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Eichenprozessionsspinner
Der Ärger um die Raupe mit den Gifthärchen

 So sieht es aus, wenn ein Nest mit Raupen des Eichenprozessionsspinners an einem Baum hängt.
So sieht es aus, wenn ein Nest mit Raupen des Eichenprozessionsspinners an einem Baum hängt. FOTO: dpa / Bodo Marks
Homburg. In Homburg gibt es wieder Nester des Eichen­prozessionsspinners. Die Stadt geht dagegen vor. Die Gespinste zu entfernen, sei aber nicht überall sinnvoll. Von Ulrike Stumm

Der Name ist lang, das zugehörige Tierchen ziemlich klein. Für Ärger kann es dennoch sorgen. Die Rede ist vom Eichenprozessionsspinner, genauer von den Raupen dieses nachtaktiven Schmetterlings. Die haben nämlich die unschöne Eigenschaft, dass ihre feinen Brennhaare bei Menschen heftige Allergien auslösen können.

Erst kürzlich war wieder einmal von diesen Raupen die Rede, als an Pfingsten ein Zeltlager am Herrgottshübel in Jägersburg abgebrochen werden musste, da etliche Kinder über Übelkeit und Erbrechen klagten (wir berichteten, siehe auch unten). Eine der möglichen Ursachen war hier laut den Verantwortlichen auch der Kontakt mit den giftigen Raupen. Tatsächlich hatte die Feuerwehr vor Ort die typischen Nester gefunden. Die Stellen wurden abgesperrt.

Vor einem Jahr hatte man kurz vor dem großen Familien- und Kinderfest Probleme mit den Tierchen, da die typischen Gespinste auch an Bäumen im Stadtpark, wo die Spielparty gefeiert wird, entdeckt wurden. Und wie sieht es jetzt aus, immerhin steht auch das Kinderfest in einer guten Woche am 23. Juni wieder bevor? Nach Einschätzung der Grünflächen- und Umweltfachleute scheine „das Auftreten des Eichenprozessionsspinners in diesem Jahr nicht so massiv zu sein“, heißt es dazu von der Stadt. Ob das auf die bisher im Vergleich zum Vorjahr eher frische Witterung zurückzuführen sei, „kann derzeit nicht gesagt werden. Dies wird sich im Lauf der kommenden ein bis zwei Wochen zeigen“, teilte sie weiter mit.



Und was wird unternommen, wenn die Raupen irgendwo auftauchen? Die Stadtverwaltung lasse die Raupen „nur auf von der Öffentlichkeit stärker frequentierten Bereichen“ entfernen. Dies sind zum Beispiel Friedhöfe, Kindergärten, Schulen oder sonstige öffentliche Gebiete im Zuständigkeitsbereich der Stadt. Untersucht werde aktuell wegen des anstehenden Kinderfests auch der Stadtpark. An allen anderen Flächen werden die Raupen nicht bekämpft, betonte die Stadt. Wenn es aus Sicherheitsgründen notwendig erscheine, könne die Grünflächenabteilung Stellen absperren oder Warnschilder aufstellen. In den vergangenen Wochen sei eine Fachfirma bereits einige Male beauftragt worden, an Bäumen tätig zu werden, einige Maßnahmen seien zudem von der Kreisverwaltung auf kreiseigenen Flächen in die Wege geleitet worden. Für die Stadtverwaltung Homburg waren Einsatzorte zum Beispiel an der Grundschule Bruchhof sowie am Spielplatz „Am Hammerloch“ in Jägersburg. Punktuell ließen sich so Verbesserungen erzielen. Wenig sinnvoll sei es aber beispielsweise am Waldrand gegen den Eichenprozessionsspinner vorzugehen. Häufig seien die benachbarten Bäume im Innern eines Waldes auch befallen, und je nach Windrichtung finden die feinen Haare auch so ihren Weg auf Wiesen und Felder. Außerdem: Auf Spielplätzen oder anderen Flächen könnte es diese Haare auch dann noch geben, wenn die Gespinste professionell abgesaugt wurden.

Was passiert beim Kontakt mit den Härchen der Raupe? Grundsätzlich beinhalten sie das Protein Thaumetopoein, das allergische Reaktionen hervorruft. Meist auf der Haut. „Es ist vergleichbar mit Nesselsucht. Ein Gefühl ähnlich dem nach Kontakt mit Brennnesseln“, erläutert Steffen Caspari. Der Biologe arbeitet beim Zentrum für Biodokumentation des Umweltministeriums. Pusteln, hervorgerufen von den Brennhaaren, können mitunter etwas hartnäckig sein, drei bis vier Wochen sichtbar bleiben. Auch asthmatische Reaktionen seien denkbar. „Und zwar dann, wenn sich eine große Konzentration der Härchen in der Atemluft befindet“, erklärt Caspari. Der Biologe erinnert sich an einen kuriosen Fall. Vor etwa 30 Jahren hätte der Eichenprozessionsspinner beinahe zur Absage eines Formel-1-Rennens am Nürburgring geführt. Es gab einen starken Befall, zu viele Härchen wirbelten in der Luft. Doch dann habe es rechtzeitig geregnet, und die Rennprofis konnten wie geplant auf Punktejagd gehen.

Und wie sollte man sich verhalten, wenn man ein Nest entdeckt? „An einem befallenen Baum vorbei zu gehen, ist kein Problem“, beruhigt Caspari. Nest und Raupe sollten nicht berührt werden, um den Kontakt mit den Gifthärchen zu vermeiden. Das St. Wendeler Umweltamt rät bei dem Verdacht auf Kontakt, die Kleidung auszuziehen und bei 60 Grad zu waschen. Auch der Sprung unter die Dusche wird empfohlen. Sollten Hautreaktionen auftreten, legt das Umweltamt den Besuch beim Hausarzt nahe. Die Stadt Homburg betont derweil, dass mit einer Beseitigung der Raupen an der Problematik nicht grundlegend etwas geändert werde. „Spätestens in den Folgejahren wird sich die Situation wieder ähnlich oder genauso darstellen.“ Es sei auch nicht zu leisten, alle bekannten Raupennester im Stadtgebiet zu entfernen. „Insofern wird es in vielen Fällen bei Absperrungen beziehungsweise Hinweisschildern bleiben.“

Wer Gespinste des Eichenprozessionsspinners entdeckt, der kann sich über die Zentrale an die städtische Grünflächenabteilung wenden, Tel. (0 68 41) 10 10.

 Es sind die Härchen der Raupe des Eichenprozessionsspinners, die bei Kontakt allergische Reaktionen hervorrufen können.
Es sind die Härchen der Raupe des Eichenprozessionsspinners, die bei Kontakt allergische Reaktionen hervorrufen können. FOTO: dpa / Patrick Pleul