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Ausstellung „Jüdisches Leben in Homburg“
Antisemitismus hat viele Gesichter

Mit unterschiedlichen Schautafeln zeichnet die Ausstellung im Homburger Rathaus ein Bild „Jüdischer Lebenswelten in Deutschland heute“.
Mit unterschiedlichen Schautafeln zeichnet die Ausstellung im Homburger Rathaus ein Bild „Jüdischer Lebenswelten in Deutschland heute“. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Ausstellung „Jüdische Lebenswelten in Deutschland heute“ im Foyer des Homburger Rathauses. Von Thorsten Wolf

Es ist erst wenige Tage her, da wurde das jüdische Restaurant „Schalom“ in Chemnitz Ziel einer Attacke von Neo-Nazis. Ebenso schlimm und leider immer wieder Gegenstand von Ermittlungen: die Schändung jüdischer Friedhöfe. Es gibt also genug aktuellen Anlass, um sich mit dem Thema „Antisemitismus“, also dem Hass auf Juden, eingehend zu befassen – und sich dabei auch damit zu betrachten, wie jüdisches Leben in diesen Tagen in Deutschland aussieht. Aktuell tut dies die Ausstellung „Jüdische Lebenswelten in Deutschland heute“, die noch bis zum 9. November im Foyer des Homburger Rathauses am Forum läuft – ein Projekt der Zeitbild-Stiftung, gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben“.

Die 20 Schautafeln geben Einblick in die deutsch-jüdische Geschichte und erzählen jüdische Biographien aus der Jetzt-Zeit. Dass die Ausstellung nun in Homburg Station macht, ist auch dem Einsatz der „Partnerschaft für Demokratie der Kreisstadt Homburg“ zu verdanken. Der Awo-Ortsverein Reiskirchen sorgte dafür, dass anlässlich der kürzlich erfolgten Austellungseröffnung nicht nur die Schautafeln im Mittelpunkt standen.

Auch Homburgs hauptamtliche Beigeordnete Christine Becker musste eingestehen, dass die Hoffung, man hätte nach 1945 schlimme gesellschaftliche Auswüchse überwunden, angesichts der aktuellen Entwicklungen vielleicht getrogen habe. Denn: Reichten doch einige wenige Ereignisse wie in Chemnitz und Köthen aus, um ewig gestrige und menschenfeindliche Haltungen und Gedanken wieder offen zu Tage treten zu lassen. „Diese Ereignisse verschaffen rechtsextremen Menschen und Gedanken eine riesige Aufmerksamkeit, die viele positive Entwicklungen überlagert und uns gefühlt weit zurückwirft in unserem Bestreben nach Integration und einem friedlichen Zusammenleben.“ Wenn, so Becker weiter, dann noch Politiker, von denen man annehmen könne, dass sie sich in der Mitte der Gesellschaft befänden, versuchten am rechten Rand Punkte zu machen, „dann werden Äußerungen wieder hoffähig gemacht“.



Die Ausstellung umspannt zwei wichtige Daten der Weltgeschichte: Die Anschläge auf das World Trade Center im Jahr 2001 und die Reichspogromnacht im Jahr 1938. Zum Anschlag in New York verdeutlichte Politikwissenschaftlers Stephan Grigat, dass es sich dabei aus seiner Sicht um einen islamistisch motivierten antisemitischen Anschlag gehandelt habe. Diese Form des Antisemitimus sei geprägt von einem Hass auf den Staat Israel, das Ziel New York stehe dabei für die Unterstützung der USA für den jüdischen Staat. „Dies wurde lange von wissenschaftlicher und medialer Seite in Abrede gestellt“, so Grigat. Das zeige ein weiteres Problem auf – so existiere heute eine gewissen Unfähigkeit, antisemitische Ideologie und antisemitische Ressentiments zu erkennen, „wenn der Antisemitismus nicht mehr so explizit geäußert wird, wie wir es aus der Zeit des Nationalsozialismus kennen“.