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Ein traumwandlerisch gebotener Beethoven bei den Meisterkonzerten

Homburg. Helmut Fackler

Viele Zuhörer lockten der international renommierte Cellist Steven Isserlis und seine Klavierpartnerin Connie Shih zum Meisterkonzert am Donnerstag in den Saalbau. Der Programm-Einstieg war wenig glücklich: Die D-Dur-Gambensonate von Bach, auf dem Cello mit halber Kraft und auf dem Klavier mit merkwürdigem Verständnis für barocke Stimmführung gespielt, zeigte die Problematik historischer Aufführungspraxis. Dann Debussys Sonate (1915), ein französischer Protest gegen die kriegführenden Deutschen und ihren dumpfen Wagnerianismus. Hier zeigten sich die dynamischen Grenzen des Stradivari-Cellos, dessen leicht gedeckter Ton den Klangkaskaden des Klaviers nicht immer gewachsen war. Trotzdem: eine stimmige Interpretation.

Mit "Lieux retrouvés" sucht der junge britische Komponist Thomas Adés "wiedergefundene" Orte auf. Es scheinen die Kompositionsstile des 20. Jahrhunderts zu sein: Messiaen, Strawinsky, Schostakowitsch. Motorisches, Perkussives wird arbeitsintensiv und sportlich mit-, neben- und gegeneinander abgearbeitet. Isserlis und Shih mussten ihr Leistungsvermögen bis an die Grenzen ausloten. Da hoffte man auf Erholung bei Beethovens A-Dur-Sonate. Doch exaltiertes Stampfen der Pianistin beim Forte schreckte auf, eine weit gespannte Dynamik machte atemlos. Die ausgedehnte Form wurde interpretatorisch intelligent gegliedert, Melodisches ausgekostet. Das temperamentvolle, traumwandlerisch perfekte Zusammenspiel ließ diesen Beethoven zum Erlebnis werden. Was konnte da als Zugabe wirken? Das Gegenteil: eine zuckersüße Cavatine aus Mozarts "La finta giardiniera". Ob Isserlis das Homburger Publikum da unterschätzt hat?