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Sommer
„Für die Pflanzen ist das echter Stress“

Mit seinem großen Tankfahrzeug ist BBH-Mitarbeiter Michael Simon über die Sommermonate im Stadtgebiet unterwegs, um insgesamt 700 Bäume an Straßen und Plätzen mit Wasser zu versorgen – auch mittels so genannter „Water Bags“, die das Wasser extra langsam abgeben.
Mit seinem großen Tankfahrzeug ist BBH-Mitarbeiter Michael Simon über die Sommermonate im Stadtgebiet unterwegs, um insgesamt 700 Bäume an Straßen und Plätzen mit Wasser zu versorgen – auch mittels so genannter „Water Bags“, die das Wasser extra langsam abgeben. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Die aktuelle Hitzeperiode beschert dem Grünpflege-Team des Homburger Baubetriebshofes reichlich Arbeit.

Am Ende dürfte wohl keiner behaupten, dass der Sommer 2018 gar keiner gewesen sei. Seit Wochen arbeitet die Sonne auf Hochtouren, die 30-Grad-Marke ist keine wirkliche Grenze mehr. Doch es ist wie mit allem: Zu wenig ist schlecht, zu viel auch. Oder, wie es Paracelsus formulierte: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.“

Und in diesen Tagen gibt’s fast schon ein bisschen zu viel des Sommers. Die Hundstage machen ihrem Ruf alle Ehre, dauerhaft liegen die Temperaturen in den kommenden Tagen deutlich über 30 Grad. Und auch der Abkühlungseffekt in der Nacht mindert sich deutlich. Menschen können nun dieser Hitze durchaus, je nach Arbeitsbedingungen, begegnen – Ventilatoren, Klimaanlagen und andere Segnungen der Zivilisation machen es möglich.

Schlecht sieht es jedoch für Bäume und Pflanzen aus. Wer einen eigenen Garten hat, der weiß, was gemeint ist. Was nun des Privatmanns eigene, pflegebedürftige grüne Oase ist, sind für die Stadt Homburg unter anderem die zahlreichen Sommerflor-Anlagen, die Friedhöfe und der große innerstädtische Baumbestand. Und all das bedeutet für den Bereich Grünpflege des städtischen Baumbetriebshofes (BBH) in diesen Tagen einen enormen Aufwand. Dienstbeginn ist um 6 Uhr, 37 Mitarbeiter, davon sieben Halbtagskräfte, hat der zuständige Meister Stephan Landwehr derzeit täglich im Einsatz. Hört sich viel an.



Wenn man aber bedenkt, was alles an Grün in der Stadt und in den Stadtteilen gepflegt werden muss, gerade jetzt während einer Hoch-Hitze-Periode, dann relativiert sich das schnell. Eine dafür stellvertretende Zahl: Alleine rund 700 Bäume müssen versorgt werden – solche Bäume, die an ihren Standorten aktuell wenig Chancen haben, mit dem Wasser in ihrer natürlichen Umgebung auszukommen. „Wir haben zwei spezielle Fahrzeuge für das Wässern der Grünflächen im Einsatz, zusätzlich gibt es noch Mitarbeiter, die mit der Hand gießen“, erzählt Vorarbeiter Peter Lang gestern. Ist es nun deutlich mehr Arbeit als sonst? Stephan Landwehr: „Es ist vor allem eine Umverteilung der Arbeit.“ So falle gerade das Mähen von Großflächen aktuell weg, „die beiden Großflächenmäher stehen derzeit still“. Anstelle dessen trete nun eben das verstärkte Gießen. Zudem sei, bei den hohen Temperaturen, die Arbeit alles andere als angenehm.

Im Einsatz für eine ausreichende Wasserversorgung gerade von Bäumen an Straßen und Plätzen setzt die Grünpflege des Baubetriebshofs auch auf eine besondere Technik, so genannte „Water Bags“. Dabei handele es sich, so BBH-Mitarbeiter Michael Simon als zuständiger Fahrer des großen Gießfahrzeugs, um Säcke mit einem Volumen von 75 oder 100 Litern Wasser. Die werden um den Fuß des Baums gelegt und geben ihren Inhalt dosiert über 24 Stunden hinweg ins Erdreich am Baum ab. Das habe seinen guten Grund, wie Stephan Landwehr ergänzt, denn: Selbt wenn es mal einen starken Regenguss gebe, so bei einem Gewitter, bringe das diesen Bäumen nicht viel, da das Wasser aufgrund seiner hohen Niederschlagsgeschwindigkeit meist ungenutzt abfließe.

Zusätzlich setze man auch so genannte künstliche Gießränder ein. Diese sollen eben ein Abfließen von Wasser verhindern. 70 Liter maximal fasse ein solcher Gießrand, erläutert Michael Simon. Alleine für die Bäume auf der so genannten Baumliste setzt Simon innerhalb eines 14-Tage-Gieß-Rhythmus über 33 000 Liter Wasser ein. „Und das ist unabhängig von den anderen Sommerflor-Flächen, die versorgt werden müssen“, erläutert Landwehr.

Was auch noch zu bemerken ist: Nicht nur an den Werktagen sind die Trupps der Grünpflege im Einsatz, sondern auch am Wochenende. „Ich fahre zum Beispiel gerne am Sonntagmorgen, weil dann wirklich gar kein Verkehr auf den Straßen ist“, sagt Michael Simon. „Mit dem großen Wagen, den ich fahre, lässt sich das auch oft nicht anders machen.“

So könne man zum Beispiel die Bäume am Marktplatz aufgrund der Verkehrssituation unter der Woche eigentlich nur am Wochenende versorgen. Es sind also derzeit keine leichten Tage für die Grünpfleger des Baubetriebshofs der Stadt Homburg. Der Einsatz, auch wenn man nicht alles wird über den Sommer bringen können, zahlt sich aber sichtbar aus.

Nicht zuletzt sei hier der Kreisel an der Talstraße genannt, der trotz der hohen Hitzebelastung für die Blüten, immer noch eine feine Visitenkarte für die Stadt abgibt. „Es könnte allerdings dort noch besser aussehen“, so Landwehr. „Aber aufgrund der Hitze haben die Blüten eine kürzere Lebensdauer als sonst.“ Insgesamt bedeute diese Zeit, so der BBH-Meister, für die Pflanzenwelt echten Stress.