| 17:21 Uhr

Umweltbelastung
Weniger Schaum auf dem Erbach

 Der Erbach schäumte vor allem zu Beginn des Jahres bei Beeden regelmäßig.
Der Erbach schäumte vor allem zu Beginn des Jahres bei Beeden regelmäßig. FOTO: Carola Piazolo
Homburg. Die Grünen sehen dies als Teilerfolg ihrer hartnäckigen Nachfragen. Auch leite ein Unternehmen, das mutmaßlich Schaum verursacht habe, längst kein Abwasser mehr ein. Die Stadt streitet den Zusammenhang aber ab. Von Eric Kolling

Das Problem des schäumenden Erbachs ist nach fast einem Jahr der Proteste und Thematisierung im Stadtrat, Nachforschungen und Gesprächen zwar nicht gelöst, aber die Lage hat sich verbessert. Darauf weisen die Homburger Grünen in einer Pressemitteilung hin. Sie waren es, die Anfang 2019 auf die starke Schaumbildung am Gewässer unterhalb der Kläranlage in Beeden hingewiesen hatten, die mehrere hundert Meter weit reichte. Damals hatte der EVS als Kläranlagenbetreiber schnell die Reinigungsleistung der Anlage gecheckt – und kein Versäumnis festgestellt.

In der Folge nahm die Stadtverwaltung Wasserproben, machte die einleitenden Unternehmen ausfindig und versuchte sie gerade hinsichtlich der Tensidbelastung (die für die Schaumbildung verantwortlich zeichnet) zu sensibilisieren. Das Problem: Den Problemeinleiter gab es nicht, da viele Unternehmen ihre Abwässer in den Erbach leiten – und das Brauchwasser der Bürger noch dazukommt.

Im April und Mai hatten die Grünen erklärt, das Saar-Umweltministerium habe ihnen erläutert, dass der ökologische Zustand des Erbach grundsätzlich schlecht (Klasse 5) und die Gewässergüteklasse unbefriedigend (Klasse 4) sei. „Durch die zusätzliche massive Belastung mit Tensiden ist der Erbach in einem desaströsen Zustand, der dringend Beachtung bei den Verantwortlichen finden müsste,“ hatte damals Grünen-Ratsmitglied Carola Piazolo geurteilt und erklärt: „Antibiotikaresistente Bakterien und Antibiotika wurden vom Land noch nicht einmal gemessen.“



Dann folgte die Kommunalwahl, und es wurde länger ruhig um den Erbach. Mitte November, so erklären die Grünen jetzt, luden Stadtverwaltung und der Entsorgungsverband Saar (EVS) zu einer gut besuchten öffentlichen Besichtigung der Kläranlage Homburg ein. Ein Vertreter des Landesumweltamtes habe den Grünen dabei auf Nachfrage erklärt, dass einer der wahrscheinlichen Verursacher längst gefunden sei, der seitdem kein Abwasser mehr einleite. Ein anderes Unternehmen habe den Produktionsprozess umgestellt und setze nun geringere Mengen an Tenside ein. Dies erkläre, warum seit Mai des nun zu Ende gehenden Jahres deutlich weniger Schaum aufgetreten sei, und dies auch nur noch sporadisch etwa zwei bis fünf Mal pro Monat.

Ein völliges Verbot von Einleitungen allerdings, so die Verantwortlichen, sei nicht zu erreichen, weil es für die verursachenden Substanzen in gewerblichen Produktionsprozessen keine gesetzlichen Grenzwerte gebe. Nahezu alle Industriebetriebe verwendeten Tenside für die Reinigung oder direkt im Produktionsprozess (zum Beispiel Scheuern/Polieren) ebenso wie die Privathaushalte für Waschpulver oder Shampoo. Somit sei eine völlige Nulleinleitung nicht möglich. „Eine entscheidende Minderung der schädlichen Einleitung wollten wir aber erreichen“, stellte Katrin Lauer, die Ortsvertrauensfrau von Beeden fest. „Der bisherige Teilerfolg zeigt, dass sich Hartnäckigkeit durchaus auszahlt.“

Die aktuelle Situation sei noch nicht befriedigend, so Winfried Anslinger, Grüner und Vorsitzender des Naturschutzbundes Homburg. Er sorge sich wegen der Dauerbelastung um die Wasserlebewesen und sehe Optimierungsbedarf durch verstärkte Überprüfung großer Einleiter. „Die Probleme kommen nicht von Privathaushalten, für solche Lasten sei die Kläranlage ausgelegt und ausreichend leistungsfähig. Wer jedoch stark verschmutztes Abwasser einleitet, solle zur Vorklärung seiner Abwässer bereit sein.“

Auf ein weiteres Grundproblem verweist Grünen-Vorsitzender Marc Piazolo. Der Erbach ist im Verhältnis zur Anzahl angeschlossener Industrie- und Gewerbebetriebe sowie den mehr als 20 000 Haushalten ein kleines Gewässer. „Das seit Jahresbeginn intensivere Monitoring der Abwasserkanäle erleichtert der Stadt die Suche nach den Verursachern. Mit Hilfe direkter Ansprache möchte die Stadt große Einleiter für das Thema sensibilisieren und zu Selbstverpflichtungen führen. Wir unterstützen diesen neuen Kurs. Er kann auch als Vorbild für andere Schadstoffe, wie Quecksilber oder Ammoniumnitrat, dienen.“

Die Stadt wolle den Grünen zwar nicht widersprechen, bestätigen könne man alle Aussagen aber auch nicht, so Pressesprecher Jürgen Kruthoff. Bis jetzt habe man mit allen großen Betrieben im Stadtgebiet Homburg Kontakt aufgenommen und individuell die jeweilige Abwassersituation in Augenschein genommen und darauf abgestimmte Ideen und Strategien entwickelt. Und: Es gebe ein Unternehmen, das zurzeit kein Produktionsabwasser einleite, da es die Grenzwerte des Abwassers nicht entsprechend der Abwassersatzung einhalten könne. Man könne aber nicht sagen, dass es nur daran liege, dass der Erbach nicht mehr so stark schäumt.