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Pflege soll fremd vergeben werden
Stadt des Baumes hat ein Baum-Problem

 Solche Baumkletterer sind oft in waghalsigen Posten in den Baumkronen unterwegs, um die Gehölze zu sichern. Homburg will vor allem solche Arbeiten jetzt noch stärker auslagern, weil die Stadt selbst weder genug qualifizierte Leute noch die Geräte dafür hat. 
Solche Baumkletterer sind oft in waghalsigen Posten in den Baumkronen unterwegs, um die Gehölze zu sichern. Homburg will vor allem solche Arbeiten jetzt noch stärker auslagern, weil die Stadt selbst weder genug qualifizierte Leute noch die Geräte dafür hat.  FOTO: picture alliance / Thomas Warnac / Thomas Warnack
Homburg. Weil dem Baubetriebshof Personal und Geräte für die Pflege fehlen, sollen nun Fremdfirmen gerade bei der schnellen Sicherung beschädigter Bäume in die Bresche springen. 75 000 Euro sind für die Vergabe an Dritte einkalkuliert. Von Eric Kolling

Die Stadt des Baumes  hat ein Problem mit der Pflege ihrer Bäume: So könnte man  überspitzt formulieren, was der „Rahmenvertrag zur Baumbewirtschaftung im Stadtgebiet in den Jahren 2020/21/22“ andeutet. Dieser Vertrag besagt, dass Arbeiten am Baumbestand, der in den Homburger Grünanlagen bei 17 000 liegt, künftig an Fremdfirmen ausgelagert werden könnten.

Um den Hintergrund zu verstehen, muss man kurz ausholen: Derzeit vergibt die Abteilung Umwelt und Grünflächen jährlich rund 190 Aufträge an den Baubetriebshof (BBH), um Bäume zu pflegen oder deren Verkehrssicherheit zu garantieren. Also etwa absturzgefährdete Äste vorsorglich abzusägen. Allerdings schaffe der BBH nur knapp die Hälfte davon termingerecht, etwa 100 Aufträge. Passiert durch die nicht-abgearbeiteten Bäume ein Unfall und kommt jemand zu Schaden, muss die Stadt haften. Damit das nicht passiert, wurden schon bisher die nicht leistbaren Aufträge an Dritte vergeben. Das betraf laut Stadtsprecher Jan Emser insbesondere den Bereich von schwierigen Baumarbeiten, etwa solche in Seilklettertechnik. Die Beauftragung Dritter sei bisher – je nach Auftragssumme – mittels freier Vergabe oder durch die Einholung von Vergleichsangeboten erfolgt.

Im März kam in das Thema mehr Brisanz, als der BBH generell erklärte, „dass er sich, wegen unzureichender technischer Ausrüstung und fehlendem qualifizierten Personal, außerstande sieht, sicherheitsrelevante Arbeiten rechtzeitig auszuführen“. Daher regt die Verwaltung nun eine generelle Lösung an: Homburg soll Teile der Baumbewirtschaftung mittels eines Rahmenvertrags an Dritte vergeben.



Angedacht ist die Vergabe an möglichst parallel zwei Firmen, mit 75­ 000 Euro pro Jahr rechnet die Verwaltung. Es gehe schwerpunktmäßig um Arbeiten, die aufgabenbedingt nicht durch den BBH erledigt werden können, so Emser. „Dies hätte für die Stadt auch den Vorteil, dass ein beziehungsweise zwei feste Ansprechpartner seitens der Firmen da wären und generell eine bessere Planung von Baumarbeiten erfolgen könnte“, schildert er weiter. Der Vertrag soll erstmal 2020 laufen und sich zweimal je ein Jahr verlängern können. Das Ganze landete diese Woche auf der Tagesordnung des Ständigen Vergabeausschusses, deren Ergebnis bei Redaktionsschluss noch nicht vorlag. Einen interessierten Kandidaten habe die Stadt dabei nicht im Blick gehabt, so Emser.

Doch wie konnte es eigentlich so weit kommen, dass der BBH in der Stadt des Baumes diesen Aufgaben nicht mehr nachkommen konnte? Und: Wäre es nicht billiger gewesen, das eigene Personal aufzustocken beziehungsweise die nötigen Geräte selbst anzuschaffen? Dazu Emser: „Das kann ich nicht beantworten. Generell ist es aber so, dass unsere Haushaltslage die Aufstockung von Personal nur sehr schwer zulässt. Diese Fragestellung bzw. die Entscheidung wie verfahren wird, ist aber dem Stadtrat bzw. seinen Ausschüssen vorbehalten.“

Im Vergabeausschuss ging es auch darum, ein Radwegekonzept durch ein externes Verkehrsplanungsbüro zu erstellen. Zwischen 35 000 und 45 000 Euro veranschlagte die Stadt hierfür. Das Konzept von 1998 müsse überarbeitet werden, in die Neufassung sollten neuste Möglichkeiten der innerstädtischen Radverkehrsgestaltung einfließen und sie die Grundlage für die entsprechenden Haushaltsansätze bilden.

Ebenso ging es darum, die Grünschnitt-Entsorgung ab kommendem Jahr zu regeln. Da läuft der Vertrag mit der Firma Jacoby aus. Daher soll er für ein Jahr (mit einjähriger Verlängerungsoption) neu ausgeschrieben werden. In dem Vertrag ist geregelt, dass ein Grünschnitt-Sammelplatz betrieben sowie Container gestellt und von Privaten an Sammelstellen abgegebener Grünschnitt transportiert wird.  Bisher kostete das rund 46 000 Euro pro Jahr.