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Rechtsbeihilfe für sozial Schwache
Ganz unkompliziert zu seinem Recht kommen

Homburg/Neunkirchen. Anwaltliche Beratungsstelle im Amtsgericht Neunkirchen für Bedürftige am Mittwoch offiziell vorgestellt.

() Gute Nachrichten für die Bürger, die den Rat eines Anwalts benötigen, aber sich dessen Honorar nicht leisten können: Im Amtsgericht Neunkirchen in der Knappschaftsstraße 16 wurde zu Beginn des Monats eine anwaltliche Beratungsstelle eingerichtet, die auch für den Saarpfalz-Kreis zuständig ist. Ein niedrigschwelliges, kostenloses Angebot für Bedürftige, die sich keinen Rechtsbeistand leisten können. Der Tag der offenen Tür der saarländischen Justiz bot die Gelegenheit, die Beratungsstelle vorzustellen und über die ersten Erfahrungen zu berichten.

„Überrascht“ sei er gewesen, als er zu Beginn des Jahres vom saarländischen Justizministerium auf das geplante Modellprojekt in „seinem“ Haus angesprochen wurde, berichtete Direktor Johannes Schmidt-Drewniok. Schließlich sei eine räumliche Trennung zwischen Gericht und Anwälten absolut gewollt. „Richter und Rechtsanwälte auf einem Flur? Wie wirkt das auf Rechtsuchende?“, fragte sich Richter Schmidt-Drewniok und „googelte“ nach vergleichbaren Angeboten. Und siehe da, anderswo in Deutschland scheint das Modell bereits zu funktionieren. Unter der Prämisse, dass beide Seiten unabhängig voneinander agieren, ging die anwaltliche Beratungsstelle in Neunkirchen am 2. Mai an den Start. Das Angebot gilt ausschließlich für Bedürftige, die ohnehin über die Beratungshilfe einen Rechtsbeistand bekämen. Wie dessen Präsident Olaf Jaeger erläuterte, organisiere der Saarländische Anwaltverein, dass an den drei Modell-Standorten Neunkirchen, Saarbrücken und Merzig jeweils zwei Stunden pro Woche ein Anwalt zur Verfügung stehe.

Die Räumlichkeiten und die Ausstattung werden vom Justizministerium übernommen, sagte Staatssekretär Roland Theis, der am Mittwoch den Tag der offenen Tür an den Landgerichten Neunkirchen und Ottweiler (mit einer Podiumsdiskussion) begleitete. Jaeger bezeichnete die Beratungsstelle als „gutes, wichtiges Projekt, um Rechtshilfe noch bürgernäher zu gestalten“. Das Angebot, das derzeit mittwochs von 9 bis 11 Uhr (ohne Voranmeldung) vorgehalten werde, stecke noch in den Kinderschuhen. Wie die ersten Schritte darin waren, berichtete sein Anwaltskollege Bruno Fischer. Er machte die Erfahrung, dass die Menschen „sehr unbefangen“ gekommen seien und seinen rechtlichen Rat gesucht hätten.



Ein buntes Spektrum an Fragen von Zivil- bis zu Erbrecht sei ihm vorgelegt worden. „Man bringt sein Anliegen vor und hört, was Sache ist. Ganz unkompliziert“, schilderte Fischer seine Erfahrungen. Viele Menschen hätten von Justiz, beeinflusst durch entsprechende Sendungen im TV, eine durchaus „verquere“ Vorstellung. Sie werde oftmals dann auch als etwas Böses wahrgenommen. „Dabei hat Justiz auch eine helfende Funktion“, stellte Fischer klar.