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Gottesdienst zu Mariä Himmelfahrt
Ein Gottesdienst mit viel Resonanz

Mehrere hundert Besucher feierten gestern auf dem historischen Marktplatz einen Gottedienst zu Ehren des Feiertags Mariä Himmelfahrt.
Mehrere hundert Besucher feierten gestern auf dem historischen Marktplatz einen Gottedienst zu Ehren des Feiertags Mariä Himmelfahrt. FOTO: Thorsten Wolf
 Homburg. Der Gottesdienst unter freiem Himmel zum Feiertag „Mariä Himmelfahrt“ auf dem historischen Homburger Marktplatz hat einen Nerv getroffen. Denn viele Menschen suchten angesichts der aktuellen Ereignisse ein tröstendes Wort. Von Thorsten Wolf

(red) In diesen Tagen, in denen Themen wie die Verschmutzung der Weltmeere durch Plastik-Müll und schlimme Unglücke die Nachrichtenlage beherrschen, da mag der gestrige Open-Air-Gottesdienst zum Feiertag „Mariä Himmelfahrt“ auf dem historischen Homburger Marktplatz wie ein kleines Pflaster auf eine nicht ganz so kleine Wunde gewirkt haben.

Nun wird sich mancher fragen, was dieser Feiertag, der in Deutschland nur im Saarland und in Teilen Bayerns begangen wird, mit der Natur und deren Schutz zu tun hat. Die Anwort darauf lieferte der ganze, von Theiss Naturwaren angesichts des 40-jährigen Firmenjubiläums ausgerichtete Morgen in der der Altstadt, denn: In ihren Worten verdeutlichten Pfarrer Stefan Seckinger, Pfarrerin Petra Scheidhauer, Pater Ludger Holtmann und Diakon Ulf Claaßen als Zelebranten des Gottesdienstes die Verbindung von Mariä Himmelfahrt mit dem Wunsch nach einem Leben im Einklang mit der Natur.

„Maria ist für uns das Symbol einer Mutter, wie die Mutter Natur, die das Leben bejaht. Das Leben zu bejahen, die Schöpfung zu pflegen, das ist nicht selbstverständlich. Und darum geht es heute“, führte Stefan Seckinger die mehreren Hundert Besucher in den Gottesdienst ein. Danach gehört der Bühne dann zum ersten Mal an diesem Morgen der Band „Federkeil Music Gospel Power“.



Und kraftvoll und spirituell war schon der Auftakt dieser Formation um den Schlagzeuger Elmar Federkeil, zu hören gab es mehrstimmig den Klassiker „Amazing Grace“. Danach übernahm Petra Scheidhauer das Wort. Sie gab dem Gottesdienst mit einem Blick in die Bibel das Fundament. „Ohne die Bibel würde für uns unsere Welt untergehen. Maria Himmelfahrt ist von je her verbunden verbunden mit der Natur, mit dem Werden und dem Vergehen. Und wie Pfarrer Seckinger eben schon sagte: Es geht um die Schöpfung.“

Die sei gegenwärtig ein sehr aktuelles Thema. „In der Bibel wird man fündig. Im Alten Testament heißt es ‚Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.‘ Am dritten Tag nun sprach Gott: ‚Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringe und fruchtbare Bäume auf Erden, die jeder nach ihrer Art Früchte tragen.“ Die biblischen Worte hingegen, nach denen sich der Mensch die Erde untertan mache solle, würde heute falsch verstanden, so Scheidhauer. „Für damals war das eine sinnvolle Formulierung, aus der aber ziemlich viel Unheil hervorgegangen ist.“

Zu Beginn hätte die Auforderung, sich die Erde untertan zu machen, bedeutet, eben im Einklang mit der Natur zu leben, sei eine Aufforderung gewesen, „sich mit der Natur zu arrangieren. Doch je mehr der Mensch an Erkenntnis gewonnen hat, desto verwerflicher wurde die Sache – wenn dieser Satz wörtlich genommen wird“. Hier sprach Scheidhauer vom „desaströsen Handeln an unserer Schöpfung.“

Vielleicht, so Scheidthauer, wäre es für uns heute viel, viel einfacher und zielführender, wenn wir sagten: „Die Erde ist uns anvertraut. Und wir tragen Verantwortung für sie. Dieses Denken in uns wach zu halten und auch danach zu handeln, das ist mit ein Auftrag, den wir aus der Bibel erkennen können“. Danach wurde es wieder musikalisch stimmungsvoll, Elmar Federkeils Gospel-Formation bewies erneut, welche Kraft in dieser Form kirchlicher Musik steckt. Im Anschluss betete die Gottesdienstgemeinde gemeinsam mit Pater Ludger Holtmann den Psalm 103. Ein wichtiger Bestandteil des Feiertags Mariä Himmelfahrt ist natürlich die Kräuterweihe. Dabei wird der so genannte „Würzwisch“, eine Zusammenstellung von mindestens sieben Kräutern, gesegnet. Der Hintergrund: Mit der Kräuterweihe am 15. August erinnert die katholische Kirche an die legendäre Grabesöffnung Marias. Statt des Leichnams fanden die Apostel dort Rosen und Lilien, vor dem Grab wuchsen die Lieblingskräuter der Gottesmutter. Pfarrer Seckinger brachte diesen Ursprung der Kräuterweihe den Gottesdienstbesuchern noch einmal nahe – und verdeutlichte so auch auf diesem Weg die Nähe des katholischen Hochfestes zur Natur. „Solange wir mit der Natur in Einklang stehen, die Schöpfung bewahren, geht es uns gut.“ Der gestrige Gottesdienst hatte gerade mit der Kräuterweihe noch einen karitativen Hintergrund: So gab es gegen Ende des Morgens gegen Spende Rosmarinbäumchen und Kräutersträuße. Der daraus resultierende Erlös wird dem an Multipler Sulfatase Defizienz erkrankten Jean Paul „Pauli“ Seitz aus Ottweiler zu Gute kommen. Aufgrund seiner Erkrankung kann der Junge weder reden, noch laufen, noch essen. Eine Betreuung rund um die Uhr ist nötig.