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Bürgermeisterkandidat
Kruthoff will Bürgermeister werden

 Homburgs Stadt-Pressesprecher Jürgen Kruthoff erläuterte beim Besuch in unserer Redaktion, warum er sich um den Bürgermeisterposten beworben hat. Er möchte insbesondere von ihm wahrgenommene „Fehlentwicklungen“ bekämpfen. Wählen wird der Stadtrat im Juni.
Homburgs Stadt-Pressesprecher Jürgen Kruthoff erläuterte beim Besuch in unserer Redaktion, warum er sich um den Bürgermeisterposten beworben hat. Er möchte insbesondere von ihm wahrgenommene „Fehlentwicklungen“ bekämpfen. Wählen wird der Stadtrat im Juni. FOTO: Peter Neuheisel
Homburg. Am 21. Juni soll der Homburger Stadtrat einen Bürgermeister wählen: Auch der Pressesprecher wirft seinen Hut in den Ring. Von Ulrike Stumm

  Den Namen Jürgen Kruthoff? Klar kennen den viele im Zusammenhang mit der Homburger Stadtverwaltung. Schließlich gibt er als Pressesprecher hier seit Jahren Auskunft zu unterschiedlichen Themen. Dass er sich nun aber als Kandidat fürs Bürgermeisteramt bewirbt, das kam doch ziemlich überraschend.

Er meint es ernst mit seiner Bewerbung, das wird beim Besuch in unserer Redaktion klar, obwohl seine Chancen nicht eben rosig sind, denn: Der Bürgermeister, der zweite Mann der Stadt, wird vom Stadtrat gewählt. Am 21. Juni soll es so weit sein. Acht Kandidaten haben sich für den Posten beworben. Am aussichtsreichsten scheint die von Michael Forster. Denn die CDU-Fraktion im Homburger Stadtrat hatte ihren Vorsitzenden einstimmig dafür nominiert (wir berichteten). Die SPD, stärkste Fraktion im Stadtrat, hat keinen eigenen Kandidaten aufgestellt. Bislang war es gute Praxis gewesen, auf beiden Seiten den Kandidaten der anderen mitzutragen. Daran habe sich nichts geändert, hatte der Vorsitzende der SPD Homburg und der SPD-Fraktion im Stadtrat, Wilfried Bohn, mehrfach betont. CDU und SPD haben also zusammen eine breite Mehrheit – wenn alle mitziehen.

„Konkret darüber nachgedacht, wie viele Stimmen ich bekommen würde, habe ich nicht“, gesteht Kruthoff ein. Die Werbetrommel für sich selbst will er, obwohl das ungewohnt ist, aber dennoch rühren. Denn er hat eine klare Vision und auch Hoffnung. Er halte es für eine gute Idee, dem Stadtrat eine Alternative bei der Wahl anzubieten, führt er aus. Um unabhängig vom parteipolitischen Anspruch eine Entscheidung zu treffen. Er sei aber nicht von irgendjemandem bedrängt oder gefragt worden. Er wolle, macht er deutlich, eine unabhängige Position vertreten, die „in erster Linie im Auge hat, was für die Stadt Homburg das Beste ist“. Sein Vorteil: Er kenne das Rathaus und die Abläufe dort sehr gut. „Vor fünf oder zehn Jahren hätte ich mich persönlich nicht so weit gefühlt, mich zu bewerben.“ Nun beobachte er bestimmte Entwicklungen und wolle etwas mehr tun, „als ich es jetzt  kann“. Er wolle, fasst er zusammen, Bürgermeister werden, weil es eine großartige Gelegenheit sei, sich an anderer Stelle als in den vergangenen Jahren für die Stadt Homburg einzusetzen.



Dabei mag er seinen Job, seine  Kollegen, sehr sogar. Er sei außergewöhnlich gerne in der Pressestelle und würde hier auch gerne weitermachen, wenn er denn nicht gewählt wird. Würde das so einfach gehen – ganz ohne böses Blut? Er ist da positiv:  „Wir leben in einer Demokratie“, so Kruthoff. Er habe sich letztlich ja einfach nur auf eine Stelle beworben. Die Situation sei nur deswegen etwas anders, weil der Bürgermeister vom Stadtrat gewählt werde. „Sich in einem demokratischen Prozess zur Wahl zu stellen: Ich wage nicht zu glauben, dass dies dem sich bewerbenden Kandidaten zum Nachteil gereichen wird.“

Einige Entwicklungen treiben ihn um. „Wir leben in einer Glocke der Mutlosigkeit, der Gleichgültigkeit.“ Er wolle dazu beitragen, dies aufzuheben. Große Bereiche im Rathaus liefen richtig gut, doch die einigen wenigen, in denen es schlecht laufe, überdeckten das Gute. Wenn Mitarbeiter draußen gefragt würden, wo sie arbeiten, dann wollten das die meisten der in der Verwaltung Beschäftigten im  Moment nicht so gerne sagen. Er wolle, so sein Ziel, die Leistungsfähigkeit und die Freude an der Arbeit im Rathaus erhöhen, das Selbstbewusstsein erarbeiten. Das sei auch für die Stadt insgesamt positiver. Und er will erreichen, dass man genauer zuhört, wenn es konstruktive Kritik gibt: „Wir können uns nicht leisten, auf gute Ideen zu verzichten, nur weil sie von der falschen Stelle kommen.“ Dieser Fehlentwicklung aus seiner Sicht möchte er gerne entgegentreten. Er sieht hier übrigens deutliche Parallelen zwischen Stadtrat und Verwaltung.

Am 1. November beginnt die Amtszeit des neuen Bürgermeisters oder der neuen Bürgermeisterin, wie er oder sie denn nun auch heißen wird. Neu gewählt wird deswegen, weil die Amtszeit des aktuellen Bürgermeisters Klaus Roth  am 31. Oktober endet. Roth, CDU, hat seinen Hut ebenfalls  in den Ring geworfen, ist jedoch nicht offizieller Kandidat seiner Partei, Hintergrund sind die derzeit laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen ihn wegen des Vorwurfs der Untreue und des Betrug im Amt. Er muss sich jedoch dennoch noch einmal für das Amt bewerben, da er ansonsten seine Pensionsansprüche verlieren wird.