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Diesmal ging es nach Italien
Ein Freund der gewitzten Texte

Götz Alsmann zeigte bei seinem Gastspiel in Homburg vollen Einsatz als Pianist und Sänger.
Götz Alsmann zeigte bei seinem Gastspiel in Homburg vollen Einsatz als Pianist und Sänger. FOTO: Sebastian Dingler
Homburg. Er ist ein Superstar des Jazz. Jetzt zeigte Götz Alsmann dem Homburger Publikum seine besondere Qualität als Musiker und Entertainer. Von Sebastian Dingler

Sänger, Pianist und Moderator Götz Alsmann wurde einem breiteren Publikum durch die Fernsehsendung „Zimmer frei“ bekannt, als er zusammen mit Christine Westermann immer einen prominenten Gast in eine erfundene Wohngemeinschaft einlud. Natürlich setzte er sich da auch schon ans Piano und ließ sein Können aufblitzen. Seine markante Haartolle lässt auf ein Faible für die fünfziger Jahre schließen, trugen doch die Rock ’n’ Roller von damals ähnliche Frisuren.

Alsmann ist aber auch ein Freund der gewitzten Texte der alten deutschen Schlager. Und so kommt es, dass er entweder die damaligen Übersetzungen fremdsprachiger Songs ins Deutsche verwendet, sofern es welche gibt. Oder er schreibt eben selbst einen Text dazu. Nachdem der Tausendsassa das schon mit französischen Chansons und Liedern des Great American Songbook getan hatte, ging seine jüngste musikalische Reise nach Italien. Folgerichtig hieß Alsmanns Show im Saalbau „Roma“ und enthielt von „Marina“ über „Azzurro“ und „Volare“ so ziemlich alles, was musikalisch und vor 1970 über die Alpen zu uns gekommen war.

Mit seiner Band hat der Münsteraner in den Studios des legendären Filmkomponisten Ennio Morricone aufgenommen. Dessen bekanntes Thema aus „Zwei glorreiche Halunken“ begann Alsmann immer wieder bei der Erwähnung des Komponisten zu intonieren. Das Publikum sang zurück. Mit dem Caterina Valente-Schlager „Sag mir quando“ starteten Alsmann und seine fantastische Band mit einem Song, bei dem man vielleicht gar nicht mit dem italienischen Ursprung gerechnet hätte. Danach folgten eher unbekannte Lieder, die Alsmann ausgegraben und ins Deutsche übertragen hat, wie etwa „Che bambola“ des von ihm sehr verehrten Fred Buscaglione.



Die Zuhörer im fast voll besetzten Saalbau freuten sich nicht nur an der Verständlichkeit der Texte, sondern auch an den witzigen und intelligenten Arrangements der Stücke. Gerade die schon etwas ausgelutschten Songs gewannen dadurch an Lebendigkeit zurück. So etwa „Marina“, das als instrumentales Jazz-Stück daherkam, bei dem mal ein Schlag weggelassen und das am Ende durch alle Tonarten gejagt wurde. Immer wieder konnte sich neben Pianist Alsmann der Multiinstrumentalist Altfried Maria Sicking auszeichnen: Hauptsächlich durch furiose Vibrafon-Soli, aber auch an Trompete und Klarinette rief er spontanen Beifall hervor.

Zu einem gelungenen Götz Alsmann-Konzert zählt aber nicht nur die Musik, sondern auch die Fähigkeit des 61-jährigen, blumig ausgeschmückte Geschichten zu erzählen. Dabei kam er immer wieder auf das italienische Schlagerfestival in Sanremo zu sprechen. „Die Qualität einer Kulturnation lässt sich an der Qualität ihres Schlagerfestivals bemessen“, befand Alsmann und erwähnte dabei, dass das letzte Festival dieser Art in Deutschland schon 1966 stattfand. Das Sanremo-Festival sorge aber heute noch dafür, dass fünf Tage lang beim Italiener nichts anderes im Fernsehen liefe. „Es wird Sie keineswegs verblüffen, dass ich einen eigenen Sanremo-Berater habe“, meinte Alsmann. Der unter dem Titel „Volare“ bekannte Song „Nel blu dipinto di blu“ habe beim Sanremo-Festival natürlich gewonnen, beim europäischen Grand Prix jedoch nur den zweiten Platz belegt. Woraufhin die Italiener mehrere Jahre aus gekränkter Eitelkeit nicht mehr teilgenommen hätten.

Zur Zugabe nahm Alsmann die Ukulele in die Hand und begleitete sich darauf in sagenhafter Manier zu „Ich fand ein Herz in Portofino“. Als dann die gesamte Band wiederkam und die „Hymne der deutsch-italienischen Freundschaft“ (Alsmann) spielte, nämlich „Die Capri-Fischer“, gab es hinterher stehenden Beifall – zurecht.