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Neue Wege
„Wir hamstern nicht, wir ackern!“

 Die Limbacher Initiative Solidarische Landwirtschaft hält zuammen – unser Bild entstand vor dem „Versammlungsverbot“ wegen der Corona-Krise. Im Bild: Astrid Hilt (von links), Lea Nägle, Bärbel Hock und Rouven Hock mit ihren Kindern, Andrea Molter-Nägle und Axel Kammerer. 
Die Limbacher Initiative Solidarische Landwirtschaft hält zuammen – unser Bild entstand vor dem „Versammlungsverbot“ wegen der Corona-Krise. Im Bild: Astrid Hilt (von links), Lea Nägle, Bärbel Hock und Rouven Hock mit ihren Kindern, Andrea Molter-Nägle und Axel Kammerer.  FOTO: Jennifer Klein
Limbach. Die Mitglieder der Solawi Limbach setzen auf regionale Landwirtschaft statt Markt-Abhängigkeit. Mitmacher gesucht. Von Jennifer Klein

Die Initiative Solidarische Landwirtschaft, kurz Solawi, in Limbach, muss sich derzeit ebenso wie der Rest der Bevölkerung der Herausforderung Corona stellen. Dabei versucht man der Situation möglichst gelassen zu begegnen. „Wir hamstern nicht, wir ackern!“ ist das Motto. Wir sind ja Selbstversorger“, erklärt Bärbel Hock, die gemeinsam mit ihrem Mann Rouven, unterstützt von ihrer Mutter, den Hof führt. Der Bioland-Hof „Auf dem Kore“ in Limbach ist seit Frühjahr 2017 eine Solidarische Landwirtschaft – nun beginnt am 1. April ein neues, das nunmehr dritte Solawi-Jahr. Wer noch mitmachen will, ist übrigens gerne willkommen.

Die Umstellung auf die Solawi hat das Ehepaar Hock nicht bereut. Von Anfang an fand das Konzept Unterstützer, ältere ebenso wie jüngere, quer durch alle Berufsgruppen, die meisten kommen aus Limbach, einige aber auch aus den umliegenden Gemeinden.

Astrid Hilt aus Homburg und Andrea Molter-Nägle aus Limbach mit ihrer Tochter Lea waren von Anfang an, seit der Gründung der Solawi, dabei. Gemeinsam etwas zu schaffen, die Gemeinschaft zu erleben, ist ihnen wichtig. Umweltschutz ist auch ein Aspekt, sich unabhängig von industrieller Erzeugung und einem globalisierten Markt zu machen und regionaler Strukturen zu stärken. Sie wollen sich bewusst ernähren und interessieren sich für die Herkunft ihrer Lebensmittel. „Es ist ein gutes Gefühl, zu wissen, woher die Lebensmittel kommen“, sagt Andrea Molter-Nägle.



„Es ist mehr als ein gutes Gefühl, es ist eine gute Sache“, ergänzt Axel Kammerer, stellvertretender Vorsitzender des Biosphärenzweckverbandes Bliesgau. „Die regionale Erzeugung, hier vor Ort, ist eine wichtige Komponente“, sagt er. Denn letztlich lasse sich nur regional nachhaltig wirtschaften, ist seine Überzeugung. „Es ist sinnvoll, wenn man mit der Erzeugung nah dran an dem ist, was gebraucht wird“, sagt er. Deshalb brauche man landwirtschaftliche Flächen vor Ort – und Landwirte, die diese bewirtschaften.

Wer bei der Solawi Mitglied wird, zahlt pro Monat einen bestimmten Betrag, und kann dann dafür regelmäßig seinen Ernteanteil auf dem Hof abholen. Wahlweise nur Gemüse oder aber mit Getreide, Mehl, Eiern und/oder Fleisch. Oft kann man sich Kartoffeln und Gemüse mengenmäßig selbst einteilen. Die regelmäßigen Beiträge sichern das Einkommen der Landwirte und der Beschäftigten auf dem Hof, derzeit eine feste Stelle und mehrere Helfer. „Sollten sich genügend neue Mitstreiter finden, könnten wir auf zwei feste Stellen aufstocken“, sagt Bärbel Hock. Zudem können die Mitglieder sich gerne mit einbringen. Das muss keinesfalls nur Gärtnern sein, sondern kann zum Beispiel auch Unterstützung bei der Pflege der Homepage oder im organisatorischen Bereich sein.

„Die Mitglieder wissen, woher ihre Lebensmittel stammen, können sicher sein, dass sie frisch, regional und in Bio-Qualität erzeugt werden“, so Bärbel Hock. Und kommen darüber hinaus auch in den Genuss, manche Sorten neu kennenzulernen, wie den Postelein zum Beispiel, ein Wintersalat, ähnlich wie Feldsalat. Oder den samenfesten lila Rosenkohl, den im letzten Jahr viele Mitglieder der herkömmlichen grünen Sorte vorgezogen hätten.

„In der Gemüseschwemmezeit im Sommer freuen sich die Mitmacher über die große Menge an Fruchtgemüsen und können durch Haltbarmachen gut für den Winter vorsorgen.“ Dabei gibt es auch Tipps, wie man die Erträge gut verarbeitet: „Im Winter kann man zum Beispiel aus Schwarz- und Grünkohl und Wirsing köstliche Gemüsechips herstellen“, sagt Bärbel Hock.

Nach 14 Jahren Bio-Anbau und inzwischen drei Solawi-Jahren hat die Familie Hock einiges an Erfahrungswerten zusammengetragen; so konnte zum Beispiel auch der letzte heiße, trockene Sommer gut gemeistert werden.

Denn so idyllisch es wirkt, wenn die Hühner über die Wiese laufen oder der Salat in Reih und Glied grünt – Landwirt ist ein Rund-um-die-Uhr-Job. Derzeit ist die Aussaat an der Reihe, da gibt es alle Hände voll zu tun. Und weil der Habicht immer wieder die Hühnermobile angreift, müssen die Hühner derzeit mit Netzen geschützt werden.

Einen Einblick ins Hofleben gibt auch der Newsletter, in dem die Familie Hock regelmäßig über das informiert, was gerade an Arbeiten ansteht und was auf dem Hof los ist. Zudem läuft unter den Mitgliedern ein reger Austausch über E-Mail oder auch die noch recht neue Facebook-Seite – Treffen fallen ja derzeit wegen der Corona-Krise aus.

Wer sich für die Solawi interessiert und sich informieren beziehungsweise mitmachen möchte, kann sich gerne melden: Informationen gibt es unter E-Mail info@
korer-kornspeicher.de und online

solawi-limbach.space

Facebook/Solawi Limbach

 Im Gewächshaus der Solawi Limbach gedeiht der Salat.
Im Gewächshaus der Solawi Limbach gedeiht der Salat. FOTO: Jennifer Klein