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Jahreswechsel in Homburg
Eine Silvesterfeier mit Frühlingsgefühlen

Vom Schlossberg bot sich an Silvester ein großartiger, ungetrübter Blick übers Feuerwerk. Der Himmel war klar, der Regen setzte später ein.
Vom Schlossberg bot sich an Silvester ein großartiger, ungetrübter Blick übers Feuerwerk. Der Himmel war klar, der Regen setzte später ein. FOTO: Sebastian Dingler
Homburg. Impressionen vom Jahreswechsel: An die zehn Grad reichte um Mitternacht das Thermometer am Schlossberg, als das große Feuerwerk in der Stadt begann. Ein junger Mann spazierte gar im T-Shirt über die Straße.

Es gibt Jahreswechsel, an denen gar nichts Besonderes passiert und die aus diesem Grund nicht besonders in Erinnerung bleiben. Dann gibt es solche, an denen viel Schnee liegt, es besonders kalt ist oder ein Eisregen die Fahrbahnen in spiegelglatte Rutschflächen verwandelt. An diesen Silvesterabend  werden sich die Menschen im Saarpfalz-Kreis jedoch als einen Jahreswechsel  ohne jegliches Winterwetter erinnern. An die zehn Grad reichte um Mitternacht das Thermometer am Schlossberg, als das große Feuerwerk in der Stadt begann. Ein junger Mann spazierte gar im T-Shirt über die Straße. Zum Glück machte der vorher angekündigte Regen bis dahin noch Pause, so dass die etwa 300 Besucher optimale Bedingungen vorfanden: Trocken, warm und ungetrübte Sicht auf die Stadt.

Nur nach einer „echten Silvesternacht“ fühlte sich das irgendwie nicht an. Der Homburger Dominik Marx hatte zum ersten Mal zum Jahreswechsel den Weg auf den Schlossberg gefunden. „Wegen der Aussicht lohnt es sich, hier hochzufahren. Das ist super, auch wenn es ein bisschen windig ist“, meinte der 28-Jährige, der sich die „klassischen“ Vorsätze fürs neuen Jahr vorgenommen hat: „Aufhören zu rauchen, abnehmen, mehr Sport treiben“ lauteten diese.

Dem wollte sich Thomas Gisch nicht anschließen. Für ihn war das alte Jahr gut gelaufen, so dass seiner Meinung nach alles wie gehabt weiterlaufen könne. Er war zum ersten Mal seit Kindheitstagen wieder auf dem Schlossberg und meinte: „Das hat sich gelohnt, das macht schon was her hier oben.“ Nach eigener Aussage „glücklich ins neue Jahr reingekommen“ war Günay Bozkurt aus Homburg, der Arm in Arm mit seiner Partnerin auf die Stadt schaute. Auch er war das erste Mal auf dem Schlossberg und lobte die tolle Aussicht.



Die 17-jährige Lara Rimasti und ihre 16-jährige Freundin Anna Lena Keßler meinten ebenfalls, es habe sich gelohnt, nach oben zu kommen. Als Vorsatz fürs neue Jahr hatten beide den Wunsch, etwas Gewicht zu verlieren. Groß feiern wollten die beiden nicht mehr: „Wir gehen jetzt heim und schauen noch einen Film“ lautete der Plan. Teils zu Hause, teils im Bruchhofer Rancher Club, feierte Marianna Russello mit ihren Kindern. Sie wünschte sich „viel Ruhe“ für 2018 und dass „viele Träume in Erfüllung gehen.“ Ihre zehnjährige Tochter Azzurra hatte da einen wesentlich konkreteren Wunsch fürs neue Jahr: „Dass wir nicht mehr so viel aufräumen müssen.“

Azzurras Freundin Nelly, ebenfalls zehn, konnte der Böllerei nichts abgewinnen: „Es müsste 2018 alles verboten werden, das laut ist“, meinte sie. „Ich musste mir die ganze Zeit die Ohren zuhalten und war froh, als das Ganze vorbei war.“ Dagegen war Ernst Hirsch sehr zufrieden mit dem Verlauf des Abends: „Wir sind sehr gut reingekommen, im Kreise der Lieben. Das Wetter war toll, sehr warm und kein Regen, und die Kinder waren lieb.“

In der Homburger Vorstadt war  wieder einmal die Kneipe Mandy’s Lounge in der Kirrberger Straße der Anziehungspunkt für viele Gäste. Als Silvesteressen hatte Wirtin Mandy Trautmann Rippchen mit Sauerkraut und Püree zubereitet. Dem sprachen auch der Kirrberger Arzt und jetzige Karikaturist Peter Hilzensauer und seine Frau Ingeborg zu. Macht man sich im Rentenalter noch gute Vorsätze fürs neue Jahr? „Ach was, das kann man alles vergessen! Zuallererst nehme ich mir überhaupt nichts vor“, meinte der Künstler.

So sah das auch Uwe Glässner, der mit seinem Bruder Karsten und dem Metzger-Ehepaar Scheidhauer ins neue Jahr feierte. „Wir haben das alte Jahr Revue passieren lassen, das war ein phänomenaler Abend. Den lassen wir jetzt bei Mandy ohne Stehleiter ausgleiten.“ Sein Bruder, der in Bayern wohnt und in Tunesien arbeitet, feierte seit vielen Jahren wieder in seiner Heimatstadt Homburg den Jahreswechsel. Neben den Heimatgefühlen war ihm wichtig: „Wir haben nur ganz sparsam Raketen abgeschossen aus Rücksicht auf die Tiere.“ Dass diese unter den Krachern leiden, musste auch die Polizei Homburg erfahren: Zwar sei die Silvesternacht insgesamt ruhig verlaufen, aber drei vermutlich in Panik entlaufene Hunde hätten ins Tierheim gebracht werden müssen.

In Mandy’s Lounge wurde bis in die frühen Morgenstunden ausgiebig zu Disco-Musik getanzt.
In Mandy’s Lounge wurde bis in die frühen Morgenstunden ausgiebig zu Disco-Musik getanzt. FOTO: Sebastian Dingler