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Neue Stadtführung
Ein anderer Blick auf die eigene Stadt

„Über den Dächern von Homburg“ bietet sich für Fans der Homburger Altstadt viel Sehenswertes, die Fassaden der Häuser am historischen Marktplatz liefern viel Stoff für bauhistorische Betrachtungen. Neue Stadtführungen greifen verschiedene Aspekte auf.
„Über den Dächern von Homburg“ bietet sich für Fans der Homburger Altstadt viel Sehenswertes, die Fassaden der Häuser am historischen Marktplatz liefern viel Stoff für bauhistorische Betrachtungen. Neue Stadtführungen greifen verschiedene Aspekte auf. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Seit kurzem werden in Homburg neue Touren angeboten, um die eigene Stadt kennenzulernen. So gibt es neben den klassischen Führungen auch solche für Kinder oder Angebote, die auf Kräuter oder auf die Kriminalgeschichte blicken. Von Ulrike Stumm

Es ist ein verbreitetes Phänomen: Die Stadt, in der man lebt, kennt man was die Geschichte die Sehenswürdigkeiten und die Besonderheiten angeht, oft nicht so besonders gut. Das liegt daran, dass die wenigsten am Wohnort eine Stadtführung mitmachen oder in Reiseführern blättern. Jenseits von Schule oder speziellem historischen Interesse kennt man „zu Hause“ zwar das, was im Alltag zählt, aber weniger das, was hinter der eigenen Stadt steckt.

In Homburg können Einheimische und Touristen die Stadt nun nicht nur klassisch besichtigen, sondern auf ziemlich vielfältige Art und Weise erkunden . Das liegt auch an Susanne Niklas, die im vergangenen Sommer ihr Amt als  Leiterin der Abteilung Kultur und Tourismus bei der Stadt Homburg antrat. Eine ihrer Ideen hat sie jetzt umgesetzt: nämlich die Stadtführungen weiter auszubauen und zusätzliche Angebote zu schaffen neben denen, die es bereits gab. Sie ließ deswegen Stadtführer ausbilden. Denn: Diese seien auch Multiplikatoren für eine Stadt. In der Regel sei das dann ein Selbstläufer, da die Menschen eigene Themen setzten. Sie hat Recht behalten.  27 Frauen und Männer haben ihre  Zulassungsprüfungen bestanden – und sie haben ihre ganz eigenen Touren konzipiert: von der Kriminalstadtführung, über eine Tour, bei der es um die Spuren der Könige Frankreichs, Polens, Bayerns und Preußens geht, bis zum geologischen Ausflug in die Entstehungszeit des Buntsandsteins. Am vergangenen Wochenende beim Keramikmarkt liefen sozusagen die ersten Testläufe, und dies in weiten Teilen sehr erfolgreich, berichtet Susanne Niklas im Gespräch mit unserer Zeitung. Sehr begeistert gewesen seien die Teilnehmer der Führungen hoch auf die Festung. Erstaunlich viele Leute seien dabei gewesen.

Ebenfalls gut angenommen wurde eine Führung für Kinder. Eine der neuen Stadtführerinnen habe zusammen mit Lehrerinnen und Lehrern ein Konzept erarbeitet, um Stadtgeschichte erlebbar zu machen. Etwa indem die Kinder aus Sand eine Burg bauen, eine Stadt errichten, am Fuß des Bergs – so wie das auch mit Homburg einst geschah. Zudem habe sie ein spezielles Heft entwickelt, in dem dargestellt sei, wie die Stadt entstand, wie man dort gelebt habe. Auch die Mütter und Väter, die bei der Führung mit dem Nachwuchs dabei waren, seien begeistert gewesen. Buchen könne man die Tour nun zum Beispiel für Kindergeburtstage oder für Schulklassen, geeignet sei diese für Kinder ab 10 Jahren. Wer Interesse habe, könne sich ans städtische Kulturamt wenden, so Niklas.



Grundsätzlich sind übrigens alle Führungen für Gruppen buchbar, sie werden aber auch an festen Terminen angeboten. Wann es welche Tour gibt, wurde in einem Infoblatt zusammengestellt, das auch online auf der städtischen Internetseite zur Verfügung steht.

Als sie jetzt auf der Tourismusbörse in St. Ingbert gewesen sei, war die Klosterruine Wörschweiler besonders stark nachgefragt, berichtet Niklas. Hier werden nun drei Touren mit unterschiedlichen Schwerpunkten angeboten. Zum einen eine Kräuterführung, bei der über das Klosterleben und die Anwendung der Heilpflanzen berichtet wird. Eine weitere Tour widmet sich dagegen der Klosterbaukunst in Wörschweiler und in einem dritten Angebot steht dann das geistliche Leben der Mönche im Mittelpunkt.

Susanne Niklas will sich selbst nach und nach  die verschiedenen Stadtführungen anschauen, zum Beispiel die Kriminalführung, bei der die düsteren Zeiten in Homburg thematisiert werden, darum, wo man sich früher besser nicht aufhielt und auch darum, welche Methoden es gab, um jemand um die Ecke bringen zu lassen. In einer andere Tour geht es mit der Magd Greta um Sitten, Bräuche und Aberglaube.

Am Ende des Jahres werde ein Resümee gezogen: Was läuft gut? Wo muss nachgefasst werden? Etliche Themen entwickelten sich noch, sagt Niklas.

Wer übrigens spontan Lust hat, die Stadt zu erkunden, kann das sonntagnachmittags tun: nach dem Kaffee vor dem Abendessen. Treffpunkt ist um 16.30 Uhr am Brunnen auf dem Marktplatz. Teilnehmen kann man ohne Anmeldung. Geleitet werde die Tour von unterschiedlichen Stadtführern im Wechsel. Sie finde auch dann statt, wenn nur drei bis vier Leute Interesse haben, so Niklas. Los geht’s am 1. April – eine gute Gelegenheit also für einen etwas anderen Osterspaziergang.