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Drei Tage Teddyklinik im Saalbau

 Matthias Stöckle, „Teddyologe“, kümmert sich auf diesem Archivfoto, das eine frühere Veranstaltung zeigt, um den gelben Vogel des kleinen Thomas. Foto: simmet/pm
Matthias Stöckle, „Teddyologe“, kümmert sich auf diesem Archivfoto, das eine frühere Veranstaltung zeigt, um den gelben Vogel des kleinen Thomas. Foto: simmet/pm FOTO: simmet/pm
Homburg. Von heute an bis Samstag ist wieder das Homburger Saalbau-Lazarett geöffnet. Ob Husten oder Bauchweh: Kinder können ihre Plüschtiere bringen. 150 Medizinstudenten kümmern sich um alle „Wehwehchen“. Christine Maack

Es gibt Momente, in denen das Medizin-Studium Spaß machen kann. Zum Beispiel, wenn man schon im dritten oder vierten Semester einen richtigen Arzt oder eine richtig engagierte Fachärztin spielen darf und auch noch ganz respektvoll dabei angeschaut wird. Das ist der Fall bei der Teddyklinik - einer Aktion, die an fast allen deutschen Unikliniken stattfindet und sich größter Beliebtheit auf beiden Seiten erfreut, bei Kindern ebenso wie bei Studenten .

Anatomisch bringt's für die Studenten natürlich nichts, zumal der Körperbau von Puppe Lotta oder Eisbär Lars mit der medizinischen Wirklichkeit wenig zu tun hat. Oder, wie es eine der beiden Organisatorinnen, Ann-Kathrin Asen, ausdrückt: "Mit dem Ultraschall kann man beim Teddy nicht wirklich was erkennen."

Dafür um so mehr bei den Kindern, weshalb die auch mal per Gerät ihr Herz pochen sehen dürfen. Dennoch: Das Hauptaugenmerk liegt nicht auf den Kindern, sondern auf den Kuscheltieren, bei deren Behandlung die Kinder eingeladen sind, mitzuhelfen, damit ihnen der Umgang mit Pflaster, Mullbinde und OP-Liege ein bisschen vertraut wird. Denn die Teddyklinik-Aktion hat in erster Linie einen pädagogischen Sinn: Kinder sollen bei der Aktion die Angst verlieren, vor weißen Kitteln, Krankenhäusern, Spritzen, Impfungen und Krankenwagen. Außerdem können Kinder beim Vorstellen ihrer kranken Plüschtiere eigene Ängste abbauen. Auf die Frage "Was hat denn dein Teddy?" werden von den Kindern oft eigene Erfahrungen verarbeitet. Dann hat Teddy stellvertretend Bauchweh , ein gebrochenes Bein, eine Halsentzündung, Husten oder Fieber.



Manchmal sind aber auch Krebs oder Herzinfarkt dabei. In einem solchen Fall fragen die Medizinstudenten nach, wie das Kind ausgerechnet auf diese Krankheiten kommt, und erfahren dann, dass es meist einen solchen Fall innerhalb der Familie gab, der die Kinder belastet hat - auch wenn es die Erwachsenen womöglich gar nicht bemerkt haben.

So dient die Teddyklinik auch dazu, den Kindern beim Verarbeiten von Krankheiten zu helfen. "Und uns Studenten bringt es auch was, denn wir lernen dabei, auf die kleinen Patienten einzugehen und zu verstehen, was uns Kinder sagen wollen, auch wenn sie es noch nicht so gut ausdrücken können," erklärt Ann-Kathrin.

Für sie ist es die fünfte Teddyklinik, "es wird Zeit, dass Jüngere nachkommen". Ihre Mitorganisatorin Diana Niebl ist schon dabei, sie steht erst am Anfang ihres Studiums.

Heute um 8 Uhr geht's los, die Teddyklinik ist bis Samstag im Saalbau untergebracht. Wie in einer richtigen Klinik, kommen die kranken Plüschtiere erst mal in die Patientenaufnahme und werden dann, je nach Schweregrad der Erkrankung, in die einzelnen Abteilungen weitergeleitet - bis in den OP-Bereich. 150 Medizinstudenten machen bei der Aktion mit, "weil es so viel Spaß macht", sagt Ann-Kathrin. Alle Kinder im Alter von drei bis acht Jahren sind eingeladen, in das Saalbau-Lazarett zu kommen. Es gibt einen echten OP-Tisch mit OP-Besteck und einen Kasten, der Röntgenbilder erstellt - natürlich ohne echte Strahlung. Die Behandlung der Schmusetiere ist kostenlos.

Zum Thema:

Auf einen Blick Am heutigen Donnerstag, 28. April, öffnet die Teddyklinik um 8 Uhr ihre Türen im Saalbau. Heute und am Freitag sind für die Kita- und Grundschulkinder zwischen 8 und 14 Uhr schon alle Termine ausgebucht. Aber von 15 bis 17 Uhr können alle Kinder kommen. Auch der Samstag von 9.30 bis 13.30 ist für alle Kinder offen. Am Freitag um 10 Uhr hat sich auch OB Schneidewind angekündigt. Ob mit oder ohne Teddy, ist nicht bekannt. maa

 Medizinstudentin Sevim Tuglaci zeigte dem fünfjährigen Nicolas in der Teddyklinik, dass Spritzen nicht weh tun und wie sie helfen können, wenn man krank ist. Foto: Markus Hagen
Medizinstudentin Sevim Tuglaci zeigte dem fünfjährigen Nicolas in der Teddyklinik, dass Spritzen nicht weh tun und wie sie helfen können, wenn man krank ist. Foto: Markus Hagen FOTO: Markus Hagen