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Durchsuchung in der HNO-Klinik
Neuer Verdacht auf Missbrauch an Uniklinik

 Die Fahnder beschlagnahmten in der HNO-Klinik in Homburg zahlreiche Akten. Symbolfoto: dpa
Die Fahnder beschlagnahmten in der HNO-Klinik in Homburg zahlreiche Akten. Symbolfoto: dpa FOTO: dpa / Johannes Schmitt-Tegge
Homburg. Ein Richter hat eine Durchsuchung in der HNO-Klinik in Homburg angeordnet. Fahnder beschlagnahmten Akten von drei Kindern. Von Michael Jungmann

In der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten (HNO) am Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) in Homburg gibt es neue Verdachtsfälle auf Kindesmissbrauch. Dennis Zahedi, Sprecher der Staatsanwaltschaft Saarbrücken, bestätigte Informationen unserer Zeitung. Bereits vorige Woche war der mögliche Missbrauch einer Sechsjährigen im Bereich der OP-Zone bekannt geworden. Die Polizei kam am Mittwoch zu einer Durchsuchung in die HNO-Klinik in Homburg. Zudem wurde bei einer nicht näher bezeichneten Klinik in Rheinland-Pfalz durchsucht. Dort sollen Patientenakten gelagert gewesen sein.

Hintergrund ist der Fall eines Mädchens, das 2012 in der HNO-Klinik operiert wurde. Nach dem Eingriff fiel einem Mediziner eine frische, blutende Verletzung des Kindes im Intimbereich auf. Die Unterhose, die das Kind bis zur OP trug, wies allerdings keine Blutspuren auf. Die Ärzte riefen sofort eine Rechtsmedizinerin und eine Kinderärztin zur Begutachtung. Nach unseren Informationen wurde die Verletzung als verdächtig auf äußere Gewalteinwirkung eingestuft. Klinik-Verantwortliche erstatteten damals aber keine Strafanzeige und rieten angeblich auch den Eltern, die erst Tage später informiert worden sein sollen, davon ab. Erst im Zusammenhang mit den mutmaßlichen Vorfällen in der Spezialambulanz der Kinder- und Jugendpsychiatrie, die in diesem Sommer bekannt wurden, meldete sich die Mutter bei der Polizei und schaltete Opferanwältin Claudia Willger ein.

Nach der Berichterstattung über diesen Fall meldeten sich die Eltern eines 2014 in der Homburger HNO-Klinik operierten Jungen bei den Ermittlern. Zahedi: „Die Kindesmutter stellte nach der Operation im Aufwachraum eine blutende Wunde im Afterbereich fest, als sie dem Kind ein Zäpfchen verabreichen wollte.“ Auch in diesem Fall wurden jetzt Patientenakten beschlagnahmt.



Laut Staatsanwaltschaft stießen die Ermittler bei der Durchsuchung auf einen möglichen dritten Missbrauchsfall. Deshalb wurde noch während der Durchsuchungen ein weiterer richterlicher Beschluss beantragt und vollstreckt. Sichergestellt wurde, so Zahedi, „umfangreiches Beweismaterial“ wie Patientenakten und E-Mail-Verkehr. Weitere Angaben lehnte die Staatsanwaltschaft ab.

Der SPD-Abgeordnete Jürgen Renner plädierte dafür, den Auftrag des bereits eingesetzten Untersuchungsausschusses um diese Vorfälle zu erweitern. Henrik Eitel (CDU), Chef der Saar-Staatskanzlei und des UKS-Aufsichtsrates, forderte ein neues Leitbild zum Umgang mit Verdachtsfällen an der Uniklinik. Dabei müssten Transparenz und Aufklärung gewährleistet sein. Eitel kündigte eine Sondersitzung des Aufsichtsrates an. Zudem lud die Staatskanzlei für Donnerstag den Vorstand des UKS und den Leiter der HNO-Klinik ein, um die aktuelle Sachlage zu erörtern.