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Mahnmal in Homburg
Grünes Licht für das Mahnmal

Für die Idee, mit den so genannten Stolpersteinen an die Opfer des Nationalsozialismus in Homburg zu erinnern, konnte man sich in der Stadt in der Vergangenheit nicht anfreunden, nun soll stattdessen eine Gedenkstätte mit Stelen entstehen.
Für die Idee, mit den so genannten Stolpersteinen an die Opfer des Nationalsozialismus in Homburg zu erinnern, konnte man sich in der Stadt in der Vergangenheit nicht anfreunden, nun soll stattdessen eine Gedenkstätte mit Stelen entstehen. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Sieben Stelen sollen künftig in der Homburger Altstadt an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Von Thorsten Wolf

Seit Jahren hat Izhak Hirsch einen Wunsch: Die Stadt Homburg möge mit einem Ort des Gedenkens an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus erinnern, auch an seine in Ausschwitz ermordeten Großeltern. Schon vor längerer Zeit trat er mit diesem Ansinnen an die Stadt heran, erhielt positives Feedback – und musste sich dann vor allem in einem üben: Geduld (wir berichteten). Erst tat sich nichts bis wenig, dann wurde der geplante Standort in der Homburger Altstadt im Kreuzungsbereich Karlsberstraße/Klosterstraße mit Blick auf die frühere Synagoge verworfen, nach erfolgloser Suche einer Alternative dann doch wieder ausgewählt. Hirsch ursprünglicher Wunsch, mit so genannten „Stolpersteinen“ an die jüdischen Opfer des Nazi-Terrors zu einnern, fand in der Stadt keinen Anklang, so sollte es eine Gedenkstein werden – mit dem Namen aller deportierten, jüdischen Bürger.

Am Donnerstagabend nun hat der Ausschuss für Kultur, Jugend und Sport des Homburger Stadtrates unter Vorsitz der hauptamtlichen Beigeordneten Christine Becker für das Denkmal einstimmig grünes Licht gegeben. Zuvor hatte Klaus Kell, der zuständige Amtsleiter, die aktuellen Planungen vorgestellt. Denen zu Folge sollen nun sieben Stelen an dieses auch in Homburg dunkle Kapitel der deutschen Geschichte und an seine Opfer erinnern. Dabei stehe, so Kell, das Denkmal auch für all die, die aus anderen Gründen durch die Nationalsozialisten verfolgt worden seien – und für die, die unter Einsatz ihres eigenen Lebens anderen geholfen hätten. Der nun wieder bestätigte Standort im Bereich des Marktplatzes an der Ecke zur Kirchenstraße sei zum einen, so Kell, im Zentrum der Stadt, zum anderen sei dies auch der Ort, „an dem jüdische Mitbürger gelebt haben, in der Karlsbergstraße vor allem. Und wir haben von dort aus auch den Blick auf die Ruine der alten Synagoge“.

So erschließe sich mit diesem Standort auch die Bedeutung, die die jüdische Gemeinschaft für Homburg gehabt hätte. Gleizeitig zeige der Ort, dass man sich an die Verbrechen der Nazi-Zeit und ihre Opfer erinnere. Nach einigen Diskussionen, so Kell in seinen Erläuterungen, habe man sich für Stelen als Gedenksteine entschieden, entsprechend eines Entwurfs des Künstlers Klaus Glutting. Die Zahl von sieben reflektiere dabei die religiöse Bedeutung des Gedenkortes. Die Basis der Stelen, so Kell weiter, bildeten Granitsteine in Höhe zwischen 1,50 und 1,80 Metern, die urpsprünglich zu dem vor vielen Jahren aufgegebenen Tiefbrunnen am Tal-Zentrum gehört hätten und noch heute im Baubetriebshof eingelagert seien. Die aus diesem Material von Glutting zu schaffenden Stelen sollen dann an besagtem Ort im Halbkreis aufgestellt werden, „mit einem Durchmesser von rund zweieinhalb Metern“.



Auf den Stelen sollen dann die Namen all derer zu finden sein, „die ermordet wurden, die vertrieben wurden, die ausgewandert sind, die geflohen sind“. Zu den zu erwartenden Kosten äußerte sich Kell so: Für die künstlerische Arbeit seitens Klaus Gluttings fielen rund 3000 Euro an, für die Verankerung der Stelen rechne er mit weiteren 7000 Euro. Zusammen mit den Tafeln gehe er so von Gesamtkosten von 12 000 Euro aus. „Wir müssen das aber noch im Detail prüfen.“

Der von Kell vorgelegte Entwurf und die entsprechenden Planungen führten am Donnerstag nur zu wenig Diskussionsbedarf bei den Ausschussmitgliedern. Einzig zum Durchmesser der einzelnen Stelen und zu Gestaltung der Bodenfläche gab es nachfragen. Zu Letzterem verdeutlichte Raimund Konrad von der CDU, das der dort einmal angedachte Davidstern für ihn „nicht so passend sei, weil dieses Denkmal eigentlich für alle Opfer des Nationalsozialismus, natürlich vorrangig den jüdischen, stehen soll“. Hier konnte Kell noch keine Details nennen, machte aber immerhin für sich selbst deutlich, dass die Stelen ohne weitere Oberflächengestaltung aus dem Boden ragen sollten.

Nach dem „Ja“ des zuständigen Ausschusses wird sich nun der Stadtrat mit dem Thema anlässlich der Sitzung am 20. September befassen. Dann wird sich möglicherweise klären, wann es tatsächlich los geht.