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Stiftung Schriftkultur
Das Kulturgut Schrift angemessen fördern

 Inmitten ihrer Gäste eröffnete Katharina Pieper am Sonntag offiziell die Räume des Vereins auf dem Gut Königsbruch in Bruchhof.
Inmitten ihrer Gäste eröffnete Katharina Pieper am Sonntag offiziell die Räume des Vereins auf dem Gut Königsbruch in Bruchhof. FOTO: Thorsten Wolf
Bruchhof. Aus einem Stall in Bruchhof wurde durch die Kalligrafie-Künstlerin Katharina Pieper ein Raum für die „Stiftung Schreibkultur“. Von Thorsten Wolf

Kalligrafie ist die Kunst des Schönschreibens von Hand, mit dem Federkiel, dem Pinsel, dem Filzstift oder einem anderen Schreibwerkzeug. So weit die nüchterne Definition einer ganz besonderen Kunstform. Nun mag sich der eine oder andere fragen, was die kreative Gestaltung von Buchstaben mit Kunst zu tun hat. Die Antwort darauf liefert seit vielen, vielen Jahren die in Jägersburg lebende Schriftkünstlerin Katharina Pieper, die sich mit unzähligen Ausstellungen nicht nur national, sondern auch international einen Ruf erarbeitet hat.

Am vergangenen Sonntag schlug Pieper nun ein neues Kapitel ihrer eigenen Geschichte auf – mit der offiziellen Eröffnung der Räumlichkeiten der „Stiftung Schriftkultur“, beheimatet in einen wunderschön umgestalteten, ehemaligen Stall des Guts Königsbruch in Bruchhof. Neben einer aktuellen Ausstellung mit Werken von Pieper und ihres 2015 verstorbenen, langjährigen Lebensgefährten Jean Larcher ist dort auch das Erbe eben dieses außergewöhnlichen Schriftkünstlers zu sehen.

Die Stiftung selbst, gegründet von Pieper, „versteht sich als eine international agierende Institution zur Förderung und Verbreitung des Kulturgutes Schrift, der Schriftkunst, der Kalligrafie und der Typografie sowie der Handschrift als Kommunikationsmittel und als Kunstform“ — so weit die Selbstbeschreibung des Vereins. Neben Ausstellungen und eben dem Jean-Larcher-Archiv gibt es auch noch ein kleines Museum im Gewölbekeller des Stiftungssitzes. Ohne Zweifel: In Bruchhof ist etwas Großes entstanden.  Dass der Sonntag in Bruchhof kein Termin wie jeder andere war, das betonten auch die Redner der Eröffnung. Als erster würdigte Homburgs Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind in seiner Begrüßung die erneuten Verdienste Piepers um die kulturelle Landschaft Homburgs. „Wir sind Ihnen als Stadt zu großem Dank verpflichtet“, so der Verwaltungchef in Richtung der Schriftkünstlerin. „Wir haben durch Sie ein absolutes kulturelles Highlight mehr in unserer Stadt.“ Schneidewind zeigte sich auch vom Titel der aktuellen Ausstellung „Begegnung mit Schrift – Kalligrafie kennt keine Grenzen“ sehr angetan — als Gegenwurf zu aktuellen gesellschaftlichen Strömungen, die wieder Grenzen in den Köpfen aufbauten. „Ich glaube, Kultur hat auch die Aufgabe, gegen solche negativen Entwicklungen anzugehen.“



Als Gründungsmitglied der Stiftung Schriftkultur erinnerte Roger Münch, der Direktor des Deutschen Zeitungsmuseums in Wadgassen als Partner der Stiftung, an die Anfänge der Zusammenarbeit. Die reichten bis ins Jahr 2010, damals habe man gemeinsam erste Überlegungen hinsichtlich eines Miteinanders gemacht, „im Jahr 2012 haben wir dann eine Ausstellung von Pieper und Larcher ausgerichtet. Und damals gab es schon die Idee, etwas Ständiges, etwas Bleibendes zu machen.“

Dieses nun entstandene „Ständige und Bleibende“ würdigte schließlich die Kunsthistorikern Françoise Mathis-Sandmaier. Mit einer stimmigen Einordnung der Arbeit von Pieper und Larcher, sowohl als Einzelkünstler – „beide Namen stehen unzweifelhaft für Kenner- und Könnerschaft“ – als auch als Künstlerpaar mit den daraus entstehenden Energien und Synergien: „Dass zwei Koryphäen der Kalligrafie wie Pieper und Larcher nicht nur künstlerisch, sondern auch privat zusammenfanden, das passiert nicht alle Tage. Dass die Arbeit und das Zusammenleben eine kreativ-produktive Einheit bildeten, sollte sich für uns als Segen erweisen – denn sie beschert uns nicht weniger als einen kalligrafischen Schatz, der Dank Pieper seit 2017 in diesem einzigartigen Zentrum für Kalligrafie und Kunst eingesehen werden kann.“  Der so von vielen Adressen für ihre Engagement gewürdigten Katharina Pieper gehörte dann das letzte Wort des offiziellen Teil der Eröffung der Stiftungsräumlichkeiten – mit einem Zitat des Schweizer Künstlers Georges Wenger: „Wer Hand und Kopf miteinander verbindet, der verliert nicht so schnell den Boden unter den Füßen!“