| 20:21 Uhr

Narrensturm in Kirrberg
Am Ende waren die Weiber die Gewinner

 Es war ein kurzes Ringen und dann entmachteten die Kerbricher Narren ihren Ortsvorsteher – jetzt wird gefeiert bis Aschermittwoch.
Es war ein kurzes Ringen und dann entmachteten die Kerbricher Narren ihren Ortsvorsteher – jetzt wird gefeiert bis Aschermittwoch. FOTO: Thorsten Wolf
Kirrberg. Die „Freunde der Kerbricher Fasenacht“ weisen ihre weltlichen Herrscher bis Aschermittwoch in die närrischen Schranken. Der Narrensturm lockte wieder etliche auf die Straßen. Von Thorsten Wolf

Es ist eine gute Tradition: In Homburg waren und sind es die Kirrberger Narren, die an Weiberfastnacht als erste ihre „Herrscher“ aus den Amtstsuben jagen. Und nicht zum ersten Mal waren sie am Donnerstag auch die einzigen in der Stadt, denn die Homburger Narrenzunft hatte ihren Rathaussturm ja bekanntlich erneut abgesagt. So waren die Truppen der „Freunde Kerbricher Fasenacht“ auch in dieser Session wieder mehr oder minder auf sich allein gestellt, als es darum ging, die weltlichen Herrscher zumindest mal bis Aschermittwoch in die närrischen Schranken zu weisen. Dass das in einer Zeit geschieht, in der vielen ganz Homburg wie ein Tollhaus vorkommt, das mag man da nicht nur am Rande bemerken.

Sei‘s drum, die Kerbricher ließen auch in diesem Jahr schon von vornherein keinen Zweifel aufkommen, wer in den tollen Tagen auf dem Berg nun das Sagen hat. Und da konnte Ortsvorsteher Manuel Diehl von seinem Fenster im Bürgerhaus noch so viel Widerstand ankündigen – eine Chance hatte er nicht. Immerhin hatte er einen perfekten Blick auf das, was sich da vor dem Bürgerhaus abspielte: Pünktlich um 10.30 Uhr setzte sich die Narrenschar von der nahe gelegenen Lambsbachhalle aus in Marsch, angeführt von der Pfarrkapelle Kirrberg.

Im Gefolge fanden sich eine ganze Handvoll bestens gelaunter Marschgruppen, von der FKF-Garde über die Feuerwehr (die man da auch schon mal als Feierwehr bezeichnen durfte) und den Kindergarten bis hin zum DRK, dem Obst- und Gartenbauverein, den Pfadfindern und einigen mehr. Natürlich mit dabei auch jede Menge verboozte Kirrberger, die sich den „närrischen Umsturz“ nicht entgehen lassen wollten. Ohne Zweifel, FKF-Sitzungspräsident Erik Schütz und seiner Vereinsvorsitzenden Jutta Bentz mangelte es nicht an machtwilligen Weibern und Narren.



Nun machte es sich der ganze Tross aber nicht einfach und zog eben nicht schnurstracks von der Lambsbachhalle zum Bürgerhaus, nein: Auch in diesem Jahr veranstalteten die Kirrberger wohl den einzigen Umzug im Saarland, in der Region, in Deutschland und gar in der ganzen Welt, der sich minutenlang im Kreise drehte, natürlich um den kleinen Kreisel in der Ortsmitte. Das verschaffte Manuel Diehl ein paar Minuten Gnadenfrist und den Blick auf eine echte Kirrberger Fastnachts-Kuriosität. Nachdem sich die Narren dann mit genug Umdrehungen buchstäblich in Schwung gebracht hatten, ging‘s dann vor den Amtssitz des Ortsvorstehers. Dort sorgte die FKF-Garde schon mal dafür, dass keiner entkommen konnte, während Erik Schütz sich wie immer wortgewaltig an sein närrisches Volk wandte. „Manuel, zieh‘ Dich warm an. Die Fraue, die hann einijes auf Lager heit“, warnte er schon mal vorab den Ortsvorsteher, der selbst mit dem Schlüssel winkend zu diesem Zeitpunkt noch einigermaßen wenig beunruhigt wirkte. „Noch mennt er, er wäre sicher. Aber es wird gestürmt, dass kann ich euch sahn.“

Und dann legten Schütz und die wilden Kerbricher Weiber richtig los. „Gemorje ihr Leit, ich grüß eich von Herze – des klingt vielleicht schwülstig, aber mir is net no Scherze.“ Das durfte Manuel Diehl dann schon mal darauf einstimmen, was er dann im Anschluss von Margit Herz und Martina Didion zu hören bekam. Die beiden blickten auf viele Themen zurück, die Kirrberg in den vergangenen Monaten beschäftigt hatten. Natürlich mit dabei auch die Brücke an der Emilienruhe. „Jetzt kommt noch was, des hann ihr all gesiehn, über die Brück an der Emilienruh‘ kann man jetzt wieder gehn. Gebaut ist die für die näschte hunnert Johr, mir hätte net gedenkt, dass des noch werd wohr. Die ham dort gegrab, geschafft und geschwitzt – bis die Brick mol endlich fertig wor is. Und gekost, kann ich euch sahn, hat die ganz schön viel. Die Golden Gate Bridge ist do nämlich Scheißdreck dogeje.“

So einiges musste sich Diehl da anhören, doch bis dahin schien er nicht zu wanken und nicht zu weichen. „Ihr bleibt draus“, rief er seinen Angreifern entgegen. Doch natürlich kam es, wie es kommen musste. Als das närrische Volk zu seinen Füßen anfing zu singen und sich mit der Aufforderung „Manuel, gib den Schlüssel raus“ in Stimmung brachte, da war die Messe gelesen. Hinausgezerrt von den Gardemädchen und in Gewahrsam genommen von den Kerbricher Weibern wurde er kurzerhand um einen Schlipps kürzer gemacht, in ein närrisches Karibik-Kostüm verpackt und der Narrenschar an der Leine vorgeführt. Am Ende kann es am Fetten Donnerstag eben nur einen Gewinner geben: die Weiber!

 Wie in jedem Jahr versammelte sich eine großen Narrenschar vor dem Bürgerhaus.
Wie in jedem Jahr versammelte sich eine großen Narrenschar vor dem Bürgerhaus. FOTO: Thorsten Wolf