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Autoindustrie Homburg
E-Ladestellen statt Wasserstofftankstelle in Homburg

 Eine Bürgerinitiative fordert in Homburg den weiteren Bau von E-Ladestationen, wie hier am Uniklinikum.
Eine Bürgerinitiative fordert in Homburg den weiteren Bau von E-Ladestationen, wie hier am Uniklinikum. FOTO: Foto: Jürgen Schirra/Stadtwerke
Homburg. Die SPD, wie auch die CDU, fordern in Homburg eine Wasserstofftankstelle. Dafür gibt es jetzt Kritik einer Bürgervereinigung. Von Peter Neuheisel

„Besser zu spät als garnit“, urteilt die saarländische Bürgervereinigung „Energiewende e.V.” über die Forderung der Homburger SPD nach einer Wasserstofftankstelle. Die Investition sei unter den Betroffenen längst abgesprochen und in der Pipeline, heißt es in einer Pressemitteilung. Dass die Tankstelle in der Berliner Straße in Erbach erst in einigen Jahren kommen werde, liege daran, dass es aktuell kaum Wasserstofffahrzeuge zu kaufen gebe und die Erzeugung von Wasserstoff aus erneuerbarem Überschussstrom gerade erst anlaufe.

„Wasserstoff, der aus Erdgas stammt, nützt dem Klimaschutz überhaupt nichts”, urteilt Friedhelm Chlopek, einer der Sprecher des Vereins „Energiewende”, die sich seit der Atomkatastrophe von Tschernobyl um eine Energieversorgung jenseits von Atom und Kohle bemüht. Immerhin sei man jetzt in Homburg aufgewacht und nehme sich des Themas an. „Allerdings muss man sich dann auch fachkundig machen”, so Chlopek weiter. „Was wir gegenwärtig dringender brauchen als diese Tankstelle, sind Ladestellen für Elektrofahrzeuge. Diese haben, im Unterschied zur Wasserstofftechnik, die Marktreife erreicht und benötigen diese Infrastruktur dringend. Dass man sich ausgerechnet hier noch querstellt,  zeigt, wie wenig sich die Homburger SPD mit dem Thema beschäftigt hat.” Die Energiewende müsse auch im Verkehrssektor aktiv und von fachkundigen Leuten gestaltet werden, sonst passierten hier ähnlich kostspielige Fehler wie beim Ökostrom, urteilt der Verein mit Sitz in Saarbrücken.

 Auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) nimmt in einer jüngsten Stellungnahmn Tempo aus der Wasserstoff-Diskussion heraus. Sie möchte die klimafreundliche Wasserstoff-Produktion zunächst praktisch ausschließlich für die Industrie einsetzen. Die Kapazitäten seien national und international noch lange begrenzt, sagte die SPD-Politikerin Mitte der Woche bei einer „Handelsblatt“-Tagung zur Zukunft der Stahlindustrie in Düsseldorf. Erneuerbaren Wasserstoff gelte es dort einzusetzen, wo er den größten Klimaschutzeffekt habe und dort, wo keine anderen, effizienteren Technologien verfügbar seien. „Priorität hat Wasserstoff für die Industrie“, so Schulze. Das sei in erster Linie die Stahl- und Chemieindustrie sowie der See- und Luftverkehr. Das Umweltministerium prüfe Optionen, mit denen sichergestellt werden könnten, dass der Wasserstoff zuallererst in den Branchen ankomme und dabei auch bezahlbar sei.



Dagegen wollen Bundesverkehrsministerium und das Wirtschaftsressort in Berlin Wasserstoff auch für den Auto- und Schwerlastverkehr, um dem Verbrennungsmotor noch eine Zukunft zu geben. Gerade beim Pkw setzt Schulze jedoch auf den Elektro-Antrieb, wie sie betonte. Dieser sei in der Entwicklung schon weiter fortgeschritten.