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Mädchen und Technik

 Ein sehr seltenes Bild: ein Mann als Erzieher im Kindergarten. Ein Beruf, den Jungen nicht auf dem Schirm haben. Foto: Oliver Dietze
Ein sehr seltenes Bild: ein Mann als Erzieher im Kindergarten. Ein Beruf, den Jungen nicht auf dem Schirm haben. Foto: Oliver Dietze FOTO: Oliver Dietze
Homburg. Die Mädchen haben am 28. April wieder ihren Zukunftstag, auch Girls' Day genannt. Die Jungen sollten aber auch eine Zukunft haben – zum Beispiel in Erziehungs- und Pflegeberufen, in denen sie sich rarmachen. Das findet die Beschäftigungsgesellschaft Aquis. Christine Maack

Eigentlich klingt es kinderleicht: Homburg hat viele Firmen, viele Schulen und viele Mädchen im Alter von 14 und 15 Jahren. Bringt man diese drei Faktoren zusammen, kommt dabei ein Girls' Day heraus. Aber es ist gar nicht so leicht, wie es klingt.

Zumal Firmen nicht gezwungen sind, ihren Tag mit Teenagern zu verbringen, allgemeinbildende Schulen nicht gezwungen sind, aufs Berufsleben vorzubereiten und 15-jährige Mädchen nicht gezwungen sind, sich anzuschauen, wie Autoreifen, Einspritzpumpen oder Schmiedeteile gefertigt werden. Aber es klappt trotzdem. Denn seit 15 Jahren beteiligt sich Homburg an der Initiative des Bundesbildungsministeriums, Mädchen verstärkt für so genannte Männerberufe zu begeistern. Der Grund liegt auf der Hand: Traditionell wählen Mädchen nach wie vor klassische (und schlechter bezahlte) Berufe im Dienstleistungs-Bereich, die wenig Aufstiegsmöglichkeiten bieten und im Vergleich zu Industrielöhnen schlechter bezahlt werden. Um aus dieser Falle heraus zu kommen, beschloss das Bundesbildungsministerium in Zusammenarbeit mit den Arbeitsagenturen und Verbänden, den Girls' Day aus der Taufe zu heben. An diesem Tag haben alle Mädchen der achten Klasse, egal von welcher Schulform, die Gelegenheit, hinter die Kulissen einer Firma zu schauen, die eher ,,Mädchen-untypische" Produkte herstellt. In Homburg findet 28. April wieder der Girls' Day statt (wir berichteten). Was hat der Tag nun nach 15 Jahren gebracht? Ist es eine Folklore-Veranstaltung, oder interessieren sich Mädchen tatsächlich mehr für Technik?

Der Anteil weiblicher Auszubildender in technischen Berufen in Industrie und Handwerk nehme ständig zu, verkündet das Bundesfrauenministerium. Dies zeige, "dass die Modellprojekte und Kampagnen zur Erweiterung des Berufswahlspektrums von Mädchen und jungen Frauen Erfolg haben".

Positive Trends verzeichneten vor allem die Elektroberufe. Hier sei der Anteil der auszubildenden Elektronikerinnen in zehn Jahren (2004-2014) um 138 Prozent gestiegen. Auch bei den Kfz- und Anlagen-Mechanikerinnen gab es 2014 im Vergleich zu 2004 mehr als doppelt so viele weibliche Auszubildende.

Nun, wenn man mit einer sehr geringen Anzahl Mädchen startet, dann treibt jeder Neuzugang natürlich die Prozentzahlen in die Höhe. Doch warum spricht man immer vom "Zukunftstag für Mädchen ?"

Es gibt jede Menge Berufsfelder, in denen sich Männer so gut wie gar nicht blicken lassen. Das hat die kommunale Beschäftigungsgesellschaft Aquis des Saarpfalz-Kreises dazu gebracht, diesmal auch einen Boys' Day ins Leben zu rufen - was übrigens das Uniklinikum in der Vergangenheit auch schon getan hat. Zumal in sämtlichen Erziehungsberufen, an Grundschulen und Kitas, in Altenheimen, sozialen Einrichtungen und in der Pflege die Mädchen und Frauen mehr oder weniger unter sich sind. Warum das so ist? Anika Bäcker vom Saarpfalz-Kreis erklärte: "Der Boys' Day soll alle Jungen ermutigen, bei der Berufswahl über den Tellerrand zu schauen und sich über Berufe jenseits der häufig von Männern gewählten Bereiche zu informieren." Der Tag mache außerdem auf Studienfächer wie Pädagogik oder Pflegewissenschaften aufmerksam, die mehrheitlich von jungen Frauen gewählt würden.

Zum Thema:

Auf einen BlickDie kommunale Beschäftigungsgesellschaft Aquis des Saarpfalz-Kreises bietet im Rahmen des Boys' Day am 28. April in Bexbach unter dem Titel "Sozial ist stark" vier Plätze für Jungen an, bei denen das Berufsbild des Sozialarbeiters und -pädagogen vorgestellt wird. Neben Infos über die Arbeit wird mit praktischen Übungen gezeigt, wie kurzweilig der Beruf sein kann. Folgende Firmen machen in Homburg beim Girls' Day mit: Michelin Reifen, Robert Bosch GmbH , Schaeffler Technologies, Phast Pharma, Uniklinikum, Kreisverwaltung Homburg , Elektro Roth, RRC Power solutions, Wegener Härtetechnik, Stadtverwaltung Homburg , Kompetenzzentrum Molekulare Medizin, Atelier für Mädchen und junge Frauen. maaJungen ab 14 Jahren können sich unter der Telefonnummer (0 68 41) 104 71 86 oder per Mail an aquis@saarpfalz-kreis.de anmelden.