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Wochenkolumne
Die Italiener fehlen im Turnier

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Am Sonntag ist ja nun endlich das Endspiel der Fußballweltmeisterschaft. Abgesehen davon, dass „Die Mannschaft“ ziemlich früh die Heimreise antreten durfte, fehlten diesmal auch die Garanten für Drama, Schauspiel, Gouda und Mozzarella. Von Christine Maack

Kurzum, ich vermisste die Italiener und die Holländer. Bei diesen Traditions-Gegnern der Mannschaft ging immer so wunderbar die Post ab. Meine erste Kindheits-Fußballerinnerung ist 1974 das Endspiel gegen Holland, als Uli Hoeneß einen Elfmeter verursachte, den Johan Neeskens auch noch verwandelte. Damals beschloss ich, niemals mehr ein Stück Gouda und keine wässrige Tomate mehr zu essen. Obwohl die Deutschen dann doch Weltmeister wurden. Im Halbfinale 2006 gegen die Italiener war ich etwas älter und wollte nicht mehr auf Spaghetti Vongole oder Semifreddo verzichten. Damit mir Materazzi und Fabio Grosso nicht mehr so irre auf die Nerven gingen, erfand ich zur Beruhigung ein Spiel, während die Azzurri voller Inbrunst ihre Hymne brüllten. Ich stellte mir vor, was wohl vor 2000 Jahren gewesen wäre. Totti, der Ur-Römer vom AS Rom, hätte die Prätorianergarde angeführt, ganz klar. Schon wegen der stahlblauen Augen. Grosso und Materazzi wären berühmte Gladiatoren in Capua gewesen, Cannavaro mindestens Centurio, Luca Toni der Mundschenk der Kaiserin. Schade, dass dieses Spielchen diesmal leider ausfiel. Da bleibt zum Trost am Endspiel-Tag nur ein historischer Ausflug in die gallo-römische Provinz, zum Mundschenk Capitolinus nach Schwarzenacker.