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Die Woche in Homburg
Es lebe das Sozialkaufhaus

 Christine Maack
Christine Maack FOTO: SZ / Robby Lorenz
Nein, hier geht es nicht um den Zustand des Homburger Sozialkaufhauses. Sondern um Limbach. Oder um ein Stück rührende Sozialgeschichte. Um es gleich zu sagen: Ich liebe das Limbacher Sozialkaufhaus. Von Christine Maack

Ausgelöst durch ein Teeservice der Marke Royal Staffordshire. Hingebracht hatte ich zwei Wintermäntel meiner Mutter, „noch gut und fast nie getragen“. Wie so vieles dort: Zwei nagelneue Persianermützen aus den 60er Jahren. Die verstorbene alte Dame hatte sie immer nur im Schrank aufbewahrt, weil „die Pelzkappe“ so wertvoll waren. So bescheiden war man damals. Dann war die Dame tot und die Mützen landeten im Sozialkaufhaus. Wie der Steingut-Weinkrug aus Rüdesheim mit der Aufschrift „Ich trink den Wein nicht gern allein“, oder die beigen Sammeltassen aus den 60er Jahren oder das altbackene Geschirr „Burgenland“. In den 80er Jahren war Rüdesheim out, die Limbacher fuhren nach Bella Italia und brachten bunt bemalte Krüglein mit Zopfmustergriff und der Aufschrift „Ricordo di Capri“ mit. Heute? Ab ins Sozialkaufhaus. Ich geb’s zu, das Kitschbild mit der betenden Bernadette in der Lourdes-Grotte nahm ich mit. Es hing vielleicht mal irgendwo über einem Kinderbett. Manche Dinge sollte man vielleicht doch nicht weggeben.