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Fandorf zieht Bilanz
Fandorf litt unter deutschem WM-Aus

Bis zum Ausscheiden der DFB-Elf sah es im Homburger Fandorf so aus, danach ging der Zuspruch deutlich zurück. Trotzdem ziehen Stadt und privater Betreiber ein grundsätzlich positives Fazit.
Bis zum Ausscheiden der DFB-Elf sah es im Homburger Fandorf so aus, danach ging der Zuspruch deutlich zurück. Trotzdem ziehen Stadt und privater Betreiber ein grundsätzlich positives Fazit. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Das privat betriebene und finanziell von der Stadt unterstützte Zuschauer-Angebot muss Zukunftsfragen stellen. Von Thorsten Wolf

Es hätte alles so gut laufen können – für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft und für das Homburger Fandorf. Das feierte, privat betrieben und finanziell unterstützt von der Stadt, bei der eben zu Ende gegangenen Fußball-Weltmeisterschaft seine Premiere auf dem Christian-Weber-Platz und sollte in der Stadt zum zentralen Anlaufpunkt der Fans der DFB-Elf auf dem Weg zur Titelverteidigung werden. Doch bekanntermaßen kam alles ganz anders: Die Nationalkicker schieden sang- und klanglos als Gruppenletzte schon in der Vorrunde aus. Und damit fiel dann auch der wesentliche Anziehungspunkt für das Fandorf weg. Was blieb war die vertragliche und angekündigte Übertragung der Halbfinalspiele und des Finales.

Ohne eine deutsche Mannschaft dort waren diese Angebote allerdings alles andere als ein Gassenhauer. Dass die Veranstalter und Organisatoren für das historische schlechte Abschneiden der DFB-Kicker nichts können, das ist natürlich klar. Doch was bleibt, ist die Frage, ob ein solches Fandorf mitten auf dem Christian-Weber-Platz, mit einigem Aufwand betrieben, auch in zwei Jahren bei der Europameisterschaft eine geeignete Lösung ist. Darüber wird letztlich der Stadtrat entscheiden — auch abhängig von den dann vorliegenden Angeboten. Doch auch die Stadtverwaltung sollte sich fragen, ob man — im Fall eines erneut schlechten und nun auch nicht mehr so undenkbaren Abschneidens der Fußball-Nationalmannschaft – noch einmal das Risiko eingehen will, den Christian-Weber-Platz für erneut einen Monat mit Absperrgittern zuzustellen.

Zumal: Unumstritten war die Homburger Lösung als Partnerschaft zwischen Stadt und privaten Eventagentur von vornherein nicht. Viel beklagten, dass man nicht wie in der Vergangenheit das Public-Viewing auf dem Marktplatz hatte stattfinden lassen. Und so mancher sprach mit Blick auf die Gestaltung des Premieren-Fandorfs eher von einem Gefängnishof mit Freigang-Möglichkeiten als von einem stimmungsvollen Ambiente für den Fußball-Fan. Von außen betrachtet könnte man also so manches beklagen oder auch kritisieren am Homburger Fandorf, sei es nun den unbeeinflussbaren Außenumständen oder der tatsächlichem Umsetzung geschuldet.



Bei der Stadt und dem privaten Betreiber hingehen fällt das Fazit durchaus positiv aus. So freue man sich, wie Stadtpressesprecher Jürgen Kruthoff auf Nachfrage unserer Zeitung klar machte, „auch nach Rücksprache mit Nathalie Klein als Sprecherin der Veranstalter, dass rund 10 000 Besucherinnen und Besucher über alle gezeigten Spiele hinweg stimmungsvoll und friedlich im Homburger WM-Fandorf in der Stadtmitte Fußball geschaut und auch gefeiert haben“. Angesichts der Gesamtsituation habe der Veranstalter mit so viel Zuspruch kaum gerechnet. „Auch die Sponsoren waren nach Darstellung der Veranstalter sehr zufrieden und würden gegebenenfalls gern bei der EM 2020 wieder teilnehmen.“

Aus Sicht der Stadt sei ebenfalls positiv zu sehen, dass vor allem bei den Spielen der deutschen Mannschaft Familien, Kinder, Jugendliche und auch die ältere Generation bei meist strahlendem Wetter auf dem Christian-Weber-Platz und auch in der Gastronomie in der Innenstadt gemeinsam mitgefiebert hätten. „Zu einer abschließenden Bilanz gehört, unabhängig vom weniger guten Abschneiden der deutschen Mannschaft, auch der Hinweis darauf, dass wir durch die Kooperation unseres Stadtmarketings mit dem privaten Veranstalter ein Angebot unterbreiten konnten, bei dem wir für weniger Geld mehr bieten konnten als bei früheren Public-Viewing-Veranstaltungen. Aus diesem Grund gab es auch eine breite Zustimmung im Stadtrat für dieses gemeinsame Vorgehen.“

Kruthoff räumte ein, dass das Interesse nach dem Ausscheiden nachgelassen habe, dies sei nachvollziehbar. „Ungeachtet dessen wurde mit dem gemeinsamen Vertrag die Möglichkeit geschaffen, für einen Betrag von 25 000 Euro für die Stadt acht Spiele zu zeigen.“ Und wie geht es nun weiter, vor allem mit Blick auf die Eurpameisterschaft 2020? Kruthoff: „Das weitere Vorgehen werden wir gern prüfen, dieses hängt natürlich auch von den möglichen Anbietern und letztlich – wie auch in diesem Jahr — von einer Entscheidung des Stadtrats ab. Generell können wir daher eine solche mögliche Beschlusslage im Stadtrat für die EM 2020 in Aussicht stellen, für die WM 2022 dürfte dies allerdings kein Thema sein, da diese WM aller Voraussicht nach im Winter stattfinden wird.“ Hintergrund dieser Einschätzung Kruthoffs: Die nächste Fußballweltmeisterschaft soll in Katar ausgetragen werden. Aufgrund der dort hohen Sommertemperaturen wird das Turnier am Ende des Jahres ausgetragen, so fällt das Finale auf den 18. Dezember und damit auf den vierten Advent.