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Verkaufsoffener Feiertag
Eintagsfliege oder Dauerbrenner?

 Rund um den ersten verkaufsoffenen Feiertag im Saarland hatte der Gewerbeverein auch ein buntes Rahmenprogramm wie hier auf dem Christian-Weber-Platz gestrickt.
Rund um den ersten verkaufsoffenen Feiertag im Saarland hatte der Gewerbeverein auch ein buntes Rahmenprogramm wie hier auf dem Christian-Weber-Platz gestrickt. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Der Gewerbeverein will die Erfahrungen aus dem verkaufsoffenen Feiertag Mariä Himmelfahrt auswerten, ehe er über eine Neuauflage spricht. Der Gottesdienst kam jedenfalls gut an. Von Thorsten Wolf

Zur ersten Hälfte ein ganz klassischer Feiertag mit großem ökumenischen Gottesdienst auf dem historischen Marktplatz, zur zweiten Hälfte der erste verkaufsoffene Feiertag im Saarland überhaupt: Mariä Himmelfahrt am Donnerstag hatte in Homburg zwei Gesichter. Dass nicht jedem das zweite gefiel, das war schon im Vorfeld deutlich zu hören gewesen – so hatte das Bistum Speyer seine Position so klar gemacht: Ein Feiertag sei gerade nicht dazu da, den Konsum anzukurbeln. Auch die Gewerkschaften äußerten sich im Vorfeld kritisch. Letztlich waren aber die Kunden oder Nicht-Kunden dazu aufgerufen, über diese bislang einzigartige Einkaufsmöglichkeit abzustimmen. Was man schon kurz nach Beginn um 13 Uhr sagen konnte, das war, dass deutlich mehr Menschen zu diesem Zeitpunkt in der Stadt unterwegs waren, als bei so manchem, klassischen verkaufsoffenen Sonntag. Annette Germann, die Vorsitzende des Homburger Gewerbevereins, verteidigte den Vorstoß. „Wir haben uns ein Abkommen mit dem lieben Gott geschaffen. Er hat vormittags den Gottesdienst, wir haben nachmittags geöffnet. Dafür haben wir auf einen verkaufsoffenen Sonntag verzichtet. Ich bin mir sicher, dass wir einen ganz guten Draht haben zum lieben Gott, der mag das, der mag uns, der mag Menschen. Und der mag vor allem, dass es uns auch gut geht. Und für die Homburger Geschäftsleute ist das ein absolutes Plus und die Chance für eine Neukundengewinnung. Deswegen haben wir das gemacht – und wir hoffen, dass es ein erfolgreicher Tag wird.“

Mit Blick auf die Kritik, dass ein Feiertag ein freier Tag bleiben muss, verwies Germann darauf, dass man kein zusätzliches Angebot geschaffen, sondern im Gegenzug auf einen der vier üblichen verkaufsoffenen Sonntage verzichtet habe. Und sie machte klar, dass dieser verkaufsoffene Feiertag an Mariä Himmelfahrt keine einmalige Sache sein könnte. „Wir hoffen natürlich, dass es gut funktioniert. Man kann nun nicht davon ausgehen, dass das gleich wie eine Bombe einschlagen wird, sondern dass so etwas erstmal wachsen muss. Wir schauen uns heute mal den Tag an und werden dann entscheiden.“

Für eben diesen Tag hatte der Gewerbeverein nicht nur rund 50 Geschäfte in der Innenstadt gewinnen können, rund um die feiertägliche Einkaufsmöglichkeit gab es ein Rahmenprogramm mit Angeboten für Kinder auf dem Christian-Weber-Platz, Streetfood und ein bisschen Straßenmusik. Bevor die Kassen klingeln sollten, gehörte die Stadt dem traditionellen ökumenischen Gottesdienst auf dem historischen Marktplatz. Dort, wo am Freitagabend das Klassik-Open-Air des Homburger Sinfonieorchesters stattfinden wird, gehörte der Morgen dem Lobpreis von Maria. Wie in den Jahren zuvor zeichnete dabei Elmar Federkeil als Kopf einer beeindruckenden Gospelformation für den musikalischen Anteil verantwortlich, Pfarrer Stefan Seckinger, Diakon Ulf Claßen und Pfarrerin Petra Scheidhauer für das geistliche Wohl und Wort. Gleich zu Beginn des Morgens, der kurz vor 13 Uhr mit einer Kräuterweihe endete, würdigte Seckinger den Gottesdienst für seinen konfessionsübergreifenden Charakter. „Das ist der einzige ökumenische Gottesdienst an diesem ur-katholischen Feiertag im ganzen Saarland, vielleicht in ganz Deutschland.“ Als Kirchen springe man so über den eigenen Schatten und zeige auch, dass es als Christen nur gemeinsam gehe.



Nicht nur eine Randnotiz des Kirchenfestes: Die Spenden aus der Kräutersegnung gehen in diesem Jahr an das zirkuspädagogische Projekt „Clown Lolek“, getragen von der Kinderhilfe Saar, verwirklicht am Homburger Universitätsklinikum.

 Der ökumenische Gottesdienst zu Mariä Himmelfahrt war auch in diesem Jahr bestens besucht.
Der ökumenische Gottesdienst zu Mariä Himmelfahrt war auch in diesem Jahr bestens besucht. FOTO: Thorsten Wolf