| 20:31 Uhr

3042 Polizisten bei zehn Derbys
FCS gegen FCH: Zehn Spiele kosten 1,2 Millionen

Saarderby - 1. FC Saarbrücken gegen FC Homburg
Saarderby - 1. FC Saarbrücken gegen FC Homburg FOTO: SZ / Müller, Astrid
Homburg/Saarbrücken. 3042 Polizisten waren bei den vergangenen zehn Risiko-Spielen der Saarbrücker gegen den Erzrivalen aus Homburg im Einsatz. Von Marcus Kalmes

Die Zahlen zu den letzten zehn Saarderbys zwischen dem 1. FC Saarbrücken und dem FC Homburg sind beeindruckend. Diese zehn Duelle haben den Steuerzahler 1 198 120 Euro gekostet. 3042 Polizisten aus dem Saarland, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen waren vor, während und nach diesen Fußballspielen 19 976 Stunden im Einsatz. Sie konnten nicht verhindern, dass es bei Ausschreitungen zwischen den Fanlagern und beim Einsatz von Pyrotechnik 30 Verletzte gab: elf Polizisten, zehn Randalierer und neun Unbeteiligte.

An diesem Samstag, 17. November, treffen die Erzrivalen erneut aufeinander. Der FCS erwartet um 14.15 Uhr im Saarlandpokal-Achtelfinale den FCH im Völklinger Hermann-Neuberger-Stadion. Es wird wieder ein sogenanntes Rot-Spiel, also ein Risiko-Spiel, sein. „Wir erwarten aber in Völklingen keine Eskalation“, sagt Polizei-Oberrat Eric Schweizer. Frank Schmelczyrsch, Leiter der Fachdienststelle Sport und Gewalt beim Landespolizeipräsidium, rechnet zwar auf FCS-Seite mit bis zu 240 und auf FCH-Seite mit bis zu 75 gewaltbereiten Fans. Und beide erklären, dass es zu Störungen kommen werde, wenn Problemfans die Gelegenheit für Randale hätten. Aber die Polizei sei gewappnet.

Im Rahmen der vergangenen zehn Duelle zwischen dem FCS und dem FCH sind 80 Strafverfahren eingeleitet worden – wegen Körperverletzung, Bedrohung, Beleidigung, Land- und Hausfriedensbruch, Verstoß gegen das Sprengstoff- oder das Betäubungsmittel-Gesetz, Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Widerstand oder Sachbeschädigung. Das geht aus einer Anfrage unserer Zeitung an das Innenministerium hervor. Den 80 Strafverfahren stehen drei Stadionverbote gegenüber. Die Polizei übermittelt Erkenntnisse an die Vereine. Für das Aussprechen von Stadionverboten sind die Clubs zuständig.



Die meisten Verletzten gab es bei den letzten beiden Spielen in Homburg. Der FCS gewann im Wald­stadion am 14. März im Viertelfinale des Saarlandpokals mit 2:1. Das Regionalliga-Spiel am 29. September verlor er mit 1:2. Im März gab es vier verletzte Polizisten. Elf Strafverfahren wurden eingeleitet. Die Partie begann mit Verspätung und stand in Halbzeit zwei vor dem Abbruch, weil in der FCS-Kurve Pyrotechnik in großem Stil abgebrannt wurde. Zudem flogen von dort aus Leuchtraketen auf das Spielfeld und die Gegengerade. Im September wurden fünf Randalierer, vier Polizisten und eine unbeteiligte Person verletzt. Es wurden 18 Strafverfahren eingeleitet.

Die Eskalation der Gewalt hat Schmelczyrsch nicht überrascht. Aber der massive Einsatz von Pyrotechnik beim Pokalspiel. Er sagt: „Das hat man in der Art bei FCS-Anhängern noch nicht gesehen.“ Schweizer ergänzt: „Dagegen sind die FCS-Anhänger in Völklingen aus unserer Sicht eher moderat.“ Im Hermann-Neuberger-Stadion habe es von Saarbrücker Seite noch keinen nennenswerten Einsatz von Pyrotechnik gegeben. Eher von Seiten von Gäste-Fans – zum Beispiel von 1860 München oder Eintracht Trier.

Bei den letzten beiden Derbys in Homburg hat es zudem in der Stadt und auf dem Weg zu und vom Stadion massive Auseinandersetzungen zwischen Fans gegeben. FCH-Randalierer hatten bei ihren Heimspielen „Unterstützung“ von außerhalb – etwa von Fans von 1899 Hoffenheim. Trotzdem seien sie vom Potenzial her den Saarbrückern, die in der Regel aus Nancy und Salzburg „Hilfe“ bekommen, um ein Vielfaches unterlegen.

Racheakte für die Vorkommnisse in Homburg erwartet die Polizei nicht. „Das Derby ist von Tradition geprägt. Es geht darum, wer die Nummer eins im Land ist. Und Fußballfans verteidigen ihre Stadt“, erklärt Schmelczyrsch. In Völklingen spiele aber eine Rolle, dass FCS-Fans das Hermann-Neuberger-Stadion anders als das im Umbau befindliche Ludwigspark-Stadion nicht als ihre Heimat akzeptieren. „In der Heimatstadt wird ein gegnerischer Fan als Provokation angesehen. Da läuft keiner mit einem gegnerischen Trikot durchs eigene Wohnzimmer“, erklärt Schweizer: „Aber in Völklingen gab es noch keine Störungen, die an Vorkomnisse wie in Saarbrücken oder Homburg rankommen.“ Die bisher zwei Aufeinandertreffen zwischen FCS und FCH in Völklingen seien „relativ ruhig verlaufen“.

Am Samstag werden etwa 4000 Zuschauer erwartet. „Bis zu 100 Homburger kommen per Zug“, sagt Schmelczyrsch. Es werde keinen Fanmarsch vom Bahnhof zum Stadion mit Straßensperrungen geben. Die Polizei werde die Gruppe eskortieren. „Ansprachen im Vorfeld an potenzielle Störer beider Seiten sind erfolgt“, erklärt Schweizer. Wobei bei solchen Traditionsduellen auch „Leute kommen, deren Gesicht man nur einmal im Jahr im Stadion sieht“, sagt Schmelczyrsch. Einsatzleiter Schweizer versichert: „Bei erkannten Straftätern fahren wir am Spieltag eine klare Linie.“ Das heißt Ansprache, gegebenenfalls Platzverweis, falls nötig Ingewahrsamnahme.

Trotz aller Rivalität und Gewaltbereitschaft auf beiden Seiten rechnet Schweizer in Völklingen nur mit größeren Problemen, „wenn der FCS verlieren sollte“.

Das Derby zwischen dem 1. FC Saarbrücken und dem FCH elektrisiert die Fans – mit negativen Auswirkungen wie beim Pokalspiel am 14. März in Homburg. Es stand aufgrund von Pyrotechnik im FCS-Block vor dem Abbruch.
Das Derby zwischen dem 1. FC Saarbrücken und dem FCH elektrisiert die Fans – mit negativen Auswirkungen wie beim Pokalspiel am 14. März in Homburg. Es stand aufgrund von Pyrotechnik im FCS-Block vor dem Abbruch. FOTO: Andreas Schlichter