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Altersmedizin
Ein Sturz kann das Leben verändern

Ein Rentnerpaar spaziert  zum Einkaufen: Muskelschwäche, schlechtes Sehen oder auch ein leichter Schwindelanfall sind häufigste Ursachen für Stürze bei älteren Leuten. Ein Oberschenkelhalsbruch bedeutet sehr oft das  Ende der bisherigen Lebensqualität,
Ein Rentnerpaar spaziert  zum Einkaufen: Muskelschwäche, schlechtes Sehen oder auch ein leichter Schwindelanfall sind häufigste Ursachen für Stürze bei älteren Leuten. Ein Oberschenkelhalsbruch bedeutet sehr oft das Ende der bisherigen Lebensqualität, FOTO: picture alliance / Maurizio Gamb / Maurizio Gambarini
Homburg. Am Uniklinikum berieten sich Experten, wie man Senioren besser behandeln kann. Mehrere Abteilungen müssen zusammenarbeiten. Von Christine Maack

Ein Sturz bedeutet für alte Leute oft das Ende ihrer bisherigen Lebensqualität. Denn Brüche im Alter sind nicht nur eine Herausforderung für die Medizin, sondern auch für die Angehörigen alter Menschen. Der klassische Fall: Eine ältere Frau, die bisher noch gut in ihren eigenen vier Wänden zurecht kam, stürzt, zieht sich einen Oberschenkelhalsbruch zu, muss operiert werden – und stellt fest, dass sie nie mehr so laufen kann wie bisher. Oder sie wird sogar bettlägerig. Auf jeden Fall wird sie nicht mehr alleine zu Hause bleiben können. Das bisherige Leben ist auf den Kopf gestellt.

„Das sind die Fälle, die wir hier täglich haben“, sagt Tina Histing, Professorin am Uniklinikum in der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie. Eines ihrer Spezialgebiete ist die Alterstraumatologie, also die Behandlung von Unfällen im Alter. Ist es denn komplizierter, alte Menschen zu operieren? „Auf jeden Fall“, sagt die geschäftsführende Oberärztin, „denn die Knochen sind oft porös, bröseln sogar, in vielen Fällen ist die Osteoporose die Ursache. Da muss man mit besonderen Techniken arbeiten, auch die Handhabung bei der OP muss anders sein als bei jungen Leuten.“

Oft liege bei älteren Menschen noch eine zusätzliche Erkrankung vor, zum Beispiel ein Herz-Kreislaufleiden. Deshalb, betont Tina Histing, sei es wichtig, „dass man fächerübergreifend zusammenarbeitet, um ältere Menschen ganzheitlich zu behandeln“. Dies wird in Homburg anlässlich der „Geriatrischen Symposien“, die regelmäßig stattfinden, auch so gehandhabt. Die saarländische Gesundheitsministerin Monika Bachmann war sogar gekommen, um die Fachveranstaltung am Uniklinikum zu eröffnen.



„Mit dem Homburger Geriatrie-Symposium möchten wir wieder die medizinische Versorgung älterer Menschen interdisziplinär beleuchten und gemeinsam diskutieren“, hatten die Organisatoren Dr. Esther Herath und Dr. Marcus Unger erklärt. Die beiden Oberärzte sind selbst in unterschiedlichen Fachkliniken tätig und so Beispiel für die fächerübergreifende Zusammenarbeit in Homburg.

Auch für Gesundheitsministerin Monika Bachmann ist die Behandlung älterer Patienten ein wichtiger Aspekt der Gesundheitsversorgung: „Der Versorgung älterer Menschen wird angesichts der demographischen Entwicklung in unserem Land eine immer größere Bedeutung zukommen.“

Nun kann man gesund leben und im Alter trotzdem erkranken, aber was ist mit Stürzen? Kann man hier nicht vorbeugend handeln? „Das ist nicht immer so einfach, denn Stürze älterer Menschen werden auch oft durch kurze Schwindelanfälle ausgelöst. Dann verlieren die Betroffenen die Orientierung und fallen. Die Oberschenkelhalsbrüche häufen sich bei Patienten über 75 Jahre“, erklärt Tina Histing. Am Uniklinikum rege sie gerade mit Kollegen eine so genannte Sturzprophylaxe an, also eine Beratung, wie man Stürze vermeiden kann.

Abgesehen von Schwindelanfällen, für die man nichts kann, sollten ältere Menschen alles vermeiden, was einen Sturz begünstigen kann, zum Beispiel dicke Teppiche und unübersichtliche Stufen. Natürlich sollte man niemals auf einen Stuhl klettern, um irgendwo zu putzen oder eine Birne anzuschrauben. Was aber auch für Jüngere gilt.

Ein Klassiker bei alten Menschen sei der nächtliche Gang zur Toilette. „Bitte nicht schnell aufstehen und sich im Dunkeln ins Bad bewegen“, warnt Professorin Histing. Denn oft sei man durch das schnelle Aufstehen ohnehin etwas schwindlig und verliere im Dunkeln leicht die Orientierung. Wenn ältere Menschen dann auf dem harten Fliesenboden im Bad hinfielen, sei meistens die Katastrophe da.

Deshalb erst das Nachttischlämpchen anmachen, dann langsam aufstehen, sich orientieren und auch im Bad erst Licht anmachen, bevor man sich weiterbewege.

Was kann das Uniklinikum tun, um alten Menschen besser zu helfen? Das sind einerseits moderne, minimalinvasive OP-Methoden, „also solche, die keine großen Schnitte erfordern und die auch nicht zu lange dauern. Sonst wird der Organismus zu sehr belastet.“ Und eine eingespielte Zusammenarbeit aller Kliniken, die schwerpunktmäßig ältere Menschen behandeln, darunter auch die Neurologie.

Die Professorin Tina Histing ist Expertin für Alterstraumatologie.
Die Professorin Tina Histing ist Expertin für Alterstraumatologie.