| 20:40 Uhr

Merburg
Die Merburg-Ruine bleibt gesperrt

Im März dieses Jahres brachen Brocken aus dem Fundament-Felsen der Kirrberger Merburg, die Anlage wurde daraufhin gesperrt. Nun scheint es so, als werde diese Sperrung zu einer Dauerlösung.
Im März dieses Jahres brachen Brocken aus dem Fundament-Felsen der Kirrberger Merburg, die Anlage wurde daraufhin gesperrt. Nun scheint es so, als werde diese Sperrung zu einer Dauerlösung. FOTO: Thorsten Wolf
 Kirrberg. Die Stadt Homburg macht klar: Eine Sanierung der Burgruine in Kirrberg ist wohl nicht möglich. Sicherheit geht vor.

Es war im Frühjahr dieses Jahres, als der Zahn der Zeit sich in der Merburg verbiss. Und das mit einigem „Erfolg“: Brocken des so genannten Mala-Felsens, dem Fundament der Anlage, brachen heraus. Die Stadt als Träger der Verkehrssicherungspflicht musste das Gelände der Burg rundherum absperren (wir berichteten ausführlich). Und schon als unsere Zeitung damals nach der Perspektive der Burg in Sachen Sanierung bei der Stadtverwaltung nachgefragt hatte, hörte sich die Einschätzung von Pressesprecher Jürgen Kruthoff nicht wirklich positiv an. „Es zeigt sich schon jetzt, dass eine Sanierung aus technischen Gründen unter Umständen nicht oder kaum möglich sein wird oder auch so auch hohe Summen notwendig sein könnten, um die Merburg ganz oder teilweise zu sanieren oder abzusichern.“ So müsse man sich, auch vor dem Hintergrund der knappen Haushaltslage durchaus auf eine längere Zeit einstellen, in der die Merburg aus Sicherheitsgründen abgesperrt bleiben müsse, wie Kruthoff im April 2018 verdeutlichte.

Klarheit sollte im Mai ein Vor-Ort-Termin mit Fachleuten der Universität Karlsruhe, genauer vom Institut für angewandte Geowissenschaften des Karlsruher Institut für Technologie, bringen. Kruthoff: „Schon bei dieser Begehung wurde ersichtlich, dass nicht die bescheidenen Reste der Burganlage das Problem sind, sondern der Fels und die ‚geologische Formation‘ das Problem darstellen.“ Die Einschätzung laut Kruthoff: „Diese Gegebenheiten im Fels zu sanieren oder zu sichern, ist ein Unterfangen, das nicht möglich ist.“ Im Klartext: Die Burgruine bleibt wohl auf Dauer gesperrt, die provisorischen Absicherungsmaßnahmen sollen professionalisiert werden. „Es soll ein Zaun aufgestellt werden, der den jetzigen Bauzaun ersetzen wird. Dies kann Klaus Kell als zuständiger Amtsleiter bereits jetzt nach dem Vor-Ort-Termin sagen, auch wenn ihm das abschließende Gutachten aus Karlsruhe noch nicht vorliegt“, so Kruthoff. „Der Sicherheitsabstand vom Fels ist dabei der wesentliche Aspekt, der zur Vermeidung von Gefahren eingehalten werden muss und der auch jetzt schon gewährleistet wird.“

Grundsätzlich warte die Stadtverwaltung Homburg, wie Kruthoff miteilte, noch das schriftliche Gutachten ab. „Aber generell lässt sich schon jetzt vermuten, dass eine Sanierung nicht möglich sein und die Stadt nicht umhinkommen wird, den Bau einer geeigneteren Zaunanlage planen zu müssen.“ Mit dieser Entscheidung, von Kruthoff gleichwohl noch jetzt mit einem leichten Konjunktiv versehen, verliert Kirrberg am Eingang zum malerischen Lambsbachtal wohl eine wichtige historische Ortsmarke, die Merburg wird dann auf Sicht zur reinen Kulisse „degradiert“.



Kirrbergs Ortsvorsteher Manuel Diehl, der erst gestern im Gespräch mit unserer Zeitung von der ziemlich sicher im Raum stehenden „Nicht-Sanierung“ erfuhr, zeigte sich entsprechend entäuscht – entäuscht von der Entwicklung und entäuscht darüber, dass ihn die Stadt nicht über die aktuelle Entwicklung in Kentnis gesetzt hatte. „Es scheint inzwischen gute Sitte, dass die Stadtverwaltung die Ortsvorsteher erst informiert, wenn das Kind schon im Brunnen liegt.“ Ebenso wie die Stadt warte er nun auf das schriftliche Gutachten. Dann, so Diehl, werde sich herausstellen, ob es die zu erwartenden Kosten oder die Situation des Felsen sei, die ein Sanierung augenscheinlich unmöglich mache. Gegenwärtig, verdeutlichte der Ortsvorsteher, nehme er die Situation aber so nicht hin. So könne es am Ende nicht die Lösung sein, einfach einen Zaun zu bauen und die Anlage verwildern zu lassen. „Wir werden das Thema nun in den Ortsrat bringen.“ Die jetzt eintretende Situation nannte Diehl „schlecht für Kirrberg und schlecht für Homburg. Denn die Merburg ist die Mutterburg der Stadt.“

Die wohl schon jetzt getroffene Entscheidung, die Merburg auf Dauer für den Besucherverkehr zu sperren, trifft die Stadt in einer Zeit, in der klar wird, dass sich Tourismus zunehmend zu einem harten Wirtschaftsfaktor in Homburg entwickeln soll und muss. Und gerade Kirrberg und das Lambsbachtal haben da wohl jetzt das Nachsehen.

(thw)