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Silvester in Homburg
Es darf geböllert werden – noch . . .

 Raketen und Böller gehören für viele zur Silvestertradition dazu, sind aber derzeit heftig in der Diskussion.
Raketen und Böller gehören für viele zur Silvestertradition dazu, sind aber derzeit heftig in der Diskussion. FOTO: dpa / Carmen Jaspersen
Homburg. In den Märkten der Region gibt es trotz Klimaschutz- und Tierschutz-Debatte Feuerwerk in reicher Auswahl. Von Jennifer Klein

 Wer so ein richtiger Silvester- und Feuerwerks-Fan ist, der hat es schwer in diesen Tagen. Zwar finden laut Umfragen viele Menschen Feuerwerk schön anzuschauen und gesellig, trotzdem sind immer mehr für ein Verbot. Klimaschutz, Tierschutz, Lärmschutz – in vielen Großstädten ist Feuerwerk verboten. Der Handel hat mancherorts bereits den Feuerwerksverkauf eingestellt. Discounter wie Lidl, Aldi und Netto fahren die entgegengesetzte Strategie und bewerben Feuerwerksartikel ausführlich.

Bei den Supermärkten wie Edeka, Wasgau, Rewe oder Müller in der Region gibt es nach wie vor Feuerwerk zu kaufen, wie von den Kaufleuten zu erfahren ist, auch wenn im Vorfeld schon darüber diskutiert wurde. Aber schließlich waren die Waren bereits geordert und auch entsprechend beworben. Da könne man den Kunden auch schlecht sagen: „Wir führen das nicht.“ Zumal das Feuerwerksgeschäft dem Handel bislang gute Umsätze beschert – wie es dieses Jahr aussieht, bleibt abzuwarten. Der Verband der pyrotechnischen Industrie erwartet, ähnlich wie im Vorjahr, auch für den Jahreswechsel 2019/2020 rund 133 Millionen Euro Umsatz.

Bei Globus in Einöd habe man zwar auch „mal kurz darüber nachgedacht, den Verkauf einzustellen aus Tierschutz- und Klimaschutz-Gründen“, aber letzten Endes dann doch entschieden, weiter Böller, Raketen und Co zu verkaufen, berichtet Doris Wittenmaier, die bei Globus im Kundenservice an der Infotheke arbeitet. „Die Nachfrage ist so groß“, sagt sie. Da sie selbst Hunde hat, bräuchte sie persönlich die Knallerei zwar nicht, für die Tiere sei das eine Quälerei, aber der Feuerwerksverkauf komme bei den Kunden einfach gut an. In den letzten Jahren würden zunehmend Batterien nachgefragt, weniger einzelne Raketen und Böller – „entsprechend haben wir auch das Angebot zusammengestellt. Und auch Zubehör und kleinere Partyartikel werden gerne gekauft“, ist ihre Erfahrung. Die ersten Kunden stünden bereits frühmorgens zur Ladenöffnung vor der Tür, um sich ihre Wunsch-Feuerwerksbatterien zu sichern.



So wie Tobias Fischer, den wir am Samstagfrüh im Globus beim „Abarbeiten“ seiner Feuerwerksliste treffen. Für ihn „gehört Feuerwerk einfach zu Silvester dazu“, erklärt der 27-Jährige. „Es ist einfach schön anzusehen, man trifft sich dazu gemeinsam auf der Straße. Und es ist eh nur einmal im Jahr.“ Zum Klimaschutz könne man das ganze Jahr über auch anders beitragen. Zwar habe er schon Verständnis für die Argumente der Tier- und Klimaschützer, aber für ihn gehört das Silvester-Feuerwerk zur Tradition, ein Stück Kultur.

Vor rund 1000 Jahren wurde in China, angeblich von Mönchen, das Schwarzpulver erfunden. Arabische Händler brachten es im 14. Jahrhundert nach Europa. Lange blieb es den Adeligen vorbehalten, vor allem im Barock war Feuerwerk bei Festlichkeiten beliebt. Erst im 19. Jahrhundert wurde es auch für die breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Heute gibt es eine Vielzahl an bunten Feuerwerksbatterien, Raketen und Böllern – Fischer hat sich vorab Videos im Internet angeschaut, „um zu sehen, wie die Effekte sind“, erklärt er, damit man ein bisschen einen Anhaltspunkt hat. Schließlich kostet eine Batterie locker ab 20 Euro, die Grenze nach oben ist offen. Einige Batterien hat er bereits über den Online-Handel erstanden. Allerdings fallen dafür teils hohe Versandkosten an, weil Feuerwerk unter das Sprengstoffgesetz fällt. Auch die Geschäfte müssen bei der Lagerung von Feuerwerk spezielle Sicherheitsbestimmungen einhalten und die Mitarbeiter im Umgang damit unterweisen – bei Globus überprüft überdies auch ein Feuerwehrmann, dass alles seine Richtigkeit hat, sagt Doris Wittenmaier.

Geprüftes Feuerwerk in Deutschland trägt das CE-Zeichen, und die vierstellige Prüfnummer 0589 der BAM (Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung). Laut Sprengstoffgesetz ist „das Abbrennen pyrotechnischer Gegenstände in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie besonders brandempfindlichen Gebäuden oder Anlagen verboten“. Und sonst gilt: „Man muss eben aufpassen“, sagt Fischer. Wenn starker Wind weht, zum Beispiel lieber warten mit dem Abbrennen, als ein Risiko einzugehen. „Und mit besoffenem Kopp böllern geht halt nicht“.

Wie ein Blick in die Einkaufswagen an diesem Morgen zeigt, kaufen viele aber doch eher moderat. Vielleicht ein Zugeständnis an die allgemeine Stimmungslage? So ganz verzichten will man nicht, aber eben etwas weniger.

Bleigießen gibt es ja auch schon nicht mehr. Nachdem die übrig gebliebenen Formen aus den vergangenen Jahren aufgebraucht sind, ist es dann wohl an der Zeit, Wachsgießen auszuprobieren. Aber mit einem Marzipan-Glücksschweinchen (Bio, ohne künstliche Farb- und Aromastoffe) kann man wohl nichts falsch machen beim „guten Rutsch“ ins neue Jahr.

 Die Nachfrage in den Läden der Region nach Feuerwerkskörpern ist nach wie vor groß.
Die Nachfrage in den Läden der Region nach Feuerwerkskörpern ist nach wie vor groß. FOTO: Jennifer Klein