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Leserbrief
Frage nach Motiv unbeantwortet

Detektiv-Affäre

Annette von Droste-Hülshoff sei es geklagt, dass Holzfrevel nicht erst, seitdem der Delinquent unter der Judenbuche seinem Leben ein Ende machte, ein Delikt war, bei dem durchaus mal Köpfe rollten. Die Bürgebuschordnung der Holzmarktgenossenschaften des 16. Jahrhunderts sah in minder schweren Fällen vor, dass dem Holzfrevler jene Hand vom Rest des Körpers abgetrennt wurde, mit der er die Axt an den Baum der Erkenntnis gelegt hatte.

Die Anklageschrift gegen den Homburger OB lese sich wie ein Krimi. Mag sein, dass da was dran ist. Allein, auf der Suche nach den Motiven für die Tatbeteiligten lassen die Homburger Kommunalpolitiker zumindest einen Zeitungsleser wie mich im Stich. Im Vorfeld der Affäre war von diversen Unregelmäßigkeiten die Rede, zum Beispiel von einer Holz-Mafia, von privaten Baustellen und einer Beschallungsanlage für den Musik-Park.

Jetzt erfährt der geneigte Leser, dass es ausgerechnet ab dem Moment, da die Detektive ihre Observation beginnen, zu keinem einzigen Holzdiebstahl gekommen ist. Jetzt würde der Lateiner sagen: „Tertium non datur“ – ein Drittes gibt es nicht! Entweder es gab keinen Holzfrevel – oder es gibt keinen Holzfrevel mehr.



Der Franzose würde jetzt gesagt haben: „Honi soit, qui mal y pense!“ Zu Deutsch: „Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!“ Allein, ein Frevler ist mir kein Homburger nicht, der vom Baum der Erkenntnis einen Apfel mir bricht – einen Apfel, von keiner bösen Stiefmutter vergiftet, der wahre Erkenntnis mir hätte gestiftet. Allein – ich fürchte schlimmstenfalls, dass wie bei Adam damals, der Apfel von Baum der Erkenntnis stecken mir bliebe im Hals.“