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Woche
Die Fastnacht ist zu schlapp geworden

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Wir beobachten derzeit wieder eine verstärkte Hinwendung zu religiösen Bräuchen, wenn auch nicht gerade im Zusammenhang mit dem Christentum. Doch auch das Christentum war mal mächtiger als heute und hat sich in grauer Vorzeit viel Mühe gegeben, die heidnischen Rituale zu verbannen. Von Christine Maack

Dabei gab es gerade in heidnischer Zeit so richtig schöne abergläubische Bräuche, vor allem, wenn es um jahreszeitliche Phänomene ging. Denn an Stelle der Wettervorhersage gab es Wotan und Donar, manchmal pfuschte auch Freya am Klima herum. Viel ist vom heidnischen Wetterdienst nicht mehr übrig geblieben. Etwa von dem Glauben, dass man der Sonne zu Hilfe eilen müsse, weil böse Winter-Geister sie bedrängen. Hässliche Masken und laute Geräusche sollten die Geister von der Sonne wegscheuchen und damit den Winter vertreiben, im Allemannischen auch Fastnacht genannt. Doch die Fastnacht ist nicht mehr das, was sie mal war. Denn just als sie in diesem Jahr vorbei war, kam der Winter mit Macht zurück. Die Sonne wurde nicht einmal bedrängt, denn sie schien kräftig. Nur warm war es nicht. Vermutlich ist die Fastnacht zu schlapp, zu brav und zu etabliert geworden, um noch irgend etwas gegen böse Geister ausrichten zu können.