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Gedenken an die Reichspogromnacht
Homburg gedenkt Reichspogromnacht

 Hermann Pressler, ehemaliger Rundfunk-Pfarrer beim SR, rief bei seiner Predigt in der Protestantischen Stadtkirche in Homburg zu mehr politischem Engagement auf.
Hermann Pressler, ehemaliger Rundfunk-Pfarrer beim SR, rief bei seiner Predigt in der Protestantischen Stadtkirche in Homburg zu mehr politischem Engagement auf.
Homburg. Damit Geschichte nicht vergessen wird: Schweigemarsch und Gedenkfeier erinnern an 9. November 1938. Von Bill Titze

Anlässlich der Pogromnacht am 9. November 1938 fand in der Protestantischen Stadtkirche gestern Abend eine Gedenkfeier statt, in deren Verlauf die Redner, an die Verbrechen der nationalsozialistischen Diktatur erinnerten. In der gut gefüllten KIrche schilderte die Pfarrerin Petra Scheidhauer das gute Zusammenleben von Christen und Juden in Homburg vor der Diktatur, indem sie darauf hinwies, dass die jüdische Gemeinde im 19. Jahrhundert Geld für die neue Protestantische Stadtkirche gespendet hatte. Sie rief dazu auf „gemeinsam zu erinnern, um wach zu bleiben für die Gegenwart.“ Schüler der Geschichts-AG des Saarpfalz-Gymnasium hatten in diesem Zusammenhang in Anlehnung an  Martin Luther und das Reformationsjubiläum 17 Thesen formuliert, die vor der Veranstaltung an die Tür der Kirche gehangen wurden. Die Thesen setzen sich „Völkerverständigung, Frieden und Freiheit“ zum Ziel (wir berichteten vorab).

Als Hauptredner rief der ehemalige Rundfunkpfarrer vom Saarländischen Rundfunk, Hermann Pressler, die Gräueltaten der Nazis in Erinnerung und appellierte  an die Zuhörer „mitfühlend zu bleiben“. Dies sei wichtig, um den Nachfahren der Opfer mit Respekt begegnen zu können. Außerdem sei das Mitfühlen unabdingbar, um das Böse in sich selbst wahrzunehmen und bekämpfen zu können. Man müsse erinnern, um „Mensch zu sein und auch Mensch bleiben zu können.“ Gleichzeitig warnte er jedoch auch vor falsch verstandener Toleranz. Man dürfe „den Kern der eigenen Identität nicht vergessen.“ Als Beispiel führte er die Umbenennung von St. Martinsfesten in „Lichterfeste“ an (wofür es allerdings nur wenige Beispiele in Deutschland gibt, Anm. d. Red.). Eine solche „Überanpassung“ stärke „Populisten und Rassisten“, warnte Pressler. Um diesen entgegentreten zu können, sei es wichtig, sich politisch zu engagieren und nicht im Opportunismus zu verharren. Zum Abschluss seiner Rede ging Pressler auf die Rolle der pfälzischen und saarländischen Kirchenvertreter zur Zeit des Nationalsozialismus  ein. Deren Predigten hätten die Verbrechen gegen die jüdische Bevölerung verschwiegen, die Wahrheit verschleiert und teils mit den Nationalsozialisten kollaboriert. „Der überwiegende Teil der Pfarrer half bei der Indoktrination der Jugendlichen mit und verehrte Hitler.“

In einem Gedankenspiel stellten Konfirmanden und Konfirmandinnen der Gemeinde Bruchhof-Sandorf das mögliche heutige Zusammenleben von Juden und Christen in Homburg vor. Im Anschluss an die Gedenkfeier in der Kirche machten sich die Besucher auf den Weg zur alten Synagoge, um im Stillen den Opfern in der jüdischen Bevölkerung zu gedenken. Der Schulchor des Saarpfalz-Gymnasiums begleitete die Feier.