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Jetzt wird’s schottisch!
Mit Dudelsack und Kilt durch Homburg

 „Amazing Grace“ sorgte für bewegende Augenblicke auf dem Marktplatz.
„Amazing Grace“ sorgte für bewegende Augenblicke auf dem Marktplatz. FOTO: Jennifer Klein
Homburg. Top-Wetter und „Magic Moments“ bei der Straßenparade des National Piping Centre Glasgow durch die Innenstadt. Von Jennifer Klein

Der Wettergott hat ganz offensichtlich ein Herz für Musiker – und Fans schottischer Musik. Denn nachdem das Wetter in den vergangenen Tagen wie in den Highlands war – rauher Wind und ausgiebiger Regen – strahlte am Mittwoch die Sonne über der „Schottenparade“, wie sie von vielen Homburgern liebevoll-freundschaftlich genannt wird. Noch bis 9. Februar findet die „Winter School“ des National Piping Centre Glasgow in der Hohenburg-Jugendherberge in Homburg statt. Musiker aus verschiedenen Ländern treffen sich hier bei Workshops für „Pipers, Drummers und Drum Majors“, also Dudelsackspieler, schottische Trommler und Tamburinmajore. Dieses Jahr sind 52 Teilnehmer aus zehn Ländern dabei, die unter der Leitung renommierter Dozenten ihr Spiel verbessern möchten. Neben den Workshops, Proben und Konzerten ist die Straßenparade immer ein Highlight der „Winter School“-Woche.

 „Seit neun Jahren machen wir als Teil unseres Workshops diese Parade durch die Homburger Innenstadt, und wir haben immer Glück mit dem Wetter gehabt“, erklärte Kirstin Fürst aus St. Ingbert, die die Winter School mitorganisiert und selbst Drummerin ist. „Die Instrumente sind eben sehr wertvoll und teuer“, starker Regen oder Sturm würde ihnen sehr zusetzen oder sie gar ruinieren. Umso schöner denn, dass auch bei diesem, dem 10. Mal alles passte – ein kleines Jubiläum sozusagen.

Zur traditionellen Straßenparade versammelten sich die Musiker am Nachmittag an der Jugendherberge, von dort aus ging es unüberhörbar durch die Kanalstraße und die Eisenbahnstraße zum historischen Marktplatz. Viele Zuschauer säumten die Wege und den Historischen Marktplatz, wo Rainer Ulmcke in Vertretung von Bürgermeister Michael Forster die Gäste begrüßte, und sich freute, dass „Kilts und Dudelsack wieder zum Stadtbild gehören. Und dieses Wetter habt ihr euch wirklich verdient“.



Wer empfindliche Ohren hatte, war mit Ohrstöpseln gut beraten, denn: „Die 120 Dezibel packen wir mit den Dudelsäcken mühelos“, erklärte Kirstin Fürst. Aber der Marktplatz ist ja auch kein kleiner Konzertsaal, so ließ es sich gut lauschen. Kein Wunder, wurde der Dudelsack im Mittelalter nicht nur zum Musizieren benutzt, sondern auch – ähnlich wie ein Signalhorn – zur Kommunikation über Berg und Tal hinweg in den schottischen Highlands.

Und auch, wenn man den Dudelsack in der Hauptsache mit schottischem Kulturgut verbindet – auch in anderen Ländern wird die Sackpfeife gespielt. Zum Beispiel in Frankreich. Dort heißt sie „cornemuses“, wie Arnaud Coupry von der 92nd North Fox Pipe Band verriet. Die Musiker aus Paris waren gemeinsam zum Workshop nach Homburg gekommen, und bei der Parade natürlich stilecht im Kilt. Das lila-grün karierte Tartanmuster heiße „Isle of Skye“, erzählte Pipe Major Arnaud Coupry – in Erinnerung an eine Probenwoche in Schottland, mit Eisregen unterwegs zwischen Glasgow und Fort William in den Highlands, und die Isle of Skye, wo sie in einem kleinen Cottage in der Bucht von Broadford wohnten und Pub-Konzerte in Portree gaben.

Nach der Plauder- und Fotopause (denn natürlich wollten sich viele Zuhörer gerne mit den schmucken Herren und Damen im Kilt fotografieren lassen) ging es schon gleich weiter: mit dem kleinen Platzkonzert. Und  vor dem Abmarsch kam das von vielen sehnlich erwartete „Amazing Grace“ – da war er plötzlich da, der „Magic Moment“, als alle ganz gebannt zuhörten. In strammem Schritt und begleitet von vielen Schottland-Fans, ging’s dann unter Dudelsack- und Trommelklängen zurück durch die Talstraße und die Eisenbahnstraße zur Jugendherberge.

Wer mehr schottische Musik hören will: An diem Freitag und Samstag gibt’s Gelegenheit dazu, die ganze Bandbreite zu erleben. Ross Ainslie & Friends präsentieren am Freitag Eigenkompositionen, die traditionelle schottische Musik mit modernen Elementen in Einklang bringen. Beim Abschlussabend am Samstag werden sich die Lehrer sowie die einzelnen Klassen, als auch die Massed-Band vorstellen und Einblicke in die schottische Pipeband-Musik bieten, von klassischen Militärmärschen, über tanzbare Lightmusic, den Piobaireachd (die Urform der Pipemusik) bis hin zur Dudelsack-Hymne „Highland Cathedral“.

 Arnaud Coupry von der 92nd North Fox Pipe Band war aus Paris nach Homburg zum Workshop gekommen.
Arnaud Coupry von der 92nd North Fox Pipe Band war aus Paris nach Homburg zum Workshop gekommen. FOTO: Jennifer Klein