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Gefährliche Fußgängerzone in Homburg
Bauzaun statt Einkaufspassage

Zum zweiten Mal haben herabfallende Gebäudeteile der Passage Schreiner zu einer Absperrung in der Eisenbahnstraße geführt.
Zum zweiten Mal haben herabfallende Gebäudeteile der Passage Schreiner zu einer Absperrung in der Eisenbahnstraße geführt. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Zum zweiten Mal nach 2015 erwies sich der Eingang fürs geplante Einkaufszentrum für Passanten als gefährlich, denn wieder lösten sich Teile des Altbaus und fielen in die Fußgängerzone. Thorsten Wolf

Eigentlich – ja, eigentlich sollte das geplante Einkaufscenter auf dem Enklerplatz im Herbst 2018 eröffnet werden. So zumindest hieß es so im Mai 2015. Damals wurde nach Streitigkeiten der Enklerplatz wieder vollständig als Parkplatz freigeben.

Die Fläche war nach Querelen zwischen Stadt, dem früheren Center-Investor ECE und dem Grundstückseigentümer Ende 2013 gesperrt worden. Homburgs Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind sowie Helmut Jagdfeld, Maximilian Jagdfeld und Klaus-Martin Callhoff vom neuen Center-Investor Deutsche Immobilien Gruppe verteilten damals gut gelaunt an die ersten Nutzer Parkscheiben.

Es kam fast so etwas wie Aufbruchsstimmung auf – für die Gegner des Projektes kein gutes Zeichen, für die Befürworter wohl schon. Denn: Für ein knappes Jahr später, im Frühjahr 2016, wurde der Beginn der Bauarbeiten angekündigt. Wer sich nun auf dem Enklerplatz umschaut, der sieht, dass nach wie vor schlicht nichts zu sehen ist: Keine Bauarbeiten und schon gar kein der Eröffnung entgegen strebendes Einkaufscenter. Stattdessen ist der Platz das, was er gefühlt schon immer war: Eine der wichtigsten Parkzonen in der Stadt.



Dass sich in Sachen Bau nun nichts tut ist eine Sache, tatsächlich kommt es aber immer mal wieder noch schlimmer. Und das sowohl für die Befürworter als auch für die Gegner des millionen-schweren Großprojektes. Ursache dafür ist die kleine Gebäudezeile an der Eisenbahnstraße mit der früheren Passage Schreiner, eigentlich gedacht als Zugang zum Center mit Anbindung an die Innenstadt. Eben das Gebäude der Passage Schreiner hat sich nun zum zweiten Mal nach 2015 als gefährlich für die Fußgänger erwiesen, wieder lösten sich Teile des Baus und fielen in die Fußgängerzone.

Als Ergebnis wurden in Höhe der Passage Schreiner zwei Drittel des Weges mit einem großen Bauzaun abgesperrt. Das Ganze wirkt einigermaßen tragisch – wirbt doch der Investor gerade dort, in der Passage Schreiner, seit Jahren mit zwei großen, in den alten Schaufenstern verklebten Plakaten für Homburgs neue Einkaufswelt – während drumherum augenscheinlich der Zahn der Zeit an dieser Zukunft heftig nagt. Auf Nachfrage unserer Zeitung schilderte Homburgs Stadtpressesprecher Jürgen Kruthoff gestern das nun anstehende Verfahren.

So werde sich die Untere Bauaufsicht nun wieder an den Eigentümer wenden mit der Auflage, die Mängel zu beseitigen und so die Sicherheit für den öffentlichen Raum wieder herzustellen. Nun kann man über einen solchen Vorfall mit öffentlicher Wahrnehmung nicht berichten, ohne sich auch nach dem Stand der Dinge in Sachen Enklerplatz-Bebauung zu erkundigen. Hier konnte Jürgen Kruthoff mit seiner Sachstandsmeldung aus Sicht der Stadt Homburg nichts wirklich Gutes vermelden.

So habe man erfahren, dass das zuständige Oberverwaltungsgericht sich wohl erst im ersten Quartal des Jahres 2019 mit der von der Stadt St. Ingbert angestrengten Normenkontrollklage befassen werde. Zum Hintergrund: Kurz vor Ablauf der Einjahres-Frist nach Bekanntmachung des Bebauungsplanes hatte Homburgs Nachbarstadt diese Klage eingereicht, um das Baurecht auf dem Enklerplatz prüfen zu lassen (wir berichteten). Nun hat eine solche Normenkontrollklage keine aufschiebende Wirkung, sprich: Auch während das Verfahren läuft, kann man schon mit den eigentlichen Bauarbeiten anfangen. Aber kaum ein Investor wird das tun, vor dem Hintergrund der Gefahr, dass der Klage stattgegeben werden könnte.

So kommt diesem Rechtsmittel dann eben doch eine aufschiebenden Wirkung zu – und genau deswegen scheint es in Sachen Enklerplatz-Bebauung zu hängen. Was allerdings auch zu dieser Wahrheit mit dazu gehört: Baurecht für den Enklerplatz wurde durch den Homburger Stadtrat im Februar 2016 geschaffen, im amtlichen Bekanntmachungsblatt – wichtig für den Stichtag der Klagezulässigkeit – wurde dieser Bebauungsplan im Juli 2016 bekannt gemacht. St. Ingbert selbst reichte etwas weniger als ein Jahr später und noch knapp innerhalb der Frist von einem Jahr die Klage ein.

Bis dahin hätte sich eigentlich, und entsprechend der Ankündigungen, in Sachen Bau schon etwas getan haben können, denn zwischen der amtlichen Bekanntmachung des Bebauungsplans und der Klage St. Ingberts lag eben ein knappes Jahr.

Allerdings hatte der Homburger Stadtrat erst im Mai 2017 den Verkauf eines städtischen Grundstücks an den Investor beschlossen. In der Summe bleibt die Geschichte des Einkaufscenters auf dem Enklerplatz eine mit vielen ganz unterschiedlichen Kapiteln und eine, die sich vor allem das Prädikat „ziemlich unendlich“ verdient.