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Es gibt Grenzen
Wann darf die Feuerwehr Türen aufbrechen?

 Feuerwehrleute müssen nicht nur bei Bränden helfen. Wenn eine Tür den Weg versperrt, um Menschen zu helfen, ist ihr Know-how ebenfalls gefragt.
Feuerwehrleute müssen nicht nur bei Bränden helfen. Wenn eine Tür den Weg versperrt, um Menschen zu helfen, ist ihr Know-how ebenfalls gefragt. FOTO: Dirk Schäfer
HOmburg/Bexbach/KIrkel. Wer glaubt, sie ist die billige Variante zu privaten Schlüsseldiensten, liegt falsch. Feuerwehrsprecher Dirk Schäfer: „Es gibt strikte Grenzen.“ Von Matthias Zimmermann

Drei Feuerwehrautos heizen mit Blaulicht und Martinshorn durch die Stadt. Doch am Einsatzort ist von Rauch und Flammen nicht die geringste Spur. Helfer eilen an die Eingangstür eines Hauses und brechen sie auf. Damit ist der Einsatz für die Wehr beendet.

„Wir kommen nicht raus, wenn jemand seinen Schlüssel verloren hat“, sagt Dirk Schäfer, Sprecher beim Landesfeuerwehrverband Saarland, allerdings ganz deutlich. Es müsse schon einen ganz triftigen Grund geben, wenn seine Kollegen rauskommen, um mit Gewalt einer Pforte zu Leibe zu rücken. Bei einem Brand werde wohl keiner den Sinn anzweifeln, wenn es um Sekunden geht, Leben zu retten. Das sei selbstredend. Anders sehe es indes in Notsituationen aus, die eben nichts mit Feuer zu tun haben. Schäfer: „Wenn Menschen nicht zu erreichen sind, die eigentlich daheim sind, dann werden wir auch gerufen.“

Ein Beispiel: Der Pflegedienst klingelt an der Haustür wie jeden Tag. Eigentlich müsste jemand zu Hause sein. Aber die Tür bleibt zu, keine Reaktion, auch nicht nach mehreren Versuchen, die Person zu erreichen. „Es kann sein, dass jemand gestürzt und hilflos ist.“ Dann werde die Feuerwehr über die fürs Saarland zentrale Rettungsleitstelle in Saarbrücken hinzugerufen. Das kommt immer wieder vor. Jüngst gab es etwa einen ähnlich gelagerten Fall in Kirkel-Neuhäusel. Dabei hatte die Bewohnerin der Wehr allerdings noch selbst informiert aufgrund eines internistischen Notfalls.  Letztlich habe sie die Haustür doch selbst öffnen können. Bis der Rettungsdienst kam, wurde sie aber medizinisch betreut und versorgt.(wir berichteten).



Wenn die Feuerwehr direkt über persönliche Kontakte alarmiert wird, sichere sie sich rechtlich ab, berichtet Verbands-Sprecher Schäfer. „Wir rufen dann die Polizei hinzu.“ Erst wenn Beamte am Einsatzort sind, machten sich die Feuerwehrleute an der verschlossenen Tür zu schaffen. Das diene der eigenen Sicherheit vor womöglichen Schadenersatzansprüchen jener, um deren vier Wände es sich handelt. Schließlich handle es sich dabei um Privatsphäre. „Das ist ja ähnlich wie bei einem Einbruch. Und da brauchen wir natürlich Zeugen, damit niemand hinterher sagen kann, dass hier etwas verschwunden ist“, ergänzt der Feuerwehrvertreter.

Einsätze dieser Art, dass Wehren zu einer Art Amtshilfe gerufen werden, sollen sich in letzter Zeit häufen. Schäfer spricht von Erfahrungswerten. Statistisch erfasste Fallzahlen gebe es darüber aber nicht. Dabei gehe die ganze Sache nicht immer glücklich aus. „Wir sind in den vergangenen Wochen auch schon zu Häusern gerufen worden, wo sich die Bewohner nicht meldeten.“ Als Feuerwehrleute dann die Tür öffneten, kam die traurige Gewissheit: Die seit Tagen Vermissten waren tot.

Notrufe, dass Menschen zu Hause nicht zu erreichen sind, obwohl sie da sein müssten, kommen nicht nur von Pflegediensten. Besorgte Familienangehörige und beunruhigte Nachbarn gehörten ebenso zu jenen, die Alarm schlagen. Und die Feuerwehr rücke an, wenn Hausnotrufe aktiviert werden. Dabei handelt es sich in der Regel um Geräte, die hauptsächlich Ältere bei sich tragen, um beispielsweise bei einem Sturz per Knopfdruck sofort Hilfe zu rufen. Ist kein Schlüssel beim Nachbarn oder Pflegedienst deponiert, dann schreite die Feuerwehr ebenfalls zur Tat. Immer in Begleitung mit Polizei und Rettungsdienst.

Der Feuerwehrsprecher betont, dass nur dann die Helfer ausrücken, wenn tatsächlich eine Notsituation vorliegt. „Wir stehen nicht im Wettbewerb mit privaten Schlüsseldiensten, wenn jemand seinen Schlüssel verloren hat und nicht in seine Wohnung kommt.“

Generell gelte: Droht Gefahr für Leib und Leben: per Notruf die Helfer alarmieren. Ein verloren gegangener Schlüssel zähle prinzipiell nicht dazu. Auch wenn es den Geldbeutel noch so schmerzt, den kostspieligen Schlüsseldienst einzuschalten.