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Neues Herz-Verfahren
Eine Herzpumpe, die Wunder wirkt

Professor Hans-Joachim Schäfers, Professor Michael Böhm und Privatdozent Christian Werner (von links) stellen erste Transplantationen von Links-Herz-Unterstützungssystemen und die noch recht neue Herz-Insuffienz-Einheit des Uniklinikums vor.
Professor Hans-Joachim Schäfers, Professor Michael Böhm und Privatdozent Christian Werner (von links) stellen erste Transplantationen von Links-Herz-Unterstützungssystemen und die noch recht neue Herz-Insuffienz-Einheit des Uniklinikums vor. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Am Uniklinikum in Homburg wurde ein neues System vorgestellt, das schwer herzkranken Patienten helfen kann. Von Thorsten Wolf

Das Verhältnis ist eindeutig schlecht: Im Jahr 2016 gab es deutschlandweit knapp 300 Herztransplantationen. Diesen steht eine weitaus größere Zahl an wartenden Patienten gegenüber. Doch kann oft nur eine solche Transplantation Menschen mit einer schweren Herzschwäche (Herzinsuffizienz) retten. Was aber tun, wenn die Zeit für Betroffene abläuft und kein Spenderorgan vorhanden ist? Hier stellte das Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) in Homburg gestern eine besondere, technisch-operative Methode vor.

Das Stichwort ist „Links-Herz-Unterstützungssystem“. Hinter diesem sperrigen Wort steckt im Grundsatz eine Pumpe, die die linke Herzhälfte bei ihrer Leistung unterstützt. Dabei wird die Pumpe selbst im Brustkorb implantiert. Die Kontrolle und die Stromversorgung erfolgen über einen Akku-Satz und ein kleines Steuergerät außerhalb des Körpers. Warum gerade die Linke Herzhälfte? Diese leistet das fünf- bis achtfache an Arbeit im Vergleich zu ihrem rechten Pendant. Anfang Juli wurden die ersten beiden „Links-Herz-Unterstützungssysteme“ (kurz: LVAD) am UKS implantiert. Gestern stellten Professor Michael Böhm, Direktor der Klinik für Innere Medizin III, Professor Hans-Joachim Schäfers, Direktor der Klinik für Thorax- und Herz-Gefäß-Chirurgie, sowie Privatdozent Christian Werner das System vor.

Mit dieser „mechanischen Kreislaufunterstützung“ gelinge es, unmittelbar vom Tod bedrohte Patienten zu behandeln – wenn keine Aussicht auf eine zeitgerechte Transplantation bestehe. Lange habe man hier die technische Entwicklung beobachtet, so Schäfers. „Jetzt sind die Geräte so ausgereift, dass man damit wirklich gut arbeiten kann.“ Damit schließe man in der Behandlung von schwerst erkrankten Patienten eine Lücke. Christian Werner schilderte vor diesem Hintergrund die aktuelle Lage im Bereich Volkskrankheit „Herzschwäche“. Diese sei in Deutschland die dritthäufigste Todesursache. Aktuell litten zwei Millionen Menschen in Deutschland an dieser Erkrankung. Jährlich kämen 300 000 hinzu.



Die nun neu in Homburg angewandte Technik zur Behandlung, darauf wies Werner nachdrücklich hin, sei aber nicht für jeden Betroffenen geeignet. „Das ist ein ganz wichtiger Punkt.“ Grundvoraussetzung sei, dass die Erkrankung sich im Endstadium befinde. Zusätzlich müssten die Patienten eine starke Blutverdünnung vertragen. Ausschluss-Kriterien seien auch schon vorhandene Krankheiten wie Krebs, Demenz oder chronische Infektionen, schwere Funktionsstörungen anderer Organe und das Versagen beider Herzkammern. „Die Behandlung mit diesem System ist nicht sinnvoll bei Patienten mit zu hohem Risiko. Da tut man nichts Gutes, sondern beschleunigt unter Umständen den Krankheits-Prozess.“ Für geeignete Patienten hingegen bedeute der Einsatz eines LVADs hingegen nicht nur eine Rettung, sondern auch eine deutliche Steigerung der Lebensqualität.

Es ging gestern in der Pressekonferenz aber nicht nur um die Vorstellung dieser neuen Behandlungstechnik. Vielmehr präsentierte sich das UKS auch als zertifiziertes, überregionales Herzinsuffienz-Zentrum (Heart Failure Unit, HFU). Hier verdeutlichten sowohl Michael Böhm als Leiter dieses Zentrums, als auch Schäfers und Werner das engmaschige Netz, das die Patienten trage. Dies gestalte sich zum einen durch die starke, interdisziplinäre Verzahnung innerhalb des Universitätsklinikums, als auch durch die Zusammenarbeit mit anderen Krankenhäusern, Hausärzten und niedergelassenen Fachärzten für Herzerkrankungen.

Gefragt, wie es in diesem Behandlungsszenario weitergehen könne, verwies Michael Böhm auf die Stammzellenforschung als Alternative zu mechanischen Lösungen. „Da ist es in den vergangenen fünf Jahren aber zu einem Stillstand gekommen“, schränkte der Mediziner ein. Zudem sei das noch eine echte Vision, die zwischenzeitlich auch Rückschläge habe erfahren müssen. Bis eine solche biologische Lösung tatsächlich im klinischen Alltag verfügbar sei, setze man auf Detailverbesserungen im nun eingesetzten System, so im Bereich der Stromversorgung und der elektronischen Steuerung, ergänzten Schäfers und Werner.