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Siebenpfeiffer-Führung
„Das Homburger Völkchen ist äußerst liberal“

Auf den Spuren von Siebenpfeiffer und Wirth führt „Regina Wirth“, dargestellt von Monika Link, die Teilnehmer.
Auf den Spuren von Siebenpfeiffer und Wirth führt „Regina Wirth“, dargestellt von Monika Link, die Teilnehmer. FOTO: Martin Baus/Siebenpfeiffer-Stiftung
Homburg. Regina Wirth plaudert bei einer Kostümführung aus der Homburger Geschichte. Von red

Wo der frühere Landcommissär Siebenpfeiffer seine letzte Nacht in Homburg zubrachte und in Ketten gelegt der Homburger Bevölkerung vorgeführt wurde. Wo genau sein Mitstreiter für die Pressefreiheit Wirth im Nachthemd und mit der Schlafmütze auf dem Kopf geballter Polizeigewalt die Stirn bot. Wo der widerspenstige protestantische Dekan Weber — nach höchstpersönlicher Auffassung von Bayernkönig Ludwig I. „ein Wolf im Schafspelz“ — seinen Wein lagerte und wie sich die Homburger Bürger sammelten, um mit Pferdefuhrwerken zum Hambacher Fest zu gelangen. Episoden wie diese gehören mit zu dem Rundgang durch Homburg, zu dem für Donnerstag, 17. Mai, die Siebenpfeiffer-Stiftung einlädt. Die Exkursion – die erste für dieses Jahr — gilt jenen Schauplätzen, an denen im Vorfeld des Hambacher Festes in den Jahren 1830 bis 1832 ein Stück deutscher Demokratiegeschichte geschrieben wurde, wie es in der Pressemitteilung der Siebenpfeiffer-Stiftung weiter heißt.
„Das Homburger Völkchen ist äußerst liberal“ schrieb Georg Fein, der Redakteur an der „Deutschen Tribüne“ in Homburg, im Jahr 1832 in einem Brief an seine Mutter in Wolfenbüttel, und dieses Zitat ist auch das Motto der Stadtführung.

Die Tour zu den einschlägigen Schauplätzen der Ereignisse um Siebenpfeiffer und Wirth wird aber kein gewöhnlicher Rundgang von der Altstadt zum Rondell. Vielmehr erwartet die Teilnehmer eine inszenierte Kostümführung; Monika Link wird als „Regina Wirth“, also als Witwe von Johann Georg August Wirth, in zeitgenössischer Bekleidung Revue passieren lassen, was sie in ihrer stürmischen Homburger Zeit zwischen 1832 und 1834 so alles erlebt hat, während ihr streitbarer Gatte die meiste Zeit im Gefängnis einsaß. Die Stationen der von ihr geleiteten Begehung sind etwa das Terrain, auf dem sich einst Siebenpfeiffers Wohnung und auch das „Landcommissariat“ befanden, die Druckerpresse, auf der die Wirths berühmt-berüchtigte „Tribüne“ zeitweise gedruckt wurde, das Gasthaus Cappel, in dem das erste von zahlreichen „Festbanketten“ stattfand, das Gebäude, in dem Wirth arbeitete und mit seiner Familie lebte und schließlich auch der Freiheitsbrunnen am Rondell.

Ausgangspunkt ist um 18 Uhr das Außengelände des Siebenpfeiffer-Hauses in der  Kirchenstraße 8. Die Begehung dauert etwa anderthalb Stunden, die Teilnahme ist kostenlos. Bis September finden diese Kostümführungen jeweils einmal im Monat statt, heißt es in der Pressemitteilung des Veranstalters weiter.