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„Katastrophale Lage im Pflegebereich an Krankenhäusern“

Homburg. Die Gewerkschaft Verdi hat erneut eine gesetzliche Regelung gefordert, um dem Pflegenotstand in deutschen Krankenhäusern habhaft zu werden. Allein am Universitätsklinikum in Homburg würden 450 Pflegekräfte fehlen. Jürgen Neumann

"Die pflegerische Versorgung ist nicht nur an der Uniklinik Homburg katastrophal, in den Krankenhäusern fehlen bundesweit 162 000 Arbeitsplätze. Eine Verbesserung dieser Situation ist weder von der Bundes-, noch von der Landesregierung zu erwarten", erklärte Michael Quetting, Pflegeexperte der Gewerkschaft Verdi im Bezirk Region Saar Trier. Der Gewerkschafter erklärte dies vor dem Hintergrund eines Vorfalls an der Uniklinik vor Weihnachten. Wegen Personalmangel konnte dort eine Blinddarm-Operation nicht durchgeführt werden (wir berichteten). "Dies bestätigt erneut und eindringlich die gewerkschaftliche Forderung nach einer längst überfälligen gesetzlichen Personalbemessung", so Quetting, selbst gelernte Pflegekraft. Alleine im Bereich der Uniklinik würden nach Verdi-Berechnungen 1000 Stellen fehlen, davon alleine etwa 450 Pflegekräfte. Weiterer Beweis für "die katastrophale Lage" seien die ständigen Mehrleistungen in der Pflege, die sich aktuell auf fast 100 000 Überstunden summierten. Die sich daraus ergebenden Probleme seien nicht neu, bereits seit dem Jahr 2009 fordere der Personalrat bisher erfolglos die Einrichtung eines Springerpools für absehbare Engpässe. Immer wieder sei in der Vergangenheit mit verschiedensten Aktionen auf die katastrophale Entwicklung hingewiesen worden, und nicht zuletzt mit dem von der Gewerkschaft unterstützten Ultimatum in einer neurochirurgischen Station (wir berichteten). Quetting: "Bedenklich ist es, wenn man nun versucht, diejenigen, die dem überhöhten Arbeitsdruck zwangsläufig mit eigenen Erkrankungen zum Opfer fallen, als die Schuldigen für personelle Engpässe zu machen. So macht man Opfer zu Tätern, um von der eigenen Verantwortung abzulenken. Unmenschliche Arbeitsbedingungen sind überall bereits bittere Realität. Die Beschäftigten, die uns Patienten gesund machen sollen, werden selbst krank." In Deutschland müsse eine Pflegekraft über zehn Patienten betreuen, in der Schweiz seien es fünf, in Norwegen vier. Studien belegten, dass mit jedem zusätzlich zu betreuenden Patienten das Sterberisiko um sieben Prozent steige. Ausreichendes Personal seit die Voraussetzung für mehr Qualität. Laut Quetting kämpfe seine Gewerkschaft für eine "humane pflegerische Versorgung ohne Gesundheitsschäden für die Beschäftigten im Gesundheitswesen". Probleme bestünden "durchaus nicht nur an der Uniklinik". Alle Krankenhäuser seien betroffen. Deswegen brauche man mehr Personal durch eine gesetzlich vorgegebene Personalbemessung. Bei weiterer Untätigkeit der Entscheidungsträger bestünde aus Sicht der Gewerkschaft nur noch die Möglichkeit, diese Situation durch einen Arbeitskampf zu verändern.

saar-verdi.de