| 22:12 Uhr

Jazz-Frühschoppen
Fast schon ein Heimspiel für die Allotria

Die Allotria Jazzband aus München um Rainer Sander (vorne) servierte Klassiker des Jazz und Dixieland.
Die Allotria Jazzband aus München um Rainer Sander (vorne) servierte Klassiker des Jazz und Dixieland. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Wieder einmal überzeugte die Band aus München mit Virtuosität und Spielfreude beim Homburger Musiksommer.

Mit der „Allotria Jazzband“ aus München war am Samstag beim Homburger Jazzfrühschoppen erneut ein echtes Schwergewicht zu Gast – und das nicht zum ersten Mal. Seit vielen Jahren gehört die siebenköpfige Formation um den Saxophinisten und Klarinettisten Rainer Sander zum festen Repertoire des Musiksommers. So war es für die Band auch ein bisschen ein „nach Hause“ kommen, als sie da am Samstag ihren Auftritt hatte. 

Woher kommt eigentlich der Bandname? Auf ihrer Internetseite erklären die Musiker: „Aus dem Griechischen übersetzt heißt ‚allotrios‘ wörtlich „sonderbar, fremdartig“. Heute im baierisch-bajuwarischen Sinn: Unfug, Alberei. Englisch: All that jazz!“ Eigentlich leitet sich der Name der Band aber ab von dem Münchner Jazzlokal, in dem sie lange Jahre Hausband war, dem Allotria.

Es gibt wenige Jazzformationen in Europa, die den Swing und den Dixie so auf die Bühne bringen wie Rainer Sander als Bandleader, Komponist und Arrangeur, Colin T. Dawson (Trompete und Gesang), Andrey Lobanov (Trompete), Mathias Götz (Posaune), Thilo Wagner (Klavier), Peter Cischeck (Kontrabass) und Gregor Beck (Schlagzeug). Und das bewiesen die Sieben gleich zu Beginn mit einer mitreißenden Nummer von Benny Goodman. Getragen vom vierköpfigen Bläsersatz servierten die Allotrianer den Klassiker „Don‘t be that Way“, eine Jazz-Komposition von Goodmann und Edgar Sampson aus dem Jahr 1938, eine der Hymnen der Swing-Ära überhaupt. Nach diesem schwungvollen Auftakt zeigte sich Rainer Sander in seiner kurzen Begrüßung sichtlich erfreut über die erneute Gelegenheit für die Allotria Jazzband, Swing und Dixieland aus München ins Saarland zu importiereren.



Dabei würdigte er vor allem auch das Jazzfrühschoppen-taugliche Sommerwetter, in der Vergangenheit hätten bei Auftritten seiner Band die Schirme auf dem Marktplatz eher die Aufgabe gehabt, den fast schon üblichen Regen abzuhalten. „Was für ein wunderschöner Tag, an den haben wir uns gleich angepasst, das Wetter ist fantastisch“, so Sander mit einem Augenzwinkern zum recht legeren Dresscode seiner Band. Auch die Änderungen auf dem Marktplatz im Bereich der Bebauung und der Gastronomie entgingen dem Bandleader nicht, „das ist alles wirklich optimiert. Toll in Homburg. Und wir sind froh, dass wir wieder da sind.“

Den Worten ließen Sander und die anderen Allotrianer dann erstmal einen feinen Ragtime-Titel folgen: „Black Bottom Stomp“ aus der Feder von Jelly Roll Morton aus dem Jahr 1925. Das Eröffnungstrio komplett machte mit „If it isn‘t Love“ ein geschmeidiges Liebeslied. Mit dieser Eröffnung verdeutlichte die „Allotria Jazzband“, warum sie zu Europas führenden Swing- und Dixieland-Formationen gehört: In jedem Tempo und in jeder Spielart zu Hause, immer wieder mit Raum für stimmige Soli, geschlossen als Band, individuell hochklassig – das war Jazz-Classic in höchster Güte!

Am kommenden Wochenende bietet der Homburger Musiksommer mit Querbeat am Freitagabend und dem Jazzfrühschoppen am Samstagmorgen wieder viel Musik: Bei Querbeat wird’s Kubanisch, Rody Reyes & Havanna con Klasse wollen den Marktplatz für ein paar Stunden unter die Sonne des Südens rücken. Am Samstag, beim Jazzfrühschoppen gehört die Bühne dem Romeo Franz Ensemble – das bedeutet Jazz mit Anlehnungen an Django Reinhardt und Stephane Grapelli.

(thw)