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Ein Tag im Wandel der Zeiten

Seit Januar 2016 ist Ralf Reinstädtler der erste Bevollmächtigte der IG Metall Homburg-Saarpfalz, im Gespräch mit unserer Zeitung zeichnete er vor dem Tag der Arbeit am Sonntag ein Bild der aktuellen Beschäftigungssituation in Homburg. Foto: Thorsten Wolf
Seit Januar 2016 ist Ralf Reinstädtler der erste Bevollmächtigte der IG Metall Homburg-Saarpfalz, im Gespräch mit unserer Zeitung zeichnete er vor dem Tag der Arbeit am Sonntag ein Bild der aktuellen Beschäftigungssituation in Homburg. Foto: Thorsten Wolf FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Arbeitsplatzabbau und Neueinstellungen: In Homburgs Betrieben gibt es beide Perspektiven. Der neue erste Bevollmächtigte der IG Metall Homburg-Saarpfalz, Ralf Reinstädtler, gibt Einblicke in seine Sicht auf den Tag der Arbeit am 1. Mai. Thorsten Wolf

Am kommenden Sonntag ist 1. Mai , der "Tag der Arbeit" - Anlass genug, um einmal nachzufragen, wie es mit "Arbeit" aktuell in Homburg eigentlich aussieht. Antwort darauf gab gestern Ralf Reinstädtler, der erste Bevollmächtigte der IG Metall Homburg-Saarpfalz, im Gespräch mit unserer Zeitung. Reinstädtler skizzierte dabei ein Bild, das für die Beschäftigten gerade in Homburg keine akute Bedrohung in Sachen Arbeitsplatz zeige, Stichwort "betriebsbedingte Kündigungen". Gleichwohl gebe es Probleme. Die beträfen am Standort Homburg aktuell vor allem Bosch und Bosch-Rexroth. Hier zeichne sich ab, dass Stellen auf Sicht nicht mehr nachbesetzt würden. Und auch für die befristet bei den beiden Unternehmen Beschäftigten sehe es nicht wirklich gut aus. Anders die Situation bei Schaeffler, hier nehme er, so Reinstädtler, einen Beschäftigungsausbau wahr. "Wir haben also beide Entwicklungsrichtungen." Gerade mit Blick auf Bosch nannte Reinstädtler die Ansiedlung neuer Unternehmensbereiche mit neuen Produkten in Homburg einen potentiellen Lösungsweg, "die Mitarbeiter dort können mehr als Diesel", so der Gewerkschaftsverantwortliche.

Der kommende Maifeiertag fällt auch mitten in die aktuellen Tarifverhandlungen im Bereich der Metall- und Elektroindustrie. Und da scheinen die Zeichen immer noch auf Sturm zu stehen, "an der Situation hat sich bislang nicht verändert". Eben die Situation beschreibt sich in einer Forderungen der Gewerkschaft nach fünf Prozent Entgelterhöhung und einem Gegenangebot von 0,9 Prozent seitens der Arbeitgeber. Dass dies aus Sicht der Arbeitnehmer schlicht eine Provokation sei, hatten Reinstädtler und Vertreter aus den Betriebsräten von Unternehmen bei einer Pressekonferenz im Bildungszentrum der Arbeitskammer in Kirkel in der vergangenen Wochen mehr als deutlich gemacht (wir berichteten ausführlich).

Um den Forderungen der Gewerkschaft nun Nachdruck zu verleihen, werde man in den kommenden zwei Wochen an insgesamt neun Werktagen 21 Warnstreiks ansetzen. "Den Auftakt macht die Nachtschicht von Bosch am Freitagmorgen." Es folge später am Morgen dann auch die Belegschaft von Terex in Zweibrücken an drei Standorten.



Vor dem Hintergrund der aktuellen Tarifauseinandersetzungen machte Reinstädtler, er ist sei Januar 2016 als Nachfolger von Werner Cappel der erste Bevollmächtigte der IG Metall Homburg-Saarpfalz, aber klar, dass sich der Auftrag der Gewerkschaften in den zurückliegenden 20 Jahren deutlich verändert habe. Es gehe eben nicht mehr einzig darum, die für die Arbeitnehmer Entgelte zu verhandeln. "Wir sind nicht mehr nur eine reine Tarifmaschine." Vielmehr habe die Gewerkschaft in einer sich rasant verändernden Arbeitswelt mehr und mehr die Funktion eines Lotsen. Reinstädtler: "Es ist heute nicht mehr so, dass man dort in Rente geht, wo man seine Ausbildung gemacht hat. Das Arbeitsleben hat heute viele Brüche, es müssen viele Entscheidungen getroffen werden." Da die richtigen Hilfen zu geben, dies sei inzwischen auch eine Aufgabe der Gewerkschaften . Und auch die Arbeit mit den Betriebsräten in den Unternehmen habe sich verändert, es gebe eine deutliches Mehr an Mitbestimmung. "Durch die Veränderungen hat die Bedeutung von Gewerkschaften deutlich zugenommen."

Dies zeige sich auch anhand stabiler Mitgliederzahlen. So seien derzeit im Bereich der IG Metall Homburg-Saarpfalz 15 611 Arbeitnehmer gewerkschaftlich organisiert, dies entspreche in den großen Betrieben einem Organisationsgrad von rund 70 Prozent.