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Nepal-Hilfe
Die neue Schulkantine steht schon

Wo einst in dem nepalesischen Ort Katunje eine Schule stand, ist nach dem Erdbeben nur noch ein Trümmerfeld. Der Aufbau gelingt mit Spenden.
Wo einst in dem nepalesischen Ort Katunje eine Schule stand, ist nach dem Erdbeben nur noch ein Trümmerfeld. Der Aufbau gelingt mit Spenden. FOTO: Özbek
Homburg/Katunje . Irene Özbek und Hubert Pirrung vom Rotary Club Homburg-Saarpfalz sorgen dafür, dass mit Spenden eine Schule im Nepal wieder funktioniert. Von Christine Maack

Als Irene Özbek zum ersten Mal nach Nepal aufbrach, wollte sie mit ihrer Tochter eigentlich nur eine Trekking-Tour im Hochland des Langtang-Nationalparks machen. Das war vor zwei Jahren. Dass inzwischen ein Hilfsprojekt daraus geworden ist, in dessen Folge sogar schon eine Schulkantine errichtet werden konnte, ahnte die Homburgerin damals noch nicht.

Wie so vieles in Nepal, ging auch diese Aktion indirekt auf das Ehepaar Klaus und Anne Hessenauer zurück, das seit 1997 unzählige Male in verschiedenen Regionen im Nepal unterwegs war und weit über den Saarpfalz-Kreis hinaus bekannt ist. Durch ihre Bildervorträge unterstützen die Hessenauers die Arbeit des Vereins „Kinderhaus Kathmandu“. Der deutsche Trägerverein betreibt zwei Kinderhäuser und mehrere Schulen am Rande der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu, aber auch in unterentwickelten ländlichen Regionen.

Das Ehepaar Hessenauer hatte Irene Özbek für die geplante Nepal-Tour einen hervorragenden Bergführer empfohlen, der obendrein perfekt Deutsch sprach. Und wie es so ist, wenn man den ganzen Tag zusammen wandert, erzählte der Bergführer auch mal etwas Privates – von seinem Dorf in den Bergen, dessen Schule vom Erdbeben komplett verschüttet worden war, von den Schwierigkeiten des Wiederaufbaus, von seinen Kindern.



„Und da kam mir die Idee, ob wir da vielleicht irgendwie helfen könnten“, sagte Irene Özbek anlässlich eines Besuchs in unserer Redaktion. Zumal sie Mitglied im Rotary Club Homburg-Saarpfalz ist und damit Zugang zu Strukturen hat, die eine professionelle Hilfe gewährleisten können, die eine Einzelperson niemals stemmen könnte. Denn helfen klingt schön, macht aber viel Arbeit und ist auch vom guten Willen des Empfängerlandes abhängig, zum Beispiel von Zollbestimmungen. Aber dazu später.

Zunächst einmal lud Hari Gautam, so der Name des Bergführers, die beiden Homburgerinnen in sein Dorf Katunje ein, das im Osten Nepals mitten in den Bergen liegt. „Obwohl das Erdbeben schon länger her ist, waren noch viele Gebäude zerstört. Aber man konnte sofort sehen, dass es sich um ein intaktes Dorf  mit guter Nachbarschaft handelte, dem man unter die Arme greifen musste.“ Und so beschloss Irene Özbek, dort zu helfen, wo es sinnvoll erschien, „denn es gab schon ein Hilfsprojekt für eine Schule, an das wir andocken konnten.“ Tatsächlich war  das Hauptgebäude der Schule „Pragati Kiran English Secondary School“ in Katunje mit Hilfsgeldern bereits wieder aufgebaut worden. Hauptsponsor des Aufbaus war  Egon Rieger, zunächst mit Hilfe des Rotary Clubs Heidenheim-Giengen, dann mit einer eigenen Stiftung, die auch vom Deutschen Alpenverein unterstützt wird. Was noch dringend benötigt wurde, war die Schulkantine, „denn die Schulen in Nepal sind Ganztagsschulen, da es für die meisten Kinder unmöglich ist, mittags mal eben nach Hause zu gehen“. Und für die wollte Irene Özbek nun aktiv werden. „Im April 2017 wurde die Grundsteinlegung der Kantine vorgenommen. Dieses Gebäude wurde mit 6000 Euro aus dem Erlös meines Geburtstagsfestes, mit 2000 Euro vom RotaryClub Homburg-Saarpfalz und 1000 Euro von dessen französischem Partnerclub TVV Paris gespendet“, erklärte sie bei ihrem Besuch. Insgesamt seien also 9000 Euro über den Rotary Club Homburg-Saarpfalz an die Schule geflossen. Weitere 5000 Euro wurden vom Deutschen Alpenverein dazugegeben.

Die Einweihung der neuen Kantine fand vor einem halben Jahr statt, diesmal in Begleitung von Hubert Pirrung, dem derzeitigen Präsidenten des Rotary Clubs Homburg-Saarpfalz. „Das Projekt hat mich total überzeugt“, betonte Pirrung, ebenfalls Gast in unserer Redaktion. Er ist „unter abenteuerlichen Umständen“ zur Einweihung nach Nepal geflogen und möchte das Projekt auf alle Fälle weiterführen: „Was jetzt fehlt, ist die Ausstattung.“ Vor allem für den naturwissenschaftlichen Unterricht ist nichts vorhanden, 30 Computer sind geplant, zehn sind auf Irene Özbeks Vermittlung hin schon da.

In der neuen Schulkantine wird derzeit auf dem Boden gekocht. Hubert Pirrung, der ein Catering-Unternehmen im Saarpfalz-Kreis betreibt, hat zwar eine komplette Kücheneinrichtung aus Edelstahl zur Verfügung, „die haben wir ausgebaut und durch eine neue ersetzt, die könnte man wunderbar dort gebrauchen, aber in der Praxis ist das unmöglich, denn ein teurer Container mit dem Küchenblock müsste bis Katunje transportiert werden, noch dazu mit den zu erwartenden Schwierigkeiten beim Zoll“, so Hubert Pirrung.

Also hat er davon erst einmal Abstand genommen. An Ideen mangelt es Özbek und Pirrung dennoch nicht. Zum Beispiel für Schülerpartenschaften, die schon angelaufen sind. „Im Rahmen der Einweihungszeremonie fürs Haupthaus und die Schulmensa habe ich die gesammelten Spenden, das waren 1700 Euro in bar, dem Direktor für die Patenschaften übergeben“, so Pirrung. Pro Schüler beläuft sich eine Patenschaft auf 125 Euro pro Jahr. Gespendet hat das Geld auch der Rotary Club Homburg- Saarpfalz.

Und noch ein Anliegen hatten die beiden Gäste in unserer Redaktion: „Was nützt eine Schule, wenn  Lehrer fehlen?“, fragte Irene Özbek. Denn in einer etwas abgelegenen Kleinstadt wie Katunje müsse man schon etwas bieten, damit Lehrer auch dorthin zögen. Deshalb denken Özbek und Pirrung an ein eigenes Wohngebäude und eine Kantine für das Lehrpersonal, das man neben der Schule errichten könnte. „Wenn wir einen Spendenbetrag von 10 000 Euro zusammenbekämen, gibt die weltweite Rotary-Hilfsorganistaion „Global Grants“ noch einmal das Doppelte hinzu, dann hätten wir das Gebäude“, überlegt Pirrung.

Er will im Frühjahr 2019 auf alle Fälle wieder nach Katunje, „weil mir die Leute ans Herz gewachsen sind und weil ich sehen möchte, was aus unseren Spenden geworden ist“. Irene Özbek weiß es noch nicht. Bei ihrem letzten Besuch im Februar haben die Homburger auch viele Bäume gepflanzt: „Mangos, Feigen, Avocados.“ Nun will Pirrung wissen, ob sie gut angewachsen sind: „Es hat in der Region seit Monaten nicht mehr geregnet.“ Die Schneegrenze sei deutlich nach oben gewandert, „alles darunter ist kahl und braun, es fehlt das Wasser“. Dennoch wird er seine Wanderstiefel schnüren und den Aufenthalt nutzen, „um auch ein paar Tage die großartige Landschaft zu erkunden“.

Nach der Einweihungszeremonie in Katunje: Irene Özbek aus Homburg (rechts mit der Blütenkette). Im Hintergrund die neue Schulkantine, die mit Spenden aus Homburg erbaut wurde.
Nach der Einweihungszeremonie in Katunje: Irene Özbek aus Homburg (rechts mit der Blütenkette). Im Hintergrund die neue Schulkantine, die mit Spenden aus Homburg erbaut wurde. FOTO: Özbek
Zu Gast in der Redaktion: (v. l.) Hubert Pirrung, Präsident des Rotary Clubs Homburg-Saarpfalz, Irene Özbek, Christopher Naumann, Clubsekretär.
Zu Gast in der Redaktion: (v. l.) Hubert Pirrung, Präsident des Rotary Clubs Homburg-Saarpfalz, Irene Özbek, Christopher Naumann, Clubsekretär. FOTO: Maack