Conni, die herangewachsen ist. FOTO: Ulrike Stumm
FOTO: Ulrike Stumm