| 21:29 Uhr

200 Jahre Landkreis Homburg
Der Kreis feiert seinen 200. Geburtstag

Schüler des Saarpfalz-Gymnasiums beschäftigten sich 2016 mit den Freiheitskämpfern Philipp Jakob Siebenpfeiffer, der erste Landrat des Kreises Homburg, und Johann Georg August Wirth. Hier stehen die Jugendlichen mit ihrem Lehrer und Monika Link in der Rolle von Wirths Ehefrau Regina am Freiheitsbrunnen in der Eisenbahnstraße. Gerade Jugendliche sollen beim 200. Geburtstag des Landkreises in diesem Jahr besonders eingebunden werden.
Schüler des Saarpfalz-Gymnasiums beschäftigten sich 2016 mit den Freiheitskämpfern Philipp Jakob Siebenpfeiffer, der erste Landrat des Kreises Homburg, und Johann Georg August Wirth. Hier stehen die Jugendlichen mit ihrem Lehrer und Monika Link in der Rolle von Wirths Ehefrau Regina am Freiheitsbrunnen in der Eisenbahnstraße. Gerade Jugendliche sollen beim 200. Geburtstag des Landkreises in diesem Jahr besonders eingebunden werden. FOTO: Eberhard Jung
Homburg. Oktoberfeste werden inzwischen auch an Orten gefeiert, in denen nichts bayerisch ist. Unsere Region wurde hingegen einst Bayern unterstellt, 1818 entstand der Landkreis Homburg. Dazu gibt’s nun das ganze Jahr über Veranstaltungen. Von Ulrike Stumm

Unter den wachsamen Augen seines „Ur-Vaters“ Philipp Jakob Siebenpfeiffer sprach gestern Saarpfalz-Landrat Theophil Gallo. Das tut er in der Regel immer dann, wenn es kreisweit relevante Dinge zu verkünden gibt. Doch diesmal hatte die Verbindung sozusagen als Amtskollegen über die Jahrhunderte hinweg eine besondere Bedeutung. In der Kreisverwaltung am Homburger Forum ging es nämlich um den Geburtstag des Landkreises. 200 Jahre ist es her, dass dieser aus der Taufe gehoben wurde.

Auf die runde Zahl kommt man dann, wenn man den Vorgänger des heutigen Saarpfalz-Kreises dazuzählt. Am 1. April 1818 entstand nämlich das Landcommissariat Homburg (siehe auch Infokasten). Das Verwaltungsgebiet war aber alles andere als deckungsgleich, sei über die Jahre permanent im Wandel gewesen. „Der damalige Landkreis Homburg wäre an jetzigen Landesgrenzen gemessen zu zwei­ Dritteln pfälzisch“, erläuterte Bernhard Becker, beim Kreis zuständig für Kultur und Heimatpflege. Er ist einer derjenigen, die im Hintergrund am Programm des Geburtstagsjahrs mitgestrickt haben.

Es sollte, so betonte Landrat Gallo, das Thema Jubiläum „in angemessener Form widerspiegeln“ und sich in jeder der sieben Kommunen in irgendeiner Form abspielen. Die Grundidee sei es gewesen, nicht nur „einfach zu feiern“, sondern Bezüge zu setzen. Neben dem Blick auf Vergangenes sollten darüber hinaus Jugendliche eingebunden werden und zwar so, dass diese aktiv etwas gestalten, betonte er.



Herausgekommen ist eine ziemlich bunte Mischung zwischen klassischem Erinnern und modernen Ausdrucksformen, zwischen Festakt, Ausstellung und App, zwischen einem speziellen Poststempel und beeindruckenden künstlerischen Schülerarbeiten. Streng genommen wurde mit dem Erinnern an die 200 Jahre bereits im vergangenen Jahr begonnen: zum Beispiel mit einer Wanderausstellung zum Thema  „100 Jahre Bayern“. Nach deren Start im Sommer in der Kreisverwaltung soll sie nun in diversen Kommunen zu sehen sein. Ein erster Höhepunkt ist das Festbankett der Siebenpfeiffer-Stiftung am 28. Januar. Sprechen wird dabei Heribert Prantl aus der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung. Er selbst erhielt 1999 den  Siebenpfeiffer-Preis.

Nach einer Kabarettrevue am 24. März mit dem Trio Marx, Ruge, Holzhauser, das die Siebenpfeifferzeit samt Hambacher Fest und der Revolution 1848/49 in Texten und Liedern unter die Lupe nehmen wird, folgt der Festakt im Forum am 15. April – der genaue historische Termin, der 1. April, ist der Ostersonntag, den wollte man vermeiden. Sprechen werden der Historiker Professor Andreas Rödder von der Uni Mainz sowie Professor Hans-Günter Henneke, geschäftsführendes Präsidialmitglied des deutschen Landkreistages. Für passende Musik sorgt der Bexbacher Schubert-Chor mit Freiheitsliedern des Hambacher Fests.

Um alle Kommunen ins Jubiläum einzubeziehen, wurden sieben Wandertouren konzipiert zu bayerischen Bauwerken oder Stellen mit historischem Bezug. Dazu kommen weitere Angebote (Bericht folgt).

Und wie will man junge Menschen in die doch schon ziemlich ferne Vergangenheit mitnehmen? Durch Mitmachen. Die Organisatoren haben hier einen weiteren Schwerpunkt gesetzt, So haben zum Beispiel Schüler aus der Informatik-AG des Saarpfalz-Gymnasiums eine App entwickelt, die eine Stadtbesichtigung zur digitalen Schnitzeljagd macht, gespickt mit Bildern und vielen anderen Zugaben. Sie soll auch nach dem Jubiläumsjahr verfügbar sein. Daneben stehen beeindruckende schulische Kunstprojekte, ein Konzert des Kreis-Jugendsinfonieorchesters im Rahmen des Besuchs von Offiziellen aus dem polnischen Partnerlandkreis Przemysl. Geplant ist weiter beispielsweise ein Poetry-Slam-Workshop-Wochenende. Live erleben kann man einen solchen Poesiewettstreit dann bei der Demokratiekonferenz im Oktober. Zudem läuft im Sommer ein offener Kunstwettbewerb zu den Themen Demokratie, Siebenpfeiffer, Meinungs- und Pressefreiheit.

Gegen Ende des Geburtstagsjahres wird am 11. November das 30-jährige Bestehen der Siebenpfeiffer-Stiftung begangen. Und wer all das dann noch einmal in Ruhe nachvollziehen möchte, der kann das im Nachklapp tun, denn die Aktionen sollen in Bildern dokumentiert werden.

Vor dem Bild von Philipp Jakob Siebenpfeiffer, seinem historischen „Ur-Vater im Amt“, spricht der aktuelle Saarpfalz- Landrat Theophil Gallo häufig.
Vor dem Bild von Philipp Jakob Siebenpfeiffer, seinem historischen „Ur-Vater im Amt“, spricht der aktuelle Saarpfalz- Landrat Theophil Gallo häufig. FOTO: Thorsten Wolf
Vor dem Bild von Philipp Jakob Siebenpfeiffer, seinem „Ur-Vater im Amt“, spricht Saarpfalz-Landrat Theophil Gallo.
Vor dem Bild von Philipp Jakob Siebenpfeiffer, seinem „Ur-Vater im Amt“, spricht Saarpfalz-Landrat Theophil Gallo. FOTO: Ulrike Stumm