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Einkaufen an beiden Enden

Homburg. Wenn es um die Ansiedlung einer Einkaufsgalerie auf dem Enklerplatz in Homburg geht, dann schlagen die Wellen schnell hoch: Bei der jüngsten Stadtratssitzung und auch noch danach wurde ordentlich über die passende Größe gezankt. Und bei der Vorstellung eines Gutachtens und eines weiteren Gegengutachtens gab es dann wieder Diskussionen Von Merkur-Mitarbeiter Ulrike stumm

Homburg. Wenn es um die Ansiedlung einer Einkaufsgalerie auf dem Enklerplatz in Homburg geht, dann schlagen die Wellen schnell hoch: Bei der jüngsten Stadtratssitzung und auch noch danach wurde ordentlich über die passende Größe gezankt. Und bei der Vorstellung eines Gutachtens und eines weiteren Gegengutachtens gab es dann wieder Diskussionen. Homburgs Oberbürgermeister Karlheinz Schöner gibt sich trotz allem gelassen und zielstrebig: Die Einkaufs-Center-Entwicklungs-Gesellschaft, kurz ECE, habe sich unternehmerisch längst entschieden, auf dem Enklerplatz in Homburg eine Einkaufsgalerie zu bauen. "Das ist beschlossene Sache", lautete eine von Schöners Aussagen beim Besuch in der Redaktion unserer Zeitung. Zusätzlich bestärkt sieht er sich durch sein Gespräch mit Alexander Otto, der ECE seit 2000 führt, Anfang Oktober in München bei einer Fachmesse. Otto sei selbst in Homburg gewesen, habe sich Stadt und Standort angeschaut und dann seine Entscheidung gefällt, betonte der OB. Und da gehe es nicht um die Frage, ob Kaiserslautern oder Homburg ECE-Standort werde. In Kaiserslautern plant das Unternehmen bekanntlich ebenfalls eine Einkaufsgalerie, in einem Bürgerentscheid sahen das 66 Prozent positiv. Schöner: "Das hat mich nicht überrascht."Homburgs Shopping-Center soll übrigens deutlich kleiner werden als Kaiserslautern mit 23 000 Quadratmetern Verkaufsfläche. 18 500 Quadratmeter inklusive eines Lebensmittelanbieters seien auf dem Enklerplatz geplant, 90 Millionen Euro möchte ECE investieren. In Homburg gehe es nun darum, belastbares Baurecht zu schaffen, erläuterte er. "Der Investor braucht einen rechtskräftigen Bebauungsplan." Den muss der Stadtrat verabschieden. Es laufe wohl auf eine Sondersitzung hinaus. Ob das noch in diesem Jahr passiert, blieb offen. "Bis zu Beginn der Weihnachtsferien bin ich jeden Tag gewillt, so eine Sitzung einzuberufen", stellte Schöner klar. Was ebenfalls noch ansteht: der Verkauf des Grundstücks. Drei Häuser, die von dem Vorhaben betroffen sind, seien bereits durch notarielle Verträge an ECE verkauft. Springen beim Baurecht alle Ampeln auf Grün, dann können Bauantrag und schließlich die Baugenehmigung folgen. ECE plane derzeit im Herbst 2012 anzufangen und wolle bis Frühjahr 2014 fertig sein, informierte der OB.

Auch das entgegengesetzte Ende der Talstraße, das Gelände des einst hier geplanten, dann aber beerdigten Vauban-Carrées, soll aufgerüstet werden: Er habe, berichtete Schöner, erfolgversprechende Gespräche geführt mit ernst zu nehmenden Investoren. Die Gesamtstärkung der Stadt beschränke sich nämlich nicht nur auf den Enklerplatz. Die Möglichkeit, in einer Stadt neben dem Versorgungs- auch einen Erlebniseinkauf zu machen, sei ein Standortfaktor. Homburg dürfe sich nicht ergeben und zusehen, wie die Menschen in andere Städte einkaufen gehen. Das habe letztlich Professor Joachim Zentes, Direktor des Instituts für Handel & Internationales Marketing an der Saar-Universität, vorgeschlagen, als er sich gegen weitere Shopping-Center im Land aussprach. Homburg, so Schöner, müsse sich vielmehr entsprechend aufstellen: "Unsere Leute sollen hier einkaufen."



Meinung

Auf dem Weg zum Wunschziel

Von Merkur-MitarbeiterinUlrike Stumm

Das wäre natürlich die Wunschlösung für Homburg: ein leistungsfähiges Einkaufszentrum auf dem Enklerplatz und weitere Shoppingmöglichkeiten am Vauban-Carrée. Bei beiden Vorhaben scheint es in großen Schritten voranzugehen: Am Enklerplatz hat der Investor deutlich gemacht, dass er hier bauen möchte. Am anderen Ende der Talstraße wird noch gesucht nach jemandem, der Geld in die Hand nimmt und diesmal wirklich etwas tut. Homburgs Oberbürgermeister jedenfalls treibt beides mächtig nach vorne. Damit zeigt er auch, dass es ihm wirklich um die Innenstadt geht, dass er die Einzelhändler nicht im Stich lässt und die Bedenken der Kritiker ernst nimmt. Schließlich hatten die sich auch dafür stark gemacht, dass an beiden Standorten etwas passiert. Es ist ohnehin besser, gemeinsam zu kämpfen, denn die anderen Städte bringen sich schon in Position: Von einem attraktiven Homburg, das Käufer anlockt und hält, träumen die ganz bestimmt nicht.